Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Einleitung ..... 1
2. Ein neuer Anfang .. 6
2.1
Ankunft eines ersten Gastes ......... 6
2.2
Einige mutige Investoren .... 10...........
2.3
Erschließung peripherer Räume durch den Bahnbau ... 14
3.
Veränderung des Ortsbildes und erste Gegensätze ....... 16
3.1
Die Bahnbrecher des gehobenen Fremdenverkehrs ... 16
3.2
Scharfe Gegensätze entzweien die Bürger ....... 21
3.3
DieTrennung in zwei
Gemeinden . 24
4.
Der Förderungsverein als Pionier des Fremdenverkehrs ............ 26
4.1
Ausrichtung auf gemeinsame Ziele 26
4.2
Umfassende Neugestaltung des Ortsangebotes ....... 29
4.3
Durchbruch zu einer
bekannten Sommerfrische 33
5.
Entdeckung Millstatt’s durch Adel und
begüterte Familien .... 36
5.1
Ankauf von Grundstücken in bester Lage 36
5.2
Bau stilvoller Villen 39
5.3
Förderung des Fremdenverkehrs durch Villenbesitzer 42
6. Die
Entwicklung des Fremdenverkehrs in den anderen
Seeuferorten . 44
6.1
Seeboden ........... 44
6.2
Dellach (Gemeinde Obermillstatt) .... 46
6.3
Döbriach (Gemeinde Radenthein) ....... 47
6.4 Die
Schiffsverbindungen am See 47
Seite
7.
Die Voraussetzungen für die erste Hochkonjunktur ............ 50
7.1
Die natürlichen Voraussetzungen 50
7.2
Die Einrichtungen und Anlagen 51
7.3
Das Humankapital ... 52
8. Von der Scheinkonjunktur zum Stillstand ................. 54
8.1
Ein mühevoller Neubeginn ... 54
8.2
1000 – Mark Sperre und Juliputsch ... 59
8.3
Bis zum bitteren Ende ... 64
9. Quantität statt Qualität im Massentourismus
.. 66
9.1
Erste Schritte auf alten Grundlagen 66
9.2
Das Wirtschaftswunder ... 68
9.3
Gästeschwemme ... 72
10.
Ökologischer Zusammenbruch .... 74
10.1 Zur Naturkunde der Kärntner Seen im allgemeinen
und des Millstätter Sees im besonderen ................. 74
10.2 Konflikt Natur – Fremdenverkehr
durch Siedlungsentwicklung und Bettenvermehrung 78
10.3
Belastungen durch Abfall und Abwasser 82
11. Die
Sanierung des Millstätter Sees ...... 86
11.1 Gemeinsam im Wasserverband ............ 86
11.2 Die Finanzierung ................. 89
11.3 Bis zur Trinkwasserqualität
..... 91
Seite
12.
Zusammenfassung und Ausblicke ................. 93
12.1 Von den Anfängen bis zum
Massentourismus ......... 93
12.2 Reduktion der Quantität 96
12.3 Zum Schluß provokant zwei
Alternativen zur Auswahl:
Rückkehr zum Fischerdorf - oder Aufbruch zu neuen Ufern ...... 97
13.
Quellen und Literatur ............... 105
14.
Beilagen und Bilder ............... 110
1.
Einleitung
Millstatt war nun nicht mehr ein mit Leben und Kraft erfülltes Macht- und Strahlungszentrum für eine Region von 65.146 Joch und 7.426 Seelen. Dies bedeutete für die Bauern eine Befreiung von der drückenden Abgabenpflicht, für die Bürger jedoch eine einschneidende Veränderung, da bereits im Jahre 1787 mit dem Bau eines Pfarrhofes eine von Millstatt getrennte Pfarre Obermillstatt eingerichtet wurde.
Damals versuchten die Millstätter Gastwirte, die Einsetzung eines eigenen Geistlichen für Obermillstatt zu verhindern, da sie von den bisher die Kirche Millstatt besuchenden Gläubigen kein Geschäft mehr erwarten konnten. Damit keimten bereits erste Gegensätze zwischen „unten“ und „oben“, die ein späteres Auseinanderleben einleiteten.
Die staatlichen Kameralpfleger hatten meist wenig Verständnis für die ihnen übertragenen kulturellen Werte, weshalb Kloster und Ordensschloß mit den Befestigungsmauern dem Verfall preisgegeben wurden. Im bedeutenden romanischen Kreuzgang befanden sich zeitweise Stallungen, Magazine und eine Tischlerwerkstätte.
Das Zentrum des Marktes verwandelte sich in den Jahren der Kameralherrschaft von einer durch den letzten Orden sorgsam gepflegten Kulturstätte zu einer Ruine.
Erst dem Kärntner Historiker Gottlieb Freiherr von Ankershofen gelang es im Jahre 1857, durch Vorsprachen in Wien und Graz diese Zustände zu beenden. Ihm ist es zu verdanken, daß die noch vorhandenen beweglichen Kulturschätze erhalten blieben und für den Geschichtsverein für Kärnten nach Klagenfurt gebracht werden konnten.
In diesen Jahrzehnten vollzog sich auch ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel, denn die Bedeutung von Millstatt als dem zentralen Ort einer weit verzweigten Herrschaft mit allen damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteilen eines Marktortes, sank in einer stetigen Abwärtsentwicklung zur Bedeutung eines Fischerdorfes herab, zu der auch die Franzosenzeit mit Ablieferungsverpflichtungen, Kriegskontributionen, Teuerung und Verarmung der Bevölkerung beitrug.
Nur zu Gunsten der Bauern änderten sich die Verhältnisse, da sie mit der Aufhebung der Leibeigenschaft im Jahre 1848 freie Bürger wurden.
Im Jahre 1855 hatte der Markt Millstatt 69 Häuser und 438 Einwohner. Neben einer Anzahl von gemauerten, meist ehemals zum Kloster gehöriger Gebäude im Norden, Westen und Süden war der Marktplatz von armseligen Keuschen umgeben, wo sich ein kleines Einkehrgasthaus, eine Greislerei, Bäckerei, im nördlichen Anschluß eine Lebzelterei, ein weiteres Gasthaus und am oberen Ende eine kleine Schmiede für den Hufbeschlag befanden.
Im Osten waren ebenfalls Holzkeuschen vorherrschend, im Süden ein kleines Gasthaus, einige ebenerdige, gemauerte Gebäude, ein Schneider und ein Sattler.
Am Seeufer standen die Keusche des Färgen, der die Überfuhr zum Südufer nach Großegg besorgte und noch einige kleine Keuschen, sowie Holzlagerplätze und Landestellen für die Plätten (Flachboote) zum Transport von Holz und Vieh. Westlich davon war eine Lohnmühle und am Mühlbach eine Weißgerberei und Säge. Weiter westlich stand noch der ehemalige Marhof des Klosters, der jedoch im Jahre 1862 bei einem Brand vollkommen eingeäschert wurde. [1] (Bilder: Oberer und Unterer Marktplatz)
Das waren also die eher unerfreulichen Voraussetzungen, unter denen eineinhalb Jahrzehnte später der Beginn einer völligen Veränderung des Ortes und der Menschen einsetzen sollte.
Die Wahl des Themas dieser Arbeit, beginnend mit der Ankunft des ersten Sommergastes, die tiefgreifenden Veränderungen bei den einheimischen Ortsbewohnern im Gefüge der Siedlungen und die Beeinträchtigung der Natur zu untersuchen, bietet eine reizvolle Aufgabe, um neben der ökonomischen und ökologischen Komponente auch soziale Aspekte anzusprechen.
Im Laufe der Entwicklung von den Anfängen des Fremdenverkehrs bis zum Massentourismus gab es nämlich Umbrüche in allen Lebensbereichen der Menschen, die als epochal bezeichnet werden könnten.
Das Hauptinteresse dieser Arbeit soll vor allem der Entwicklung des Fremdenverkehrs im Gebiet der Marktgemeinde Millstatt mit allen ihren positiven und negativen Auswirkungen gewidmet bleiben, jedoch auch jene der übrigen am Millstättersee gelegenen Orte berühren.
In den zeitlich oft übergreifenden Abschnitten wird zuerst ein Schwerpunkt den Erfolgen der Jahre von 1870 bis 1914 gelten. Ein gewichtiger Teilbereich wird der Hochkonjunktur und Wirtschaftskrise der 30-er Jahre zu widmen sein. Der Entwicklung zum Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts soll entsprechender Raum gegeben werden und schließlich werden die Probleme der Seewasserverschmutzung und deren Bewältigung einen Abschluß und Ausblick ermöglichen.
Zur Untermauerung, fachlichen Begründung und Beweisführung wurde eine größere Zahl einschlägiger Literatur bearbeitet. Darüber hinaus konnte Einsicht in unveröffentlichte Chroniken örtlicher Institutionen, Werbebroschüren, Fremdenführer, Projektunterlagen, Sitzungsakte und Protokolle – soweit erreichbar – genommen werden. Schließlich sollen einige Bilder zur Illustrierung bestimmter Zeitabschnitte beitragen. Es wird bewußt auf die Nennung von Namen noch lebender Personen und der Bewertung von Ereignissen, Maßnahmen und Zielsetzungen Abstand genommen.
2. Ein neuer Anfang
2.1 Ankunft eines ersten Gastes
Mit der Industrialisierung in den Städten, der Erfindung von Maschinen und neuartigen Verkehrsmitteln, entstand das wirtschaftliche Bedürfnis, Verbindungen von den Zentren zu den peripheren Räumen herzustellen.
Die erste Pferdebahn wurde zwischen Linz und Budweis in den Jahren 1824 – 1832 errichtet und bereits im Jahre 1836 erhielt eine Aktiengesellschaft unter Führung des Bankhauses S.M. Rothschild das Privilegium zur Errichtung der „Kaiser Ferdinand Nordbahn“.
Im Jahre 1841 wurde ein Eisenbahnkonzept zur Errichtung der wichtigsten Linien geschaffen, um vor allem die Weiterführung der nördlichen und südlichen Linien in den Mittelpunkt zu stellen. Die Südliche Staatsbahn konnte so noch in den vierziger Jahren ausgebaut und im Jahre 1849 bis Laibach vollendet werden.
Nach der Zusammenfassung der inländischen Linien in die „k.k. priv. Südbahngesellschaft“ im Jahre 1862 erfolgte im Jahre 1867 die Fertigstellung der Semmeringbahn, 1863/64 die Eröffnung der Kärntner Linie Marburg – Klagenfurt – Villach und 1871 weiter bis Franzensfeste, womit der Anschluß zur Brennerbahn hergestellt werden konnte.
Eine Initiative des Abgeordnetenhauses im Jahre 1901 sah die Realisierung der Alpenbahnen, darunter der Tauernbahn von Schwarzach bis Spittal/Drau vor, die im Jahre 1909 in Betrieb genommen wurde. [2]
„Der erste Gast aus Wien, dessen Name leider nicht mehr feststellbar ist, suchte Millstatt 1869 auf und nahm im Gasthaus Trebsche Quartier“. [3]
Wenn man seine mühevolle, aber nicht in schriftlichen Quellen nachweisbare Entdeckungsfahrt nachzuempfinden versucht, muß er durch die ihm bekannt gewordene neue Bahnstrecke angeregt worden sein, bis zur Endstation Villach zu reisen, um von dort aus Oberkärnten zu erkunden.
Sicherlich hat er nach längerem Suchen ein Pferdefuhrwerk oder eine Kutsche aufgetrieben, um entlang des Drautales weiterzukommen, wo ein dichter, Staub aufwirbelnder Verkehr von bespannten Fahrzeugen vorherrschte, da die Bahnstrecke bis Spittal bereits in Bau war.
In Molzbichl dürfte er in einem Einkehrgasthaus von einem Bauern erfahren haben, daß über dem niederen Bergrücken des Hochgosch der Millstättersee und an dessen Nordufer der Markt Millstatt mit dem ehemaligen Kloster und der alten Kirche liegt.
Kurz entschlossen nahm er wahrscheinlich mit seinem Gepäck beim Bauern auf dessen Gosch (zweirädriger Karren) Platz und fuhr mit ihm bis Großegg an das Südufer des Millstätter Sees. Obwohl es bereits spät am Tage war, brachte ihn ein junger Knecht dann wohl noch mit einer Plätte ( Flachboot) nach Millstatt. Er wird schon auf der Fahrt erfahren haben, daß in der Nähe des Seeufers der kleine Gasthof Trebsche sei, wo man auch Quartier nehmen könne.
Die Suche dauerte darum auch nicht lange und müde von der anstrengenden Reise wird er froh gewesen sein, die beschriebene Unterkunft und ein Nachtlager gefunden zu haben.
Es wird ihn darum auch nicht gestört haben, daß das Zimmer muffig und schmutzig und er in einem knarrenden altersschwachen Bett auf einem Strohsack die Nacht verbringen mußte.
Erst am nächsten Tag lernte er die Hausleute kennen. Er mußte in den folgenden Tagen mit den einfachsten Speisen vorlieb nehmen, die von den Wirtsleuten und den wenigen zukehrenden Handwerkern und Bauern gegessen wurden: Sterz, Milch, Butter, Erdäpfel, Kraut, Talgn, fetter Speck, und schwarzes Brot. Denn es kam auf den Tisch, was im Hause und der Zuhube erzeugt wurde.
Wenn auch die Verpflegung und das Quartier keineswegs den Vorstellungen dieses ersten „Fremden“ entsprochen haben mag, so war er umso mehr bei seinem Rundgang durch den Ort und die nahe Umgebung von der wunderbaren Landschaft, dem spiegelblanken See, in dem sich der Wald spiegelte, der Ruhe und Beschaulichkeit, der würzigen Luft und dem warmen Klima so angetan, daß er seine geplante Rückreise nach Wien von Tag zu Tag verschob und schließlich auf zwei Wochen ausgedehnt hatte.
Er konnte in dieser Zeit viele Einheimische kennen lernen, Handwerker und Bauern, Dienstboten und Knechte und erlebte auch am „Großen Frauentag“ (Fest Maria Himmelfahrt) die große Prozession durch den mit grünen Zweigen geschmückten Markt und sah die uniformierte privilegierte Millstätter Bürgergarde in ihren grünen Röcken und weißen Hosen, die vor dem Pfarrhof einen Salut schoß.
Als dieser erste Gast zur Abreise entschlossen war, wird er wohl seinem Wirt Trebsche versprochen haben, im nächsten Jahr mit einigen befreundeten Familien wiederzukommen, und es ist zu vermuten, daß er ihm empfohlen hatte, für eine bessere Ausstattung der Zimmer und eine reichhaltigere Verpflegung zu sorgen.
Er wird auch tatsächlich im folgenden Jahr auf Grund seiner begeisterten Erzählungen mit einer ansehnlichen Gesellschaft angekommen sein, die zum Teil auch in den anderen zwei Gasthäusern Quartier nehmen mußten.
Auch diese werden nicht auf „Fremde“ eingerichtet gewesen sein und es gab offensichtlich ständig Beschwerden. Zurückgekehrt nach Wien werden sie mit ihren unerfüllten Vorstellungen sicher nicht hinter den Berg gehalten haben und informierten wahrscheinlich die ihnen bekannten Redaktionen von Reiseführern schonungslos, aber sicher wahrheitsgetreu, über die erlebten armseligen Zustände.
So kam es, daß bereits in der Ausgabe des Jahres 1871 A. v. Rauschenfels in einem Büchlein „Bilder mit Staffage“ schrieb: „Die Lage von Millstatt ist eine reizende und muß es uns wundernehmen, daß diese Vergünstigung und der Vorzug eines milden Klimas nicht ausgiebiger benützt werden, um Fremde anzulocken ..... und fanden wir das Gasthauswesen des Ortes überhaupt in einem Urzustand, als wäre man hier fünfzig Meilen von jeder Eisenbahn entfernt“. [4]
Die in diesen ersten Jahren langsam immer zahlreicher werdenden „Fremden“ waren aber von ihrem urtümlichen Aufenthalt, dem warmen Klima und der unverdorbenen Einfachheit der Menschen zutiefst eingenommen.
Sicherlich war sich die Mehrzahl der damaligen Ortsbewohner noch nicht bewußt, daß eine neue Zeit anbrach und die vielen Jahre des wirtschaftlichen Stillstandes ein Ende zu finden schienen.
Nur bei einigen Wenigen wurden Hoffnungen geweckt, daß sich mit dem Zustrom von „Fremden“ neue Verdienstmöglichkeiten aufzutun begannen.
Zwar wurde mit der liberalen Gewerbeordnung vom Jahre 1859 der Einstieg in das Gastgewerbe erleichtert, und obwohl es bereits eine Kärntner Handels- und Gewerbekammer gab, war es damals für die Gastwirte überaus schwer, sich Informationen einzuholen, denn es gab noch keine Organisationen für den Fremdenverkehr, die Gastwirten bei Investitionsentscheidungen hätten behilflich sein können. Sie waren darum auf sich allein gestellt und konnten sich meist nur an den Wünschen und Beschwerden der „Fremden“ orientieren.
2.2 Einige mutige Investoren
Einige kluge Köpfe erkannten jedoch schon bald, daß mit der Aufnahme von „Fremden“ eine Geldquelle erschlossen werden könnte.
Ein unternehmender Geist war der junge Sohn des verstorbenen Bergbauern am „Purckhstall“ in Laubendorf auf 900 m Seehöhe über Millstatt, Franz Burgstaller, der mit 26 Jahren verwitwet, die sechzehnjährige Tochter Anna des Gastwirtes Rainer aus Obermillstatt heiratete. Der junge Bauer hatte elf Geschwister, die von ihm einmal auszuzahlen waren.
An jedem Sonntag gingen alle Bauersleute mit Knechten und Mägden in einem einstündigen Fußmarsch „zum Kloster“ in die Kirche und damit „unter die Leit“ (Leute), um Neuigkeiten zu erfahren.
Das Leben auf dem Bergbauernhof war karg und die Arbeit schwer. So kam es, daß sich Franz und Anna nach einem leichteren Leben sehnten. [5]
Noch hatten die Einheimischen nicht bemerkt, wie warm der See im Sommer wurde und wie herrlich er in der Berglandschaft eingebettet liegt. Doch als unternehmender Mann ahnte Franz, daß diese Vorteile für den Aufbau einer neuen Existenz genützt werden könnten.
Als der Fürst Ferdinand von Porcia eines Tages Franz Burgstaller wegen des Kaufes eines Pferdes zu sich in das Schloß nach Spittal einlud, kam auch der Bahnbau zur Sprache und die Aussicht, damit „Fremde“ in die Gegend zu bekommen.
Nun verdichtete sich in ihm die fixe Idee, im Markt Millstatt ein Gasthaus zu bauen. Er übergab seine Hube, kaufte im Jahre 1870 am Marktplatz eine alte Keusche, trug sie ab und begann mit dem Bau eines einstöckigen Gasthauses mit zehn Zimmern und einem Saal.
Als das Gasthaus noch Baustelle war, wurde bereits in der Maurerbaracke von seiner tüchtigen jungen Frau, der Wirtstochter Anna aus Obermillstatt, ausgekocht. [6]
Tatsächlich kamen nach der Fertigstellung des Gasthauses bald „Fremde“ und die vornehmen Gäste aus Klagenfurt, Graz und Wien waren mit ihrem Quartier zufrieden, da die Küche vorzüglich und der Aufenthalt billig war. Darunter waren Professoren und sogar der Kriegsminister Krobatin. Sie alle machten in ihrem Bekanntenkreis eine positive Werbung für Millstatt.
In der Pfarrchronik von Millstatt wurde im Jahre 1872 vermerkt: „In diesem Sommer war Millstatt zahlreich von fremden Gästen besonders aus Wien, theils auf mehrere Wochen, theils einzelne Tage, besucht“. [7]
Doch bereits einige Jahre nach der Eröffnung der Bahnlinie Villach – Franzensfeste war in Amthors „Alpenfreund“, einem Reisehandbuch, im Jahre 1875 zu lesen: „Als Badeort ist Millstatt freilich noch sehr primitiv. Es läßt die Fremdenunterbringung und der Komfort noch vieles zu wünschen übrig ....... eine große Calamität ist die herrschende Wohnungsnot, die in Millstatt Platz gegriffen hat. Um das höchste Geld scheint man jetzt kaum im Stande, ein honettes Zimmer aufzutreiben. ......“. [8]
Und auch die Pfarrchronik stellte im Jahre 1875 fest, daß Millstatt von zahlreichen Fremden aus Wien, Graz und Triest besucht wurde, „wodurch dieser Ort aus seiner vorigen Verlassenheit immer mehr bekannt wird“. [9]
Ebenso berichteten die „Blätter aus Kärnten“ im Sommer 1875 mit Anerkennung: „ Einen sehr erheblichen Aufschwung nimmt Millstatt, wo sich verflossene Woche 70 ständige Kurgäste befanden, darunter viele Auswärtige aus Deutschland, Rußland etc. Der in Millstatt neuerstandene Gasthof Burgstaller wird allgemein und in jeder Beziehung sehr gelobt“. [10]
Kritisch wurde in der gleichen Zeitung aber auch festgestellt, daß in Oberkärnten „ganz sporadisch, hie und da für Wohnung, Speisen und Getränke so lächerlich niedrige Preise angesetzt werden, daß der Fremde fast zum Glauben verleitet wird, es handle sich nur um ein Trinkgeld für die Dienerschaft und alles Genossene sei rein geschenkt“.[11]
Im Jahre 1877 stellte der Chronikschreiber mit Genugtuung fest, daß in Millstatt im Monat August 170 – 180 Fremde aus Graz, Wien und Triest und zwei Jahre später im Jahre 1879 bereits über 200 Gäste anwesend waren. [12]
Da Franz Burgstaller die ersten Erfolge sah, sann er auf eine Erweiterung seines nur mit zehn Betten spärlich ausgestatteten Gasthauses. Ihm schwebte der Bau eines Hotels vor, doch dazu reichten seine Ersparnisse nicht.
Noch befand sich auf der gegenüberliegenden Platzseite die Platzschusterkeusche, in der eine Klempnerwerkstatt, eine Näherin und der Gemeindediener untergebracht waren.
Wieviel Zorn und Enttäuschung, die auch in Neid umgeschlagen haben mag, hatten diese Bewohner wohl, als der nicht ortsansässige, zu Geld gekommene Franz Burgstaller diese Keusche und die dazu gehörigen Hütten kaufte.
Er riß diese im Jahre 1884 ab und errichtete die nach seiner Gattin benannte „Villa Anna“ mit Fremdenzimmern und später noch einen Pferdestall mit Kutschenplatz. Damit war von ihm ein weiterer Schritt zu einem ansehnlichen Bettenangebot getan worden. [13]
Wie recht er kalkuliert hatte, ist wiederum aus der Pfarrchronik ersichtlich, in der festgehalten wurde, daß die Fremdenzahl im Jahre 1885 auf beinahe 900 anstieg. [14]
Auch andere, die anfänglich noch an der Rentabilität des Fremdenverkehrs gezweifelt haben mochten, begannen nun mit Investitionen:
So der Besitzer des noch aus der Klosterzeit stammenden alten Gasthauses, der schon einmal genannte Anton Trebsche, Handelsmann und Weinschenk, der das Herankommen einer neuen Zeit spürte. Obwohl er in seinem Hause nur über vier Fremdenzimmer verfügte, erkannte er, daß der nur 100 m unterhalb seines Gasthauses liegende See zu einer Einnahmequelle genutzt werden könnte. Mit diesem Ziel baute er am Seeufer ein Seebad aus Holz und warb bereits im Jahre 1870 mit einem Prospekt folgenden Inhaltes für dessen Besuch:
„ Seebäder am Millstätter See. Einem verehrtem Publikum zeigt der ergebenst Gefertigte an, daß am 1. Juli d.J. die Eröffnung des von ihm im Markte Millstatt in Oberkärnten am Millstättersee neu errichteten Bades für Herren und Damen stattfinden wird. Da die Seebäder, wie bekannt, für Brust- und Lungenkranke, Bleichsüchtige und Nervenleidende sehr zu empfehlen sind und dieses Bad mit allem Komfort ausgestattet, für kleine und größere Schiffe zu Lustfahrten am Millstättersee, Wohnungen, gute steirische Tisch- und Extraweine, schmackvolle warme und kalte Küche nebst Kaffee, dann dazu gute Bedienung auf das Beste gesorgt ist, und da die Preise der Bäder, Wohnungen und Getränke, Kost und Bedienung so gestellt sind, wie man sie in keinem Bade Oberkärntens findet, und da ferner die reizende Lage Millstatts, das überaus milde Klima, hier einen paradiesischen Aufenthalt gewährt, so macht der ergebenst Gefertigte Rechnung, daß sein neuerrichtetes Seebad von vielen Badegästen schon im Laufe dieser Saison besucht werden wird, und es ladet zu einem zahlreichen Besuche mit der Versicherung einer gewiß aufmerksamen Bedienung ergebenst ein. Anton Trebsche“ [15]
Diese erste kleine öffentliche Badeanstalt verfügte über acht Kabinen, ein Gehbad, eine Kammer für Warmbäder und eine Veranda mit Aussicht auf den See. Auch konnte man dort Ruderboote mieten.
Offensichtlich blieb aber das erwartete große Geschäft aus, denn das Seebad wurde von ihm bald wieder verkauft, zumal A.v. Rauschenfels in einem Reiseführer bereits im Jahre 1871 schrieb, daß dieses Bad „ nichts weniger als besingenswert sei“. [16]
Anton Trebsche mochte jedoch mit der Idee, dieses Bad zu bauen, den Anstoß zur Nutzung des warmen Sees gegeben haben.
Damit wurde wohl intuitiv begonnen, den See für Badekuren anzupreisen, denn die Seebäder galten als eine Quelle der Kräftigung gegen die gesundheitlichen Schäden der Großstadt. [17]
Nun baute auch Peter Marchetti, der im Jahre 1869 die Seehanskeusche von seinem Vater übernommen hatte, im Jahre 1875 eine Badeanstalt, bestehend aus einer Herrenhütte mit neun Kammern und einer Frauenabteilung mit sieben Kabinen, von denen aus man über eine Stiege in den See gelangen konnte.
Diese Badeanstalt erfreute sich bei den Gästen zunehmender Beliebtheit, weshalb sie später noch vergrößert wurde.
Damals stiegen die Damen züchtig mit hoch geschlossenen Schwimmanzügen in den See und ältere Damen badeten überhaupt in einer geschlossenen Kabine, die in das Wasser hinausragte. [18] (Bilder: Marchetti Bad, Gröchenig Bad)
2.3 Erschließung peripherer Räume durch
den Bahnbau
Die industriell - kommerzielle Lebensweise in den großen Städten der Monarchie brachte für begüterte Familien das Bedürfnis nach Erholung, und mit dem neuen Verkehrsmittel Eisenbahn wurden weit entfernte Gegenden bequem erreichbar. So konnte, das eine mit dem anderen verbunden, eine sich ständig steigernde Reisetätigkeit entstehen, die in den für den Fremdenverkehr prädestinierten Gebieten einen völligen Umbruch der Lebensformen herbeiführte.
Daß mit der Eisenbahn auch der Fremdenverkehr aufblühen könnte, wurde allerdings noch als unwahrscheinlich angesehen, denn die mit der Bahn schon lange leichter erreichbare Schweiz bot außer den Naturschönheiten einen ausgezeichneten Komfort, den man hier in den Gebirgsgegenden noch vermißte. Trotzdem gab es die Hoffnung, daß sich die Zahl der Reisenden in einem berechenbaren Maße vergrößern könnte, wenn den Sommerfrischebedürftigen das geboten wird, was ihre Wünsche sind. [19]
In den Reiseführern der Südbahn wurden die Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele im Bereiche der Kärntnerbahn detailliert beschrieben, was gleichzusetzen war mit einer Werbung für die Regionen und Orte, die sich im Umkreis der Bahnlinie befanden. Darin wurde der Millstättersee als reich an Lachsforellen, der tiefste aller Kärntner Seen und einer der schönsten geschildert. Aber auch die günstigen klimatischen Verhältnisse, das Baudenkmal des Benediktinerklosters und der Kirche machten einen Besuch dieses nicht unbedeutenden Marktes wert. [20]
Die zweite für Millstatt wichtige Bahnverbindung konnte durch den Bau der Tauernbahn im Jahre 1909 mit einem Jahr Verspätung geschaffen werden.
Die termingerechte Vollendung dieser Strecke wurde laut folgender Interpellation in der 30. Sitzung der XVIII. Session am 30. Oktober 1907 von den Abgeordneten des Reichsrates angezweifelt: „Nach dem Bauprogramme des Investitionsgesetzes war die Fertigstellung der Tauernbahn für 1. Oktober 1908 in Aussicht genommen.
Nun verlautet aber in der Presse wie auch in verschiedenen öffentlichen Korporationen, daß der Fortgang der Arbeiten längs der Tauernbahn ein so schleppender sei, daß auf eine Fertigstellung zu dem gesetzlichen Termine nicht zu rechnen ist. ...... und was von Seite des k.k. Eisenbahnministeriums veranlaßt wurde, um die rechtzeitige Fertigstellung der Tauernbahn zu bewerkstelligen.“[21]
Nun kam man auch im Lande zur Ansicht, daß eine größere Zeit für den Fremdenverkehr beginnen könnte, da Kärnten nicht mehr abseits des Weltverkehrs lag. Dies war dann der Anlaß, daß in neue Unterkünfte für den Fremdenverkehr investiert wurde, da auch der Zuwachs von Gästen aus dem Deutschen Reich erwartet werden konnte. [22]
3. Veränderung des Ortsbildes
und erste Gegensätze
3.1
Die Bahnbrecher des gehobenen Fremdenverkehrs
Um das Jahr 1870 gruppierten sich die Häuser des Marktes entfernt vom Seeufer im wesentlichen nördlich und östlich des mit einer verfallenden Wehrmauer umschlossenen Klosterareales. Noch war um diese Zeit der östlich des Marktes fließende Riegenbach nicht reguliert, weshalb es immer wieder zu Überschwemmungen kam. Das Seeufer bot ein Bild der Unberührtheit, denn es befanden sich dort nur Fischer- und Bootshütten, sowie Lande- und Holzlagerplätze für die Stapelung des am Südufer geschlägerten Holzes.
Nachdem der Bauer vom Burgstallberg, Franz Burgstaller, sich als erster im Jahre 1870 mit dem Bau eines Gasthofes einschließich Cafe und Billard im Markt Millstatt ansässig gemacht hatte, mit seinen zehn Betten, einer guten Küche und voll des Ehrgeizes, noch größer zu werden, den von ihm erwarteten Gewinn einbrachte, begannen auch einige andere vorausblickende Bürger, sich verstärkt für den Fremdenverkehr zu interessieren.
So begann im Jahre 1880 der Kaufmann Johann Fauner, der bereits seine kleine Greislerei am Marktplatz den Wünschen der Gäste angepaßt hatte, mit seinem Gewinn auf dem Preßacker im Osten des Marktes eine große Villa, die dem Komfort der Zeit entsprach, zu bauen. Darin richtete er den Vorstellungen der zahlungskräftigen Gäste entsprechend, Wohntrakte mit drei bis vier Zimmern und Küche ein, die er meist für eine gesamte Sommersaison um eine teure Miete von 350 bis 500 Gulden an vermögende Familien, die mit allen Familienmitgliedern einschließlich Gesinde zur Erholung kamen, vergab. [23]
Dazu vermerkt auch die Pfarrchronik aus dem Jahre 1883: „ In diesem Jahr wurde viel in Millstatt vergrößert. Herr Kaufmann Fauner baute auf seinem Gelände die große schöne Villa mit 28 Zimmern, Vorpavillon, Balkonen und einem herrlichen Garten und Parkanlagen, ..... durch ein eigenes Badhaus für seine Gäste wohl die begünstigste Villa“. [24]
Auch beim Gasthaus Defner oberhalb des Marktplatzes blieb der Wirt und Lebzelter Josef Defner nicht untätig und errichtete einen komfortablen Speisesalon für die Gäste, womit er für die anderen Wirte zu einer argen Konkurrenz wurde. [25]
Damit waren die ersten Schritte zur Entwicklung des neuen Wirtschaftszweiges Fremdenverkehr in Millstatt gesetzt worden. Denn schon im Jahre 1875 verzeichnete man 70 ständige Kurgäste und der Gästestrom schwoll immer mehr an. [26]
Dieser Umstand bewog auch Peter Marchetti, seine im Jahre 1875 errichtete Badeanstalt im Jahre 1882 zur bedeutend vergrößerten „Bade – und Schwimmanstalt Marchetti“ umzubauen, mit Warmbadekabinen auszustatten, einen Schwimmlehrer anzustellen und so sein Angebot sensationell auszuweiten. Er selbst schuf sich als Kupferschmied neben der Badeanlage ein Haus mit Werkstätte. [27]
Damit setzte eine Bewußtseinsänderung ein, denn die Einheimischen begannen, den See und die Landschaft des Seeufers wie eine verkäufliche Ware zu betrachten und nach touristischen Kriterien zu werten. [28]
Einer der zielstrebigsten Wegbereiter des Fremdenverkehrs wurde Daniel Kotz, aus Gmünd zugezogen und von Beruf Uhrmacher. Er bewarb sich um die Postmeisterei in Millstatt, die für das große Gebiet von Seeboden bis Kleinkirchheim zuständig war. Die Poststücke mußten täglich von Botengängern in Spittal abgeholt und zugestellt werden.
Daniel Kotz heiratete die Tochter der Wirtsleute Pöllinger, die ihre kleine Schenke an der Riegenbachbrücke hatten. Die beiden jung Verheirateten waren überaus fleißig und erkannten im Fremdenverkehr eine große Zukunft für Millstatt. Ihre Wohnung und Poststelle war beim Bäckhansl gegenüber dem Gasthause Rainer am Marktplatz.
Als Daniel Kotz seinen schon alten Schwiegereltern anbot, die Wohnung zu tauschen, waren diese mit dem Vorschlag sofort einverstanden, weil ihnen die Führung der kleinen Schenke zu mühevoll geworden war. Mit der Übernahme dieses kleinen Gasthauses, in dem sie auch die Poststelle unterbrachten waren für das Ehepaar Kotz die Voraussetzungen für einen steilen Aufstieg geschaffen worden.
Mit voller Energie gingen sie daran, die Gasträume umzubauen und einen Sitzgarten unter den Bäumen herzustellen. Bald wurden für den Transport der Post Pferde und Wägen und für den Personentransport vom Bahnhof Spittal nach Millstatt einige Landauer und Equipagen angeschafft, die auch für Fahrten zu entfernteren Ausflugszielen vermietet wurden. In seinem Pferdestall verfügte der Postmeister Kotz um die Jahrhundertwende über bis zu 25 Pferde und einen entsprechend großen Wagenpark. Das Geschäft ging all die Jahre so gut, daß er an Stelle des kleinen Gasthauses das „Hotel Post“ bauen und im Jahre 1900 eröffnen konnte. [29](Bild: Hotel Post)
Franz Bacher sen., der bekannte Fischer und Besitzer der Seehansele- Keusche am Seeufer, machte sich mit dem Verkauf der begehrten Lachsforellen ein gutes Geld, denn der Preis war hoch. Auch er sah bald in der Vermietung von Zimmern eine zusätzliche Einnahme und baute sich an Stelle seiner Keusche die kleine komfortable Pension Forellenheim, die bald von angesehenen und begüterten Gästen zu ihrem Sommersitz gewählt wurde. Sein Sohn Franz Bacher jun. vergrößerte später das Forellenheim, heiratete die Tochter des Daniel Kotz, der inzwischen durch mehrere Jahre zum Bürgermeister gewählt worden war, und übernahm nach dessen Tod im Jahre 1906 das Hotel Post. [30]
Rudolf Schürer von Waldheim, Besitzer einer großen Druckerei in Wien, erwarb im östlichen Seeuferbereich ein altes Gebäude mit Seeufergrundstücken. Dort errichtete er im Jahre 1881 die stilvoll gestaltete „Seevilla“ für ein erlesenes Publikum. Da er jedoch als Unternehmer in Wien unabkömmlich war, verpachtete er diesen Betrieb einschließlich des „Deutschen Hauses“, ein Nebengebäude, wechselnd an Hoteliers in Millstatt, die ihn als Dependance führten. [31]
Der Bekanntheitsgrad von Millstatt trug dazu bei, daß immer wieder unternehmerisch gesinnte Menschen angezogen wurden, um am aufblühenden Fremdenverkehr zu verdienen.
So übernahm auch der Fleischermeister Hans Kahlhofer aus Paternion vor der Jahrhundertwende das Gasthaus Rainer am Unteren Marktplatz, dem auch eine Fleischerei angeschlossen war, als Geschäftsführer. Bald erwarb er diesen Betrieb von der jungen Witwe käuflich, errichtete im Jahre 1912 das große Hotel Kahlhofer, erweiterte die Fleischerei beträchtlich und wurde zu einem der
renomiertesten Lieferanten von ausgesuchten Fleisch- Wurst- und Selchwaren für Oberkärnten. [32]
Dem Schmiedemeister Karl Silbernagl war es zu verdanken, daß er im Jahre 1899 mit dem Neubau einer Schmiede und Wagnerei auch ein Elektrowerk errichtete, das bei der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1904 allerdings schwerstens beschädigt wurde. Er ließ sich dadurch jedoch nicht entmutigen, sondern baute eine neue, modernere Anlage mit 75 PS, sodaß er die Anschlußwerber im Markt mit elektrischem Licht versorgen konnte. Damit begann die Zeit der Petroleumlampen zu Ende zu gehen, und auch eine zeitgemäße öffentliche Straßenbeleuchtung konnte von der Marktgemeinde in Auftrag gegeben werden. Damit nicht zufrieden, erwarb Silbernagl noch umfangreiche Grundbesitzungen und errichtete einen aus mehreren Objekten bestehenden Pensionsbetrieb mit 80 Betten, Speisesaal und Küche. [33]
Eine bedeutende Persönlichkeit, Dr. Alexander Pupovac, ein viel beschäftigter Hof- und Gerichtsadvokat in Wien und Kandidat für den Reichsrat der Monarchie, kam vor der Jahrhundertwende als Gast nach Millstatt. Hier lernte er die junge Witwe des Wirtes Rainer kennen, die ein umfangreiches Haus- und Grundvermögen mit Landwirtschaft und Almflächen geerbt hatte und heiratete sie.
Dieser reiche Advokat Pupovac ging nun mit großer Energie daran, diese Besitzungen für den Fremdenverkehr zu nutzen. Dazu gehörte auch das mächtige ehemalige Schloß der St. Georgsritter südlich des Klosters, das er nach den Plänen des berühmten Architekten Heymann aus Wien zum Grand- Hotel Lindenhof mit 70 Fremdenzimmern umbaute. Dabei beseitigte er auch die verfallenen Wehrmauern südlich des Hotels, erweiterte es um ein Stockwerk, und schuf im eingewölbten ehemaligen Pferdestall der Ordensritter einen stilvollen Speisesal und bei der 1000- jährigen Linde einen Gastgarten. Außerdem baute er ein eigenes Elektrizitätswerk am vorbeifließenden Mühlbach und konnte damit als erster sein Hotel vollelektrisch beleuchten.
Die Eröffnung erfolgte am 15. Juni 1901. Durch seine Propaganda in Wien füllte sich das Hotel schon in der ersten Saison. (Bild: Grand Hotel Lindenhof)
Sein Erfolg war ein viel diskutiertes Gesprächsthema in Millstatt und dieser so überschnelle Aufstieg eines neu Zugezogenen in bisher noch von niemandem erreichte Dimensionen im Fremdenverkehr löste nicht nur Bewunderung sondern auch Mißgunst aus.
Ebenso um die Jahrhundertwende schaltete sich Dr. Alfred Weiß aus Wien mit einem interessanten Projekt in den Fremdenverkehr ein. Er erwarb im Jahre 1898 im Westen des Klosters eine stilvolle Pension, die Parkvilla, und richtete eine damals sehr gefragte Wasserheilanstalt ein. Um Patienten für eine Kur zu gewinnen, nahm er persönlich mit bekannten Ärzten in Wien, Graz, Budapest und Triest Kontakt auf. Dabei hatte er Erfolg, denn diese Wasserheilanstalt erfreute sich bald eines regen Zuspruches. Im „Illustrierten Führer durch den Badeort Millstatt am See“ wurde diese Wasserheilanstalt, an einem Park gelegen, mit Garten, gepflegten Anlagen, komfortabel ausgestatteten Wohnräumen mit Balkon, einem Musik- und Lesezimmer und einem hellen Glassalon beschrieben. Die Badeanstalt war mit einem Sonnenbad, Kabinen für Kaltwasserkuren und Duschraum für kalte, temperierte und schottische Duschen ausgestattet. Außerdem wurden auf Wunsch Medizinalbäder, elektrische Bäder, Massage, Heilgymnastik, Diät-, Trink-, Terrain- und Freiluftkuren geboten.
Nach zehn erfolgreichen Jahren übernahm Dr. Barrasch diese Anstalt, mußte sie aber nach dem Ersten Weltkrieg wegen der allgemeinen Stagnation und der Inflation schließen. [34]
Zur Förderung der Einrichtung dieser Wasserheilanstalt hatte der Gemeindeausschuß am 18. April 1898 das unentgeltliche Wasserleitungsrecht genehmigt, da „eine solche Anstalt für das Aufblühen des Ortes von ungemein großer Bedeutung wäre und die Grundlage zur Heranbildung eines Kurortes sein würde, was für jeden Einzelnen wie für den ganzen Ort einen namhaften Vortheil bedeuten würde.“ [35]
Es war aber auch bemerkenswert, daß sich der Förderungsverein weit in die Zukunft weisende Gedanken zur Hebung des Fremdenverkehrs machte, sich bereits im Jahre 1893 mit dem Projekt eines Cursalons beschäftigte und Pläne anfertigen ließ. Davon ist nur noch ein Plan über die Ansicht vom Osten im Heimatmuseum Obermillstatt vorhanden. (Plan: Projekt Cursalon 1894)
Diese hochfliegenden Vorstellungen dürften aber mit der Frage der Finanzierung auch Gegner auf den Plan gerufen haben, da dieses Projekt schließlich nicht zur Ausführung kam.
3.2 Scharfe Gegensätze entzweien die
Bürger
Es war nicht zu verwundern, daß von auswärts zugezogene erfolgreiche Unternehmer von den Einheimischen mit Argwohn beobachtet und deren Aufbautätigkeit mit Neid verfolgt wurde. Es mag viele hitzige Debatten in den Wirtshäusern gegeben haben und über den Sinn von Investitionen und deren Erfolg gezweifelt worden sein. So wurden wohl auch noch nie dagewesene Einrichtungen und Bauten zur Hebung des Fremdenverkehrs von manchen mit tiefer Skepsis bedacht und abgelehnt.
Dr. Alexander Pupovac hatte sich schon als Besitzer des neuen Grand Hotels Lindenhof unbeliebt gemacht. Noch dazu exponierte er sich auch in anderen Angelegenheiten bei der Befürwortung oder Ablehnung von großen und einschneidenden überörtlichen Projekten.
Um die Jahrhundertwende wurde von der Südbahngesellschaft die Planung einer Nebenbahn vorgenommen, um von Villach durch das Gegendtal und über Millstatt eine Verbindung mit Spittal herzustellen. Darüber gab es heftige Diskussionen, ob damit ein Nutzen oder Schaden für den Fremdenverkehr erwartet werden könnte.
Da Dr. Pupovac den Bau dieser Bahn vehement vertrat, wurde er damit zu einem gewichtigen Gegner des Postmeisters und Hoteliers Daniel Kotz, der zu dieser Zeit auch Bürgermeister war. (Plan: Lokalbahn Südufer Millstätter See)
Manche Bürger, die einen Bahnbau begrüßten, gaben der Meinung Ausdruck, daß Kotz diesen nur verhindern wolle, um seinen mit der einträglichen Postmeisterei verbundenen Fiakerbetrieb aufrecht erhalten zu können.
Immer wieder wurden neue Varianten in den betroffenen Gemeinden diskutiert, begrüßt oder abgelehnt. In Millstatt sollte die Bahntrasse durch den unteren Markt geführt werden, was jedoch überwiegend verworfen wurde.
Als schließlich trotz Pupovac keine Aussicht mehr bestand, den Bahnbau zu verwirklichen, kam der Gemeindeausschuß auf den Gedanken, mit einer elektrischen Kleinbahn Spittal und Millstatt zu verbinden. Am 7.12.1912 beschlossen darum die beiden Gemeinden, für diese elektrische Lokalbahn die Trassierungskosten zu übernehmen. Das jahrelange Hinauszögern des Baubeginnes für eine der Varianten führte schließlich jedoch vor dem Ersten Weltkrieg zum Abbruch der Bauabsichten. [36]
Eine zweite einschneidende, für den Millstätter See als bedenklich empfundene überörtliche Baumaßnahme bestand in dem Plan einer ausländischen Gesellschaft, die Möll und Lieser im Westen in den Millstätter See einzuleiten, diesen als Stausee zu benutzen und im Osten über einen Tunnel in das Drautal zu leiten, um über diese Gefällstufe ein großes Elektrowerk zur Erzeugung von Strom zu betreiben.
Auch für diesen Plan gab es Befürworter, aber in größerer Zahl Gegner, da ein Absinken der Wassertemperatur des Sees befürchtet wurde. Bei diesem Plan stellte sich Dr. Pupovac als Hotelier mit Vehemenz auf die Seite der Gegner und brachte bei einer Gemeindewählerversammlung am 9. Dezember 1906 seine ablehnende Haltung sehr massiv zum Ausdruck. [37]
Umfangreiche Untersuchungen und positive Gutachten von sieben Sachverständigen der Konzessionswerber und zwei der Regierung beschäftigten sich mit diesem Projekt, die jedoch alle von den Ergebnissen der Studie über die Temperaturverhältnisse im Millstättersee nach Ausführung der geplanten Anlage im Gutachten von Ing. Emil Teischinger o.ö.Professor a.d.k.k.techn. Hochschule Graz als mangelhaft erkannt und in seinen Schlußfolgerungen wie folgt beurteilt wurden: „ Es muß daher das Urteil dahin abgegeben werden, daß die Verwendung des Millstättersees als Ausgleichbecken eine sehr nachteilige Temperaturherabsetzung in demselben auch dann herbeiführen würde, wenn die Zuleitung der Möll – Lieser und die Ableitung der Betriebswässer in größerer Tiefe erfolgen würde. Das in Vorschlag gebrachte Auskunftsmittel, die Ableitung der Wässer im Sommer aus der Tiefe, im Winter von der Oberfläche vorzunehmen, erscheint auf dem Papier ganz zweckmäßig, ist aber praktisch kaum durchführbar.“ [38]
Auf dieser Grundlage war es den Interventionen von Dr. Alexander Pupovac auf Grund seiner guten Verbindungen zu verdanken, daß dieses Projekt vorerst nicht mehr weiter verfolgt wurde und dann mit Beginn des Ersten Weltkrieges in Vergessenheit geriet. Wegen dieser klaren Stellungnahme gab es dann für Dr. Pupovac auch Anerkennung von der Bevölkerung und mancher seiner alten Gegner mag ihm nun dankbar geworden sein, daß er dazu beigetragen hatte, den Millstättersee in seiner natürlichen Form zum Wohle des Fremdenverkehrs zu erhalten.
Nach dem frühen Tod von Dr. Pupovac im Jahre 1918 traf dessen Witwe wieder der Neid, als sie das Grand – Hotel Lindenhof um drei Millionen Kronen verkaufte. Doch wurde sie ihres Reichtums bald nicht mehr froh, da sie ihn mit der einsetzenden Inflation wieder verlor. [39]
3.3 Die Trennung in zwei Gemeinden
Mit der März – Revolution im Jahre 1848 wurden auch die Forderungen nach kommunaler Selbstverwaltung durchgesetzt. Das im Jahre 1849 erlassene Provisorische Gemeindegesetz, RGBl. Nr. 170/1849, bestimmte den Wirkungskreis einer Gemeinde in einen „natürlichen“ und einen „übertragenen“ und der Artikel I verkündete programmatisch: „Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde“. [40]
Die Einteilung des Landes Kärnten in sieben Bezirkshauptmannschaften erfolgte mit der kaiserlichen Entschließung vom 13. August 1849. [41]
Millstatt kam zur Bezirkshauptmannschaft Spittal. Es stand den Steuer- und Katastralgemeinden frei, sich mit anderen zu einer Ortsgemeinde mit einem zu wählenden Bürgermeister zu vereinigen. So bildeten sich in Kärnten aus 713 Katastralgemeinden 181 Ortsgemeinden. In der neuen Ortsgemeinde Millstatt vereinigten sich die fünf Katastralgemeinden Millstatt, Großegg, Laubendorf, Obermillstatt und Matzelsdorf. Als erster Bürgermeister wurde Alois Defner gewählt.
Das Zusammenleben der Bewohner der einzelnen Katastralgemeinden gestaltete sich ruhig, denn es gab keine Grundherrschaft mehr und künftige Probleme waren vorerst noch nicht erkennbar.
Unter dem im Jahre 1887 gewählten Bürgermeister Johann Fauner erfolgte jedoch mit Erlaß der k.k. Bezirkshauptmannschaft Spittal vom 4. Februar 1888, Zl. 1348, die Genehmigung zur Teilung der bisherigen Großgemeinde in die Ortsgemeinden Obermillstatt mit 4861 ha und 1200 Einwohnern und Millstatt mit 2271 ha und 700 Einwohnern. [42]
Dieser weittragenden Entscheidung sind laut Pfarrchronik Matzelsdorf vom 8. September 1888 grundsätzliche und sicher schon länger dauernde Auseinandersetzungen zwischen den Bürgern des Marktes Millstatt und den Bauern am Berg vorausgegangen, die im folgenden Schriftsatz ihren Ausdruck fanden: „In diesem Jahre wurden die Vorarbeiten zur Trennung der Gemeinde Millstatt in zwei Gemeinden, nämlich Millstatt und Obermillstatt getroffen, und man hofft, daß die Neuwahl zu Weihnachten abgesondert stattfinden wird. Dies geschah meistentheils wegen Überbürdung von seiten mehrerer Marktbewohner durch veranstaltete kostspielige, für die Gebirgsbewohner gänzlich unnütze Straßenbauten durchs Hoffeld und Hofgarten, wozu die Berger zu gleichem Theil mit jenem des Marktes herangezogen worden sind“.[43]
Der Gemeindeausschuß der Großgemeinde trat am 2. Mai 1888 zu seiner letzten Sitzung zusammen, um folgende Beschlüsse über die Aufteilung des gemeinsamen Vermögens zu fassen:
„1. Nachdem kein sonstiges gemeinsames Vermögen als das Ortsgemeinde- Armenvermögen per 1283 Gulden 62 ½ Kreuzer vorhanden ist, so beschließt der versammelte Gemeindeausschuß einstimmig, daß dieses Armenvermögen nach der Seelenzahl, und zwar nach der Volkszählung vom Jahre 1880 verteilt werden soll.
Hinsichtlich des vorhandenen Kanzlei- und Arrest- Inventars, ferner eines baren Aktiv- oder Passiv- Vermögens wird beschlossen, daß dasselbe nach dem behördich genehmigten Voranschlage nach dem Steuergulden verteilt werden soll.
2. Die vom Herrn Bürgermeister dem Gemeindeausschuß für die zwei neu zu bildenden Gemeinden zur Prüfung vorgelegten Voranschläge für das Verwaltungsjahr 1889 wurden für richtig befunden und genehmigt.
3. Es wird beschlossen, daß die neue Ortsgemeinde, bestehend aus den Steuergemeinden Laubendorf, Obermillstatt und Matzelsdorf nach der Trennung den Namen „Obermillstatt“ führen soll.
4. Dagegen hat die neu zu bildende Gemeinde, bestehend aus den Steuergemeinden Millstatt und Großegg, den Namen „Ortsgemeinde Millstatt“ zu führen.
5. Die 5 Verzeichnisse der Steuerträger werden diesem Beschluß beigelegt.
Geschlossen und gefertigt am Obigen. Johann Fauner, Bürgermeister, m.p.“ [44]
Aus diesen Beschlüssen ist ersichtlich, daß der Fremdenverkehr noch nicht als Aufgabe der Gemeinde betrachtet wurde, da für dessen Belange auch noch kein Haushaltsansatz vorhanden war, der hätte aufgeteilt werden müssen. Der Fremdenverkehr lag also noch voll in der Verantwortung der Betriebe und des von ihnen gegründeten Förderungsvereines.
Diese denkwürdige Entscheidung bedeutete eine bis zum Jahre 1972 wirksame getrennte, vor allem wirtschaftliche Entwicklung, bei der oftmals kontroversielle Auffassungen gelöst werden mußten, aber auch gemeinsame Ziele verfolgt werden konnten.
Unterschwellig mögen sich an Vorhaben und Aktionen auch fallweise Emotionen entzündet haben, die sich aber nie zu echten Gegensätzen gesteigert hatten.
4.
Der Förderungsverein als Pionier des Fremdenverkehrs
4.1 Ausrichtung auf gemeinsame Ziele
Nachdem der junge Bauer Franz Burgstaller im Jahre 1870 in Millstatt ein Gasthaus eröffnet hatte, mußte er feststellen, daß der gesamte alte Markt sich noch ungepflegt in einem jämmerlichen Zustand befand, der für seine ersten „Fremden“ keineswegs einladend wirken konnte. In Gesprächen mit seinen Hausgästen wird er durch deren Wünsche aufmerksam geworden sein und Vorschläge für Verbesserungen erhalten haben.
Allein war er jedoch nicht in der Lage, etwas zu bewegen. Deshalb gründete er nach vielen Gesprächen mit einigen gleichgesinnten Ortsansässigen einen Verschönerungsverein, in dem jeder selbst mit Hand anlegen mußte, um Schmutz, Unrat und Unkraut an den Wegen, Plätzen und vom Seeufer zu entfernen. Diese Arbeit wird mühsam gewesen sein, denn sie mußte in der nur karg zur Verfügung stehenden Zeit bewältigt werden und mag anfangs sicherlich auch von manchen für unnötig befunden und belächelt worden sein. Doch die bald wachsende Zahl der ankommenden „Fremden“ und deren steigende Zufriedenheit gab den Initiatoren recht und bewog immer mehr Ansässige zur Mitarbeit. [45]
Die Pfarrchronik konnte darum bereits im Jahre 1879 einen deutlichen Erfolg vermerken: „Der Fremdenbesuch war in diesem Jahr über 200, mehr vom mittleren Stande“.[46]
Nach einigen Jahren wurde von diesen Vorreitern des Fremdenverkehrs nicht mehr nur die Verschönerung des Marktes, sondern als Hauptaufgabe die Ausgestaltung des Gesamtangebotes erkannt. Darum gab sich diese schon zahlenmäßig angewachsene Gemeinschaft den Namen „Förderungsverein“.
Diesem traten im Laufe der Jahre fast alle am Aufschwung des Fremdenverkehrs interessierten Bürger bei, die für ihre Mitgliedschaft neben der Mitarbeit auch einen Jahresbeitrag von zwei Kronen zu leisten hatten.
Sie sahen ihre Aufgabe darin, im Winterhalbjahr gemeinsame Projekte zu erwägen, in Begehungen die Durchführbarkeit zu prüfen und dann mit vollem begeistertem Einsatz auszuführen.
Dem Gründungsobmann folgten als weitere Obmänner des Vereines der Postmeister und spätere Hotelier Daniel Kotz und nach ihm der hoch angesehene Gemeindearzt Dr. Mathias Laggner. Große Verdienste erwarb sich später aber auch der Gemeindesekretär Josef Köstenbaumer, der sich bei Aktionen zum Organisationsgenie entwickelte. (Bilder: Die Pioniere)
Nicht nur der Arbeitseinsatz aller verfügbaren freiwilligen Helfer war zu bewältigen, sondern auch die Aufbringung der in beträchtlichem Maße erforderlichen finanziellen Mittel. Dazu konnten die Hoteliers und begüterten Besitzer der Sommervillen gewonnen werden, die auch bei Veranstaltungen von Park- und Sommerfesten mitwirkten und für einen ansehnlichen Reingewinn zu Gunsten des Förderungsvereines sorgten.
Begonnen wurde mit den Arbeiten zur Erweiterung des Angebotes mit der Anlage eines Parkes im unverbauten Westteil des Marktes, der besonders jenen Gästen mit Kindern gewidmet werden sollte, die reine Luft und Ruhe zur Erholung benötigten. Dazu gehörte ein Lawn- (Rasen-) Tennisplatz, Kinderspielplätze und ein stilvoller Aussichtsturm, von dem aus der Blick über den gesamten See und die umliegenden Bergketten genossen werden konnte. [47]
Auch in der Pfarrchronik wurde mit Anerkennung vermerkt: „Im Monat Juli wurde der im westlichen Hofgarten gelegene Park zum Besuch der Curgäste auf feierliche Weise eröffnet ......... es war ein gemütliches Volksfest“. [48]
Vom Park führte ein gepflegter Fußweg zum Ufer des Sees, wo Angler ihre Ruten in das fischreiche Wasser auswerfen konnten.
Bald wurde auch begonnen, entlang der romantischen Riegenbachschlucht mit ihren Wasserfällen einen über viele Stufen und Brücken und an der klaren Hochquelle der märktischen Wasserleitung vorbeiführenden Wanderweg anzulegen. Von dem aus konnte man die umliegenden Dörfer besuchen und bis zu den Nockbergen der Millstätter Alpe gelangen. Dieses Wanderwegenetz wurde in ständiger mühevoller Kleinarbeit jährlich erweitert und damit das gesamte Hinterland als Wandergebiet in das Fremdenverkehrsangebot eingeschlossen.
Die Umsicht der Initiatoren und die Begeisterung der Mitarbeiter muß groß gewesen sein, denn die Ausführung der jährlichen Projekte war solide.
Es wurde sogar schon im Jahre 1896 ein Garten zur Heranzucht von Ziersträuchern und Bäumen angelegt, um damit die Straßen und Parkanlagen zu bepflanzen.
Ein beschaulicher Ruheplatz wurde im Jahre 1905 am Kohlgrieß direkt am Seeufer angelegt und mit der Pflanzung einer Schillereiche anläßlich des 100. Todestages des Dichters zum Schillerstrand umbenannt. Hier gab es Kiel – und Flachboote zu mieten und bei Konzerten im Pavillon herrschte ein reges Treiben der vielen Sommergäste.
Um aber auch für die Bergwanderer einen Zielpunkt zu schaffen, kaufte der Förderungsverein im Jahre 1907 am „Thörl“ in 1880 m Seehöhe ein Grundstück und errichtete dort eine geräumige, im Sommer bewirtschaftete Almhütte mit Touristenzimmern.
Die Ergebnisse dieser großen Investitionen und Arbeiten werden für die Mitglieder des Förderungsvereines und der spendenden Gäste sicherlich ein Erfolgserlebnis gewesen sein. Darum ist es wert, zu erwähnen, daß diese Ausrichtung auf gemeinsame Ziele in Millstatt keine dem Fremdenverkehr gegenüber abträgliche Stimmung aufkommen ließ. [49]
Im Unterschied dazu schrieb Peter Rossegger im Jahre 1900 in der Broschüre „Die Südbahn“ : „Man hat bisher gehört, dass sich überall in den Alpen Verschönerungsvereine bildeten.
Das war schön und kam nach beiden Seiten zustatten. Nun werden aber in neuester Zeit hie und da Stimmen laut, die von - Fremdenabwehrvereinen sprechen ! Es sei durch die Fremden nicht viel Gutes ins Land gekommen. Sie hätten allerlei neue Meinungen und Sitten, Gebräuche und Bedürfnisse gebracht, die Einheimischen auf ihrer Scholle gelockert, viele unzufrieden gemacht oder gar fortgelockt. Solches Weltgift richte bei weitem mehr Schaden an, als das bisschen Geld, das die Fremden daliessen, Nutzen brächte“. [50]