F R I E D R I C
H K O L L E R
Vom
ersten Gast zum Massentourismus
Der Einfluß des
Fremdenverkehrs auf die Veränderung der Menschen, des Ortsbildes und der
Ökologie in einer Gemeinde am Beispiel Millstatts
DIPLOMARBEIT
Zur Erlangung des
akademischen Grades Magister des Philosophie
Studium:
GESCHICHTE UNIVERSITÄT KLAGENFURT
FAKULTÄT FÜR
KULTURWISSENSCHAFTEN
Begutachter: Univ. –
Prof. Dr. KARL STUHLPFARRER
Institut: ZEITGESCHICHTE Januar
, 2005
2.1 Ankunft eines ersten
Gastes
2.3 Erschließung
peripherer Räume durch den Bahnbau
3. Veränderung des Ortsbildes und erste
Gegensätze
3.1 Die Bahnbrecher des gehobenen
Fremdenverkehrs
3.2 Scharfe Gegensätze
entzweien die Bürger
3.3 Die Trennung in
zwei Gemeinden
4. Der
Förderungsverein als Pionier des Fremdenverkehrs
4.1 Ausrichtung auf
gemeinsame Ziele
4.2 Umfassende
Neugestaltung des Ortsangebotes
4.3 Durchbruch zu einer bekannten Sommerfrische
5. Entdeckung
Millstatts durch Adel und begüterte Familien
5.1 Ankauf von Grundstücken in bester Lage
5.3 Förderung des
Fremdenverkehrs durch Villenbesitzer
6. Die Entwicklung des
Fremdenverkehrs in den anderen Seeuferorten
6.2 Dellach (Gemeinde
Obermillstatt)
6.3 Döbriach (Gemeinde
Radenthein)
6.4 Die Schiffsverbindungen am See
7. Voraussetzungen für die erste Hochkonjunktur
7.1 Die natürlichen
Voraussetzungen
7.2 Die Einrichtungen
und Anlagen
8. Von der Scheinkonjunktur
zum Stillstand.
8.2 1000 – Mark – Sperre und Juliputsch
9. Quantität statt
Qualität im Massentourismus
9.1 Erste Schritte auf
alten Grundlagen
10. Ökologischer
Zusammenbruch
10.1 Zur Naturkunde
und Geographie der Kärntner Seen im allgemeinen
und des Millstätter
Sees im besonderen
10.2 Konflikt Natur – Fremdenverkehr durch
Siedlungsentwicklung und Bettenvermehrung
10.3 Belastungen durch Abfall und Abwasser
11. Die Sanierung des
Millstätter Sees
11.1 Gemeinsam im Wasserverband
11.3 Bis zur Trinkwasserqualität
12. Zusammenfassung
und Ausblicke
12.1 Von den Anfängen
bis zum Massentourismus
Nach einer 700 –
jährigen Klostergeschichte wurde mit der Bulle des Papstes Klemens XIV. vom 21. Juli 1773 der seit dem Jahre
1598 in Millstatt ansässige Jesuitenorden aufgehoben, der größte Teil des
Archives nach Graz geschafft und die Herrschaft Millstatt als „Staatliche
Studienfondsherrschaft“ von einem Kameralpfleger verwaltet. (Bild: Millstatt- Aquarell vor 1800)
Millstatt war nun
nicht mehr ein mit Leben und Kraft erfülltes Macht- und Strahlungszentrum für
eine Region von 65.146 Joch und 7.426 Seelen. Dies bedeutete für die Bauern
eine Befreiung von der drückenden Abgabenpflicht, für die Bürger jedoch eine
einschneidende Veränderung, da bereits im Jahre 1787 mit dem Bau eines
Pfarrhofes eine von Millstatt getrennte Pfarre Obermillstatt eingerichtet
wurde.
Damals versuchten
die Millstätter Gastwirte, die Einsetzung eines eigenen Geistlichen für
Obermillstatt zu verhindern, da sie von den bisher die Kirche Millstatt
besuchenden Gläubigen kein Geschäft mehr erwarten konnten. Damit keimten
bereits erste Gegensätze zwischen „unten“ und „oben“, die ein späteres
Auseinanderleben einleiteten.
Die staatlichen
Kameralpfleger hatten meist wenig Verständnis für die ihnen übertragenen
kulturellen Werte, weshalb Kloster und Ordensschloß mit den Befestigungsmauern
dem Verfall preisgegeben wurden. Im bedeutenden romanischen Kreuzgang befanden
sich zeitweise Stallungen, Magazine und eine Tischlerwerkstätte.
Das Zentrum des
Marktes verwandelte sich in den Jahren der Kameralherrschaft von einer durch
den letzten Orden sorgsam gepflegten Kulturstätte zu einer Ruine.
Erst dem Kärntner
Historiker Gottlieb Freiherr von Ankershofen gelang es im Jahre 1857, durch
Vorsprachen in Wien und Graz diese Zustände zu beenden. Ihm ist es zu
verdanken, daß die noch vorhandenen beweglichen Kulturschätze erhalten blieben
und für den Geschichtsverein für Kärnten nach Klagenfurt gebracht werden
konnten.
In diesen
Jahrzehnten vollzog sich auch ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel,
denn die Bedeutung von Millstatt als dem zentralen Ort einer weit verzweigten
Herrschaft mit allen damit verbundenen wirtschaftlichen Vorteilen eines
Marktortes, sank in einer stetigen Abwärtsentwicklung zur Bedeutung eines
Fischerdorfes herab, zu der auch die Franzosenzeit mit
Ablieferungsverpflichtungen, Kriegskontributionen, Teuerung und Verarmung der Bevölkerung beitrug.
Nur zu Gunsten der
Bauern änderten sich die Verhältnisse, da sie mit der Aufhebung der
Leibeigenschaft im Jahre 1848 freie Bürger wurden.
Im Jahre 1855 hatte
der Markt Millstatt 69 Häuser und 438 Einwohner. Neben einer Anzahl von
gemauerten, meist ehemals zum Kloster gehöriger Gebäude im Norden, Westen und
Süden war der Marktplatz von armseligen Keuschen umgeben, wo sich ein kleines
Einkehrgasthaus, eine Greislerei, Bäckerei, im nördlichen Anschluß eine
Lebzelterei, ein weiteres Gasthaus und am oberen Ende eine kleine Schmiede für
den Hufbeschlag befanden.
Im Osten waren
ebenfalls Holzkeuschen vorherrschend, im Süden ein kleines Gasthaus, einige
ebenerdige, gemauerte Gebäude, ein Schneider und ein Sattler.
Am Seeufer standen
die Keusche des Färgen, der die Überfuhr zum Südufer nach Großegg besorgte und
noch einige kleine Keuschen, sowie Holzlagerplätze und Landestellen für die
Plätten (Flachboote) zum Transport von Holz und Vieh. Westlich davon war eine
Lohnmühle und am Mühlbach eine Weißgerberei und Säge. Weiter westlich stand
noch der ehemalige Marhof des Klosters,
der jedoch im Jahre 1862 bei einem Brand vollkommen eingeäschert wurde. [1] (Bilder:
Oberer und Unterer Marktplatz)
Das waren also die
eher unerfreulichen Voraussetzungen, unter denen eineinhalb Jahrzehnte später der
Beginn einer völligen Veränderung des Ortes und der Menschen einsetzen sollte.
Die Wahl des Themas
dieser Arbeit, beginnend mit der Ankunft des ersten Sommergastes, die
tiefgreifenden Veränderungen bei den einheimischen Ortsbewohnern im Gefüge der
Siedlungen und die Beeinträchtigung der Natur zu untersuchen, bietet eine
reizvolle Aufgabe, um neben der ökonomischen und ökologischen Komponente auch
soziale Aspekte anzusprechen.
Im Laufe der
Entwicklung von den Anfängen des Fremdenverkehrs bis zum Massentourismus gab es
nämlich Umbrüche in allen Lebensbereichen der Menschen, die als epochal
bezeichnet werden könnten.
Das Hauptinteresse
dieser Arbeit soll vor allem der Entwicklung des Fremdenverkehrs im Gebiet der
Marktgemeinde Millstatt mit allen ihren positiven und negativen Auswirkungen
gewidmet bleiben, jedoch auch jene der übrigen am Millstättersee gelegenen Orte
berühren.
In den zeitlich oft
übergreifenden Abschnitten wird zuerst ein Schwerpunkt den Erfolgen der Jahre
von 1870 bis 1914 gelten. Ein gewichtiger Teilbereich wird der Hochkonjunktur
und Wirtschaftskrise der 30-er Jahre zu widmen sein. Der Entwicklung zum
Massentourismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts soll entsprechender
Raum gegeben werden und schließlich werden die Probleme der
Seewasserverschmutzung und deren Bewältigung einen Abschluß und Ausblick
ermöglichen.
Zur Untermauerung,
fachlichen Begründung und Beweisführung wurde eine größere Zahl einschlägiger
Literatur bearbeitet. Darüber hinaus konnte Einsicht in unveröffentlichte
Chroniken örtlicher Institutionen, Werbebroschüren, Fremdenführer,
Projektunterlagen, Sitzungsakte und Protokolle – soweit erreichbar – genommen
werden. Schließlich sollen einige Bilder zur Illustrierung bestimmter
Zeitabschnitte beitragen. Es wird bewußt auf die Nennung von Namen noch
lebender Personen und der Bewertung von Ereignissen, Maßnahmen und
Zielsetzungen Abstand genommen.
Mit der
Industrialisierung in den Städten, der Erfindung von Maschinen und neuartigen
Verkehrsmitteln, entstand das wirtschaftliche Bedürfnis, Verbindungen von den
Zentren zu den peripheren Räumen herzustellen.
Die erste Pferdebahn
wurde zwischen Linz und Budweis in den Jahren 1824 – 1832 errichtet und bereits
im Jahre 1836 erhielt eine Aktiengesellschaft unter Führung des Bankhauses S.M.
Rothschild das Privilegium zur Errichtung der „Kaiser Ferdinand Nordbahn“.
Im Jahre 1841 wurde
ein Eisenbahnkonzept zur Errichtung der wichtigsten Linien geschaffen, um vor
allem die Weiterführung der nördlichen und südlichen Linien in den
Mittelpunkt zu stellen. Die Südliche
Staatsbahn konnte so noch in den vierziger Jahren ausgebaut und im Jahre 1849
bis Laibach vollendet werden.
Nach der
Zusammenfassung der inländischen Linien in die „k.k. priv. Südbahngesellschaft“
im Jahre 1862 erfolgte im Jahre 1867 die Fertigstellung der Semmeringbahn, 1863/64 die Eröffnung der Kärntner Linie
Marburg – Klagenfurt – Villach und 1871 weiter bis Franzensfeste, womit der
Anschluß zur Brennerbahn hergestellt werden konnte.
Eine Initiative des
Abgeordnetenhauses im Jahre 1901 sah die Realisierung der Alpenbahnen, darunter
der Tauernbahn von Schwarzach bis Spittal/Drau
vor, die im Jahre 1909 in Betrieb genommen wurde. [2]
„Der erste Gast aus
Wien, dessen Name leider nicht mehr feststellbar ist, suchte Millstatt 1869 auf
und nahm im Gasthaus Trebsche Quartier“. [3]
Wenn man seine
mühevolle, aber nicht in schriftlichen Quellen nachweisbare Entdeckungsfahrt
nachzuempfinden versucht, muß er durch die ihm bekannt gewordene neue
Bahnstrecke angeregt worden sein, bis zur Endstation Villach zu reisen, um von
dort aus Oberkärnten zu erkunden.
Sicherlich hat er
nach längerem Suchen ein Pferdefuhrwerk oder eine Kutsche aufgetrieben, um entlang des Drautales weiterzukommen, wo ein
dichter, Staub aufwirbelnder Verkehr von bespannten Fahrzeugen vorherrschte, da
die Bahnstrecke bis Spittal bereits in Bau war.
In Molzbichl dürfte
er in einem Einkehrgasthaus von einem Bauern erfahren haben, daß über dem
niederen Bergrücken des Hochgosch der Millstättersee und an dessen Nordufer der
Markt Millstatt mit dem ehemaligen Kloster und der alten Kirche liegt.
Kurz entschlossen
nahm er wahrscheinlich mit seinem Gepäck beim Bauern auf dessen Gosch
(zweirädriger Karren) Platz und fuhr mit ihm bis Großegg an das Südufer des
Millstätter Sees. Obwohl es bereits spät am Tage war, brachte ihn ein junger
Knecht dann wohl noch mit einer Plätte ( Flachboot) nach Millstatt. Er wird
schon auf der Fahrt erfahren haben, daß in der Nähe des Seeufers der kleine
Gasthof Trebsche sei, wo man auch Quartier nehmen könne.
Die Suche dauerte
darum auch nicht lange und müde von der anstrengenden Reise wird er froh
gewesen sein, die beschriebene Unterkunft und ein Nachtlager gefunden zu haben.
Es wird ihn darum
auch nicht gestört haben, daß das Zimmer muffig und schmutzig und er in einem
knarrenden altersschwachen Bett auf einem Strohsack die Nacht verbringen mußte.
Erst am nächsten Tag
lernte er die Hausleute kennen. Er mußte in den folgenden Tagen mit den
einfachsten Speisen vorlieb nehmen, die von den Wirtsleuten und den wenigen
zukehrenden Handwerkern und Bauern gegessen wurden: Sterz, Milch, Butter,
Erdäpfel, Kraut, Talgn, fetter Speck, und schwarzes Brot. Denn es kam auf den
Tisch, was im Hause und der Zuhube erzeugt wurde.
Wenn auch die
Verpflegung und das Quartier keineswegs den Vorstellungen dieses ersten
„Fremden“ entsprochen haben mag, so war
er umso mehr bei seinem Rundgang durch den Ort und die nahe Umgebung von der
wunderbaren Landschaft, dem spiegelblanken See, in dem sich der Wald spiegelte,
der Ruhe und Beschaulichkeit, der würzigen Luft und dem warmen Klima so
angetan, daß er seine geplante Rückreise nach Wien von Tag zu Tag verschob und
schließlich auf zwei Wochen ausgedehnt hatte.
Er konnte in dieser
Zeit viele Einheimische kennen lernen, Handwerker und Bauern, Dienstboten und
Knechte und erlebte auch am „Großen Frauentag“ (Fest Maria Himmelfahrt) die
große Prozession durch den mit grünen Zweigen geschmückten Markt und sah die
uniformierte privilegierte Millstätter Bürgergarde in ihren grünen Röcken und
weißen Hosen, die vor dem Pfarrhof einen Salut schoß.
Als dieser erste Gast zur Abreise entschlossen war,
wird er wohl seinem Wirt Trebsche versprochen haben, im nächsten Jahr mit
einigen befreundeten Familien wiederzukommen, und es ist zu vermuten, daß er
ihm empfohlen hatte, für eine bessere Ausstattung der Zimmer und eine
reichhaltigere Verpflegung zu sorgen.
Er wird auch
tatsächlich im folgenden Jahr auf Grund seiner begeisterten Erzählungen mit einer
ansehnlichen Gesellschaft angekommen sein, die zum Teil auch in den anderen
zwei Gasthäusern Quartier nehmen mußten.
Auch diese werden
nicht auf „Fremde“ eingerichtet gewesen sein und es gab offensichtlich ständig
Beschwerden. Zurückgekehrt nach Wien werden sie mit ihren unerfüllten
Vorstellungen sicher nicht hinter den Berg gehalten haben und informierten
wahrscheinlich die ihnen bekannten Redaktionen von Reiseführern schonungslos,
aber sicher wahrheitsgetreu, über die erlebten armseligen Zustände.
So kam es, daß
bereits in der Ausgabe des Jahres 1871 A. v. Rauschenfels in einem Büchlein
„Bilder mit Staffage“ schrieb: „Die Lage von Millstatt ist eine reizende und
muß es uns wundernehmen, daß diese Vergünstigung und der Vorzug eines milden
Klimas nicht ausgiebiger benützt werden, um Fremde anzulocken ..... und fanden
wir das Gasthauswesen des Ortes überhaupt in einem Urzustand, als wäre man hier
fünfzig Meilen von jeder Eisenbahn entfernt“. [4]
Die in diesen ersten
Jahren langsam immer zahlreicher werdenden „Fremden“ waren aber von ihrem
urtümlichen Aufenthalt, dem warmen Klima und der unverdorbenen Einfachheit der
Menschen zutiefst eingenommen.
Sicherlich war sich
die Mehrzahl der damaligen Ortsbewohner noch nicht bewußt, daß eine neue Zeit
anbrach und die vielen Jahre des wirtschaftlichen Stillstandes ein Ende zu
finden schienen.
Nur bei einigen Wenigen wurden Hoffnungen
geweckt, daß sich mit dem Zustrom von „Fremden“ neue Verdienstmöglichkeiten
aufzutun begannen.
Zwar wurde mit der
liberalen Gewerbeordnung vom Jahre 1859 der Einstieg in das Gastgewerbe
erleichtert, und obwohl es bereits eine Kärntner Handels- und Gewerbekammer
gab, war es damals für die Gastwirte überaus schwer, sich Informationen
einzuholen, denn es gab noch keine Organisationen für den Fremdenverkehr, die
Gastwirten bei Investitionsentscheidungen hätten behilflich sein können. Sie
waren darum auf sich allein gestellt und konnten sich meist nur an den Wünschen
und Beschwerden der „Fremden“ orientieren.
Einige kluge Köpfe
erkannten jedoch schon bald, daß mit der Aufnahme von „Fremden“ eine Geldquelle
erschlossen werden könnte.
Ein unternehmender
Geist war der junge Sohn des verstorbenen Bergbauern am „Purckhstall“ in
Laubendorf auf 900 m Seehöhe über Millstatt, Franz Burgstaller, der mit 26
Jahren verwitwet, die sechzehnjährige Tochter Anna des Gastwirtes Rainer aus
Obermillstatt heiratete. Der junge Bauer hatte elf Geschwister, die von ihm
einmal auszuzahlen waren.
An jedem Sonntag
gingen alle Bauersleute mit Knechten und Mägden in einem einstündigen Fußmarsch
„zum Kloster“ in die Kirche und damit „unter die Leit“ (Leute), um Neuigkeiten
zu erfahren.
Das Leben auf dem
Bergbauernhof war karg und die Arbeit schwer. So kam es, daß sich Franz und
Anna nach einem leichteren Leben sehnten. [5]
Noch hatten die
Einheimischen nicht bemerkt, wie warm der See im Sommer wurde und wie herrlich
er in der Berglandschaft eingebettet liegt. Doch als unternehmender Mann ahnte
Franz, daß diese Vorteile für den Aufbau einer neuen Existenz genützt werden
könnten.
Als der Fürst
Ferdinand von Porcia eines Tages Franz Burgstaller wegen des Kaufes eines
Pferdes zu sich in das Schloß nach Spittal einlud, kam auch der Bahnbau zur
Sprache und die Aussicht, damit „Fremde“ in die Gegend zu bekommen.
Nun verdichtete sich
in ihm die fixe Idee, im Markt Millstatt ein Gasthaus zu bauen. Er übergab
seine Hube, kaufte im Jahre 1870 am Marktplatz eine alte Keusche, trug sie ab
und begann mit dem Bau eines einstöckigen Gasthauses mit zehn Zimmern und einem
Saal.
Als das Gasthaus
noch Baustelle war, wurde bereits in der Maurerbaracke von seiner tüchtigen
jungen Frau, der Wirtstochter Anna aus Obermillstatt, ausgekocht. [6]
Tatsächlich kamen
nach der Fertigstellung des Gasthauses bald „Fremde“ und die vornehmen Gäste
aus Klagenfurt, Graz und Wien waren mit ihrem Quartier zufrieden, da die Küche
vorzüglich und der Aufenthalt billig war. Darunter waren Professoren und sogar
der Kriegsminister Krobatin. Sie alle machten in ihrem Bekanntenkreis eine
positive Werbung für Millstatt.
In der Pfarrchronik
von Millstatt wurde im Jahre 1872 vermerkt:
„In diesem Sommer war Millstatt zahlreich von fremden Gästen besonders
aus Wien, theils auf mehrere Wochen, theils einzelne Tage, besucht“. [7]
Doch bereits einige
Jahre nach der Eröffnung der Bahnlinie Villach – Franzensfeste war in Amthors
„Alpenfreund“, einem Reisehandbuch, im Jahre 1875 zu lesen: „Als Badeort ist
Millstatt freilich noch sehr primitiv. Es läßt die Fremdenunterbringung und der
Komfort noch vieles zu wünschen übrig ....... eine große Calamität ist die
herrschende Wohnungsnot, die in
Millstatt Platz gegriffen hat. Um das höchste Geld scheint man jetzt kaum im
Stande, ein honettes Zimmer aufzutreiben. ......“. [8]
Und auch die
Pfarrchronik stellte im Jahre 1875 fest, daß Millstatt von zahlreichen Fremden
aus Wien, Graz und Triest besucht wurde, „wodurch dieser Ort aus seiner vorigen
Verlassenheit immer mehr bekannt wird“. [9]
Ebenso berichteten
die „Blätter aus Kärnten“ im Sommer 1875 mit Anerkennung: „ Einen sehr
erheblichen Aufschwung nimmt Millstatt, wo sich verflossene Woche 70 ständige
Kurgäste befanden, darunter viele Auswärtige aus Deutschland, Rußland etc. Der
in Millstatt neuerstandene Gasthof Burgstaller wird allgemein und in jeder
Beziehung sehr gelobt“. [10]
Kritisch wurde in
der gleichen Zeitung aber auch festgestellt, daß in Oberkärnten „ganz
sporadisch, hie und da für Wohnung, Speisen und Getränke so lächerlich niedrige
Preise angesetzt werden, daß der Fremde fast zum Glauben verleitet wird, es
handle sich nur um ein Trinkgeld für die Dienerschaft und alles Genossene sei
rein geschenkt“.[11]
Im Jahre 1877
stellte der Chronikschreiber mit Genugtuung fest, daß in Millstatt im Monat
August 170 – 180 Fremde aus Graz, Wien und Triest und zwei Jahre später im Jahre
1879 bereits über 200 Gäste anwesend waren. [12]
Da Franz Burgstaller
die ersten Erfolge sah, sann er auf eine Erweiterung seines nur mit zehn Betten
spärlich ausgestatteten Gasthauses. Ihm schwebte der Bau eines Hotels vor, doch
dazu reichten seine Ersparnisse nicht.
Noch befand sich auf
der gegenüberliegenden Platzseite die Platzschusterkeusche, in der eine
Klempnerwerkstatt, eine Näherin und der Gemeindediener untergebracht waren.
Wieviel Zorn und
Enttäuschung, die auch in Neid umgeschlagen haben mag, hatten diese Bewohner
wohl, als der nicht ortsansässige, zu Geld gekommene Franz Burgstaller diese
Keusche und die dazu gehörigen Hütten kaufte.
Er riß diese im
Jahre 1884 ab und errichtete die nach seiner Gattin benannte „Villa Anna“ mit
Fremdenzimmern und später noch einen
Pferdestall mit Kutschenplatz. Damit war von ihm ein weiterer Schritt zu einem ansehnlichen Bettenangebot getan
worden. [13]
Wie recht er kalkuliert hatte, ist wiederum aus der
Pfarrchronik ersichtlich, in der festgehalten wurde, daß die Fremdenzahl im
Jahre 1885 auf beinahe 900 anstieg. [14]
Auch andere, die
anfänglich noch an der Rentabilität des Fremdenverkehrs gezweifelt haben
mochten, begannen nun mit Investitionen:
So der Besitzer des
noch aus der Klosterzeit stammenden alten Gasthauses, der schon einmal genannte
Anton Trebsche, Handelsmann und Weinschenk, der das Herankommen einer neuen
Zeit spürte. Obwohl er in seinem Hause nur über vier Fremdenzimmer verfügte, erkannte er, daß der nur 100 m
unterhalb seines Gasthauses liegende See zu einer Einnahmequelle genutzt werden
könnte. Mit diesem Ziel baute er am Seeufer ein Seebad aus Holz und warb
bereits im Jahre 1870 mit einem Prospekt folgenden Inhaltes für dessen Besuch:
„ Seebäder am
Millstätter See. Einem verehrtem Publikum zeigt der ergebenst Gefertigte an,
daß am 1. Juli d.J. die Eröffnung des von ihm im Markte Millstatt in
Oberkärnten am Millstättersee neu errichteten Bades für Herren und Damen
stattfinden wird. Da die Seebäder, wie bekannt, für Brust- und Lungenkranke,
Bleichsüchtige und Nervenleidende sehr zu empfehlen sind und dieses Bad mit
allem Komfort ausgestattet, für kleine und größere Schiffe zu Lustfahrten am
Millstättersee, Wohnungen, gute steirische Tisch- und Extraweine, schmackvolle
warme und kalte Küche nebst Kaffee, dann dazu gute Bedienung auf das Beste
gesorgt ist, und da die Preise der Bäder, Wohnungen und Getränke, Kost und
Bedienung so gestellt sind, wie man sie in keinem Bade Oberkärntens findet, und
da ferner die reizende Lage Millstatts, das überaus milde Klima, hier einen
paradiesischen Aufenthalt gewährt, so macht der ergebenst Gefertigte Rechnung,
daß sein neuerrichtetes Seebad von vielen Badegästen schon im Laufe dieser
Saison besucht werden wird, und es ladet zu einem zahlreichen Besuche mit der
Versicherung einer gewiß aufmerksamen Bedienung ergebenst ein. Anton Trebsche“ [15]
Diese erste kleine
öffentliche Badeanstalt verfügte über acht Kabinen, ein Gehbad, eine Kammer für
Warmbäder und eine Veranda mit Aussicht auf den See. Auch konnte man dort
Ruderboote mieten.
Offensichtlich blieb
aber das erwartete große Geschäft aus, denn das Seebad wurde von ihm bald
wieder verkauft, zumal A.v. Rauschenfels in einem Reiseführer bereits im Jahre
1871 schrieb, daß dieses Bad „ nichts weniger als besingenswert sei“. [16]
Anton Trebsche
mochte jedoch mit der Idee, dieses Bad zu bauen, den Anstoß zur Nutzung des
warmen Sees gegeben haben.
Damit wurde wohl
intuitiv begonnen, den See für Badekuren anzupreisen, denn die Seebäder galten
als eine Quelle der Kräftigung gegen die gesundheitlichen Schäden der
Großstadt. [17]
Nun baute auch Peter
Marchetti, der im Jahre 1869 die Seehanskeusche von seinem Vater übernommen
hatte, im Jahre 1875 eine Badeanstalt, bestehend aus einer Herrenhütte mit neun
Kammern und einer Frauenabteilung mit sieben Kabinen, von denen aus man über
eine Stiege in den See gelangen konnte.
Diese Badeanstalt
erfreute sich bei den Gästen zunehmender Beliebtheit, weshalb sie später noch
vergrößert wurde.
Damals stiegen die
Damen züchtig mit hoch geschlossenen Schwimmanzügen in den See und ältere Damen
badeten überhaupt in einer geschlossenen Kabine, die in das Wasser hinausragte.
[18] (Bilder: Marchetti Bad, Gröchenig Bad)
Die industriell -
kommerzielle Lebensweise in den großen Städten der Monarchie brachte für
begüterte Familien das Bedürfnis nach Erholung, und mit dem neuen
Verkehrsmittel Eisenbahn wurden weit entfernte Gegenden bequem erreichbar. So
konnte, das eine mit dem anderen verbunden, eine sich ständig steigernde
Reisetätigkeit entstehen, die in den für den Fremdenverkehr prädestinierten
Gebieten einen völligen Umbruch der Lebensformen herbeiführte.
Daß mit der
Eisenbahn auch der Fremdenverkehr aufblühen könnte, wurde allerdings noch als
unwahrscheinlich angesehen, denn die mit der Bahn schon lange leichter
erreichbare Schweiz bot außer den Naturschönheiten einen ausgezeichneten
Komfort, den man hier in den Gebirgsgegenden noch vermißte. Trotzdem gab es die
Hoffnung, daß sich die Zahl der Reisenden in einem berechenbaren Maße
vergrößern könnte, wenn den Sommerfrischebedürftigen das geboten wird, was ihre
Wünsche sind. [19]
In den Reiseführern
der Südbahn wurden die Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele im Bereiche der
Kärntnerbahn detailliert beschrieben, was gleichzusetzen war mit einer Werbung
für die Regionen und Orte, die sich im Umkreis der Bahnlinie befanden. Darin
wurde der Millstättersee als reich an Lachsforellen, der tiefste aller Kärntner
Seen und einer der schönsten geschildert. Aber auch die günstigen klimatischen
Verhältnisse, das Baudenkmal des Benediktinerklosters und der Kirche machten
einen Besuch dieses nicht unbedeutenden Marktes wert. [20]
Die zweite für
Millstatt wichtige Bahnverbindung konnte durch den Bau der Tauernbahn im Jahre
1909 mit einem Jahr Verspätung geschaffen werden.
Die termingerechte
Vollendung dieser Strecke wurde laut folgender Interpellation in der 30.
Sitzung der XVIII. Session am 30. Oktober 1907 von den Abgeordneten des
Reichsrates angezweifelt: „Nach dem Bauprogramme des Investitionsgesetzes war
die Fertigstellung der Tauernbahn für 1. Oktober 1908 in Aussicht genommen.
Nun verlautet aber
in der Presse wie auch in verschiedenen öffentlichen Korporationen, daß der
Fortgang der Arbeiten längs der Tauernbahn ein so schleppender sei, daß auf
eine Fertigstellung zu dem gesetzlichen Termine nicht zu rechnen ist. ......
und was von Seite des k.k. Eisenbahnministeriums veranlaßt wurde, um die
rechtzeitige Fertigstellung der Tauernbahn zu bewerkstelligen.“[21]
Nun kam man auch im
Lande zur Ansicht, daß eine größere Zeit für den Fremdenverkehr beginnen
könnte, da Kärnten nicht mehr abseits des Weltverkehrs lag. Dies war dann der
Anlaß, daß in neue Unterkünfte für den Fremdenverkehr investiert wurde, da auch
der Zuwachs von Gästen aus dem Deutschen Reich erwartet werden konnte. [22]
Um das Jahr 1870
gruppierten sich die Häuser des Marktes entfernt vom Seeufer im wesentlichen
nördlich und östlich des mit einer verfallenden Wehrmauer umschlossenen
Klosterareales. Noch war um diese Zeit
der östlich des Marktes fließende Riegenbach nicht reguliert, weshalb es immer
wieder zu Überschwemmungen kam. Das Seeufer bot ein Bild der Unberührtheit,
denn es befanden sich dort nur Fischer- und Bootshütten, sowie Lande- und
Holzlagerplätze für die Stapelung des am Südufer geschlägerten Holzes.
Nachdem der Bauer
vom Burgstallberg, Franz Burgstaller, sich als erster im Jahre 1870 mit dem Bau
eines Gasthofes einschließich Cafe und Billard im Markt Millstatt ansässig
gemacht hatte, mit seinen zehn Betten, einer guten Küche und voll des
Ehrgeizes, noch größer zu werden, den von ihm erwarteten Gewinn einbrachte,
begannen auch einige andere vorausblickende Bürger, sich verstärkt für den
Fremdenverkehr zu interessieren.
So begann im Jahre
1880 der Kaufmann Johann Fauner, der bereits seine kleine Greislerei am
Marktplatz den Wünschen der Gäste angepaßt hatte, mit seinem Gewinn auf dem
Preßacker im Osten des Marktes eine große Villa, die dem Komfort der Zeit
entsprach, zu bauen. Darin richtete er den Vorstellungen der zahlungskräftigen
Gäste entsprechend, Wohntrakte mit drei bis vier Zimmern und Küche ein, die er
meist für eine gesamte Sommersaison um
eine teure Miete von 350 bis 500 Gulden an vermögende Familien, die mit
allen Familienmitgliedern einschließlich Gesinde zur Erholung kamen, vergab. [23]
Dazu vermerkt auch
die Pfarrchronik aus dem Jahre 1883: „ In diesem Jahr wurde viel in Millstatt
vergrößert. Herr Kaufmann Fauner baute auf seinem Gelände die große schöne
Villa mit 28 Zimmern, Vorpavillon, Balkonen und einem herrlichen Garten und
Parkanlagen, ..... durch ein eigenes Badhaus für seine Gäste wohl die
begünstigste Villa“. [24]
Auch beim Gasthaus
Defner oberhalb des Marktplatzes blieb
der Wirt und Lebzelter Josef Defner nicht untätig und errichtete einen
komfortablen Speisesalon für die Gäste, womit er für die anderen Wirte zu einer
argen Konkurrenz wurde. [25]
Damit waren die
ersten Schritte zur Entwicklung des neuen Wirtschaftszweiges Fremdenverkehr in
Millstatt gesetzt worden. Denn schon im Jahre 1875 verzeichnete man 70 ständige
Kurgäste und der Gästestrom schwoll immer mehr an. [26]
Dieser Umstand bewog
auch Peter Marchetti, seine im Jahre 1875 errichtete Badeanstalt im Jahre 1882
zur bedeutend vergrößerten „Bade – und Schwimmanstalt Marchetti“ umzubauen, mit
Warmbadekabinen auszustatten, einen Schwimmlehrer anzustellen und so sein
Angebot sensationell auszuweiten. Er selbst schuf sich als Kupferschmied neben
der Badeanlage ein Haus mit Werkstätte. [27]
Damit setzte eine
Bewußtseinsänderung ein, denn die Einheimischen begannen, den See und die
Landschaft des Seeufers wie eine verkäufliche Ware zu betrachten und nach
touristischen Kriterien zu werten. [28]
Einer der
zielstrebigsten Wegbereiter des Fremdenverkehrs wurde Daniel Kotz, aus Gmünd
zugezogen und von Beruf Uhrmacher. Er bewarb sich um die Postmeisterei in
Millstatt, die für das große Gebiet von Seeboden bis Kleinkirchheim zuständig
war. Die Poststücke mußten täglich von Botengängern in Spittal abgeholt und
zugestellt werden.
Daniel Kotz
heiratete die Tochter der Wirtsleute Pöllinger, die ihre kleine Schenke an der
Riegenbachbrücke hatten. Die beiden jung
Verheirateten waren überaus fleißig und erkannten im Fremdenverkehr eine
große Zukunft für Millstatt. Ihre Wohnung und Poststelle war beim Bäckhansl
gegenüber dem Gasthause Rainer am Marktplatz.
Als Daniel Kotz
seinen schon alten Schwiegereltern anbot, die Wohnung zu tauschen, waren diese
mit dem Vorschlag sofort einverstanden, weil ihnen die Führung der kleinen
Schenke zu mühevoll geworden war. Mit der Übernahme dieses kleinen Gasthauses,
in dem sie auch die Poststelle unterbrachten waren für das Ehepaar Kotz die
Voraussetzungen für einen steilen Aufstieg geschaffen worden.
Mit voller Energie
gingen sie daran, die Gasträume umzubauen und einen Sitzgarten unter den Bäumen
herzustellen. Bald wurden für den Transport der Post Pferde und Wägen und für
den Personentransport vom Bahnhof Spittal nach Millstatt einige Landauer und
Equipagen angeschafft, die auch für Fahrten zu entfernteren Ausflugszielen
vermietet wurden. In seinem Pferdestall verfügte der Postmeister Kotz um die
Jahrhundertwende über bis zu 25 Pferde und einen entsprechend großen Wagenpark.
Das Geschäft ging all die Jahre so gut, daß er an Stelle des kleinen Gasthauses
das „Hotel Post“ bauen und im Jahre 1900 eröffnen konnte. [29](Bild: Hotel Post)
Franz Bacher sen.,
der bekannte Fischer und Besitzer der Seehansele- Keusche am Seeufer, machte
sich mit dem Verkauf der begehrten Lachsforellen ein gutes Geld, denn der Preis
war hoch. Auch er sah bald in der Vermietung von Zimmern eine zusätzliche
Einnahme und baute sich an Stelle seiner Keusche die kleine komfortable Pension
Forellenheim, die bald von angesehenen und begüterten Gästen zu ihrem
Sommersitz gewählt wurde. Sein Sohn Franz Bacher jun. vergrößerte später das
Forellenheim, heiratete die Tochter des Daniel Kotz, der inzwischen durch
mehrere Jahre zum Bürgermeister gewählt worden war, und übernahm nach dessen
Tod im Jahre 1906 das Hotel Post. [30]
Rudolf Schürer von
Waldheim, Besitzer einer großen Druckerei in Wien, erwarb im östlichen
Seeuferbereich ein altes Gebäude mit Seeufergrundstücken. Dort errichtete er im
Jahre 1881 die stilvoll gestaltete „Seevilla“ für ein erlesenes Publikum. Da
er jedoch als Unternehmer in Wien
unabkömmlich war, verpachtete er diesen Betrieb einschließlich des „Deutschen
Hauses“, ein Nebengebäude, wechselnd an Hoteliers in Millstatt, die ihn als
Dependance führten. [31]
Der Bekanntheitsgrad
von Millstatt trug dazu bei, daß immer wieder unternehmerisch gesinnte Menschen
angezogen wurden, um am aufblühenden Fremdenverkehr zu verdienen.
So übernahm auch der
Fleischermeister Hans Kahlhofer aus Paternion vor der Jahrhundertwende das
Gasthaus Rainer am Unteren Marktplatz, dem auch eine Fleischerei angeschlossen
war, als Geschäftsführer. Bald erwarb er diesen Betrieb von der jungen Witwe
käuflich, errichtete im Jahre 1912 das große Hotel Kahlhofer, erweiterte die
Fleischerei beträchtlich und wurde zu einem der
renomiertesten
Lieferanten von ausgesuchten Fleisch- Wurst- und Selchwaren für Oberkärnten. [32]
Dem Schmiedemeister Karl Silbernagl war es zu
verdanken, daß er im Jahre 1899 mit dem Neubau einer Schmiede und Wagnerei auch
ein Elektrowerk errichtete, das bei der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1904
allerdings schwerstens beschädigt wurde. Er ließ sich dadurch jedoch nicht
entmutigen, sondern baute eine neue, modernere Anlage mit 75 PS, sodaß er die
Anschlußwerber im Markt mit elektrischem Licht versorgen konnte. Damit begann
die Zeit der Petroleumlampen zu Ende zu gehen, und auch eine zeitgemäße
öffentliche Straßenbeleuchtung konnte von der Marktgemeinde in Auftrag gegeben
werden. Damit nicht zufrieden, erwarb Silbernagl noch umfangreiche Grundbesitzungen und errichtete einen aus
mehreren Objekten bestehenden Pensionsbetrieb mit 80 Betten, Speisesaal und
Küche. [33]
Eine bedeutende
Persönlichkeit, Dr. Alexander Pupovac, ein viel beschäftigter Hof- und
Gerichtsadvokat in Wien und Kandidat für den Reichsrat der Monarchie, kam vor
der Jahrhundertwende als Gast nach Millstatt. Hier lernte er die junge Witwe des Wirtes Rainer kennen, die ein
umfangreiches Haus- und Grundvermögen mit Landwirtschaft und Almflächen
geerbt hatte und heiratete sie.
Dieser reiche
Advokat Pupovac ging nun mit großer Energie daran, diese Besitzungen für den
Fremdenverkehr zu nutzen. Dazu gehörte auch das mächtige ehemalige Schloß der
St. Georgsritter südlich des Klosters, das er
nach den Plänen des berühmten Architekten Heymann aus Wien zum Grand-
Hotel Lindenhof mit 70 Fremdenzimmern umbaute. Dabei beseitigte er auch die
verfallenen Wehrmauern südlich des Hotels, erweiterte es um ein Stockwerk, und
schuf im eingewölbten ehemaligen Pferdestall der Ordensritter einen stilvollen
Speisesal und bei der 1000- jährigen Linde einen Gastgarten. Außerdem baute
er ein eigenes Elektrizitätswerk am
vorbeifließenden Mühlbach und konnte damit als erster sein Hotel vollelektrisch
beleuchten.
Die Eröffnung
erfolgte am 15. Juni 1901. Durch seine Propaganda in Wien füllte sich das Hotel
schon in der ersten Saison. (Bild:
Grand Hotel Lindenhof)
Sein Erfolg war ein
viel diskutiertes Gesprächsthema in Millstatt und dieser so überschnelle
Aufstieg eines neu Zugezogenen in bisher noch von niemandem erreichte
Dimensionen im Fremdenverkehr löste nicht nur Bewunderung sondern auch Mißgunst
aus.
Ebenso um die
Jahrhundertwende schaltete sich Dr.
Alfred Weiß aus Wien mit einem interessanten Projekt in den Fremdenverkehr ein.
Er erwarb im Jahre 1898 im Westen des Klosters eine stilvolle Pension, die
Parkvilla, und richtete eine damals sehr gefragte Wasserheilanstalt ein. Um
Patienten für eine Kur zu gewinnen, nahm er persönlich mit bekannten Ärzten in
Wien, Graz, Budapest und Triest Kontakt auf. Dabei hatte er Erfolg, denn diese
Wasserheilanstalt erfreute sich bald eines regen Zuspruches. Im „Illustrierten Führer durch den Badeort
Millstatt am See“ wurde diese Wasserheilanstalt,
an einem Park gelegen, mit Garten, gepflegten Anlagen, komfortabel
ausgestatteten Wohnräumen mit Balkon, einem Musik- und Lesezimmer und einem
hellen Glassalon beschrieben. Die Badeanstalt war mit einem Sonnenbad, Kabinen
für Kaltwasserkuren und Duschraum für kalte, temperierte und schottische
Duschen ausgestattet. Außerdem wurden auf Wunsch Medizinalbäder, elektrische
Bäder, Massage, Heilgymnastik, Diät-, Trink-, Terrain- und Freiluftkuren
geboten.
Nach zehn
erfolgreichen Jahren übernahm Dr. Barrasch diese Anstalt, mußte sie aber nach
dem Ersten Weltkrieg wegen der allgemeinen Stagnation und der Inflation schließen. [34]
Zur Förderung der
Einrichtung dieser Wasserheilanstalt hatte der Gemeindeausschuß am 18. April
1898 das unentgeltliche Wasserleitungsrecht genehmigt, da „eine solche Anstalt
für das Aufblühen des Ortes von ungemein großer Bedeutung wäre und die
Grundlage zur Heranbildung eines Kurortes sein würde, was für jeden Einzelnen
wie für den ganzen Ort einen namhaften Vortheil bedeuten würde.“ [35]
Es war aber auch
bemerkenswert, daß sich der Förderungsverein weit in die Zukunft weisende
Gedanken zur Hebung des Fremdenverkehrs machte, sich bereits im Jahre 1893 mit
dem Projekt eines Cursalons beschäftigte und Pläne anfertigen ließ. Davon ist
nur noch ein Plan über die Ansicht vom Osten im Heimatmuseum Obermillstatt vorhanden. (Plan:
Projekt Cursalon 1894)
Diese hochfliegenden
Vorstellungen dürften aber mit der Frage der Finanzierung auch Gegner auf den
Plan gerufen haben, da dieses Projekt schließlich nicht zur Ausführung kam.
Es war nicht zu
verwundern, daß von auswärts zugezogene erfolgreiche Unternehmer von den
Einheimischen mit Argwohn beobachtet und deren Aufbautätigkeit mit Neid
verfolgt wurde. Es mag viele hitzige Debatten in den Wirtshäusern gegeben haben
und über den Sinn von Investitionen und deren Erfolg gezweifelt worden sein. So
wurden wohl auch noch nie dagewesene Einrichtungen und Bauten zur Hebung des
Fremdenverkehrs von manchen mit tiefer Skepsis bedacht und abgelehnt.
Dr. Alexander
Pupovac hatte sich schon als Besitzer des neuen Grand Hotels Lindenhof
unbeliebt gemacht. Noch dazu exponierte er sich auch in anderen Angelegenheiten
bei der Befürwortung oder Ablehnung von
großen und einschneidenden überörtlichen Projekten.
Um die
Jahrhundertwende wurde von der Südbahngesellschaft die Planung einer Nebenbahn
vorgenommen, um von Villach durch das Gegendtal und über Millstatt eine
Verbindung mit Spittal herzustellen. Darüber gab es heftige Diskussionen, ob
damit ein Nutzen oder Schaden für den Fremdenverkehr erwartet werden könnte.
Da Dr. Pupovac den
Bau dieser Bahn vehement vertrat, wurde er damit zu einem gewichtigen Gegner
des Postmeisters und Hoteliers Daniel Kotz, der zu dieser Zeit auch
Bürgermeister war. (Plan: Lokalbahn Südufer Millstätter See)
Manche Bürger, die
einen Bahnbau begrüßten, gaben der Meinung Ausdruck, daß Kotz diesen nur
verhindern wolle, um seinen mit der einträglichen Postmeisterei verbundenen
Fiakerbetrieb aufrecht erhalten zu können.
Immer wieder wurden
neue Varianten in den betroffenen Gemeinden diskutiert, begrüßt oder abgelehnt.
In Millstatt sollte die Bahntrasse durch den unteren Markt geführt werden, was
jedoch überwiegend verworfen wurde.
Als schließlich
trotz Pupovac keine Aussicht mehr bestand, den Bahnbau zu verwirklichen, kam
der Gemeindeausschuß auf den Gedanken, mit einer elektrischen Kleinbahn Spittal
und Millstatt zu verbinden. Am 7.12.1912 beschlossen darum die beiden
Gemeinden, für diese elektrische Lokalbahn
die Trassierungskosten zu übernehmen. Das jahrelange Hinauszögern des
Baubeginnes für eine der Varianten führte schließlich jedoch vor dem Ersten Weltkrieg zum Abbruch der Bauabsichten. [36]
Eine zweite
einschneidende, für den Millstätter See als bedenklich empfundene überörtliche
Baumaßnahme bestand in dem Plan einer ausländischen Gesellschaft, die Möll und
Lieser im Westen in den Millstätter See einzuleiten, diesen als Stausee zu
benutzen und im Osten über einen Tunnel in das Drautal zu leiten, um über diese
Gefällstufe ein großes Elektrowerk zur Erzeugung von Strom zu betreiben.
Auch für diesen Plan
gab es Befürworter, aber in größerer Zahl Gegner, da ein Absinken der
Wassertemperatur des Sees befürchtet
wurde. Bei diesem Plan stellte sich Dr. Pupovac als Hotelier mit
Vehemenz auf die Seite der Gegner und brachte bei einer
Gemeindewählerversammlung am 9. Dezember 1906 seine ablehnende Haltung sehr massiv zum Ausdruck. [37]
Umfangreiche
Untersuchungen und positive Gutachten von sieben Sachverständigen der Konzessionswerber und zwei der Regierung
beschäftigten sich mit diesem Projekt, die jedoch alle von den Ergebnissen
der Studie über die
Temperaturverhältnisse im Millstättersee nach Ausführung der geplanten Anlage
im Gutachten von Ing. Emil Teischinger o.ö.Professor a.d.k.k.techn. Hochschule
Graz als mangelhaft erkannt und in seinen Schlußfolgerungen wie folgt beurteilt
wurden: „ Es muß daher das Urteil dahin abgegeben werden, daß die Verwendung
des Millstättersees als Ausgleichbecken eine sehr nachteilige
Temperaturherabsetzung in demselben auch dann herbeiführen würde, wenn die
Zuleitung der Möll – Lieser und die Ableitung der Betriebswässer in größerer
Tiefe erfolgen würde. Das in Vorschlag gebrachte Auskunftsmittel, die Ableitung
der Wässer im Sommer aus der Tiefe, im Winter von der Oberfläche vorzunehmen,
erscheint auf dem Papier ganz zweckmäßig, ist aber praktisch kaum
durchführbar.“ [38]
Auf dieser Grundlage
war es den Interventionen von Dr. Alexander Pupovac auf Grund seiner guten
Verbindungen zu verdanken, daß dieses
Projekt vorerst nicht mehr weiter verfolgt wurde und dann mit Beginn des Ersten
Weltkrieges in Vergessenheit geriet. Wegen dieser klaren Stellungnahme gab es
dann für Dr. Pupovac auch Anerkennung von der Bevölkerung und mancher seiner
alten Gegner mag ihm nun dankbar geworden sein, daß er dazu beigetragen hatte,
den Millstättersee in seiner natürlichen Form
zum Wohle des Fremdenverkehrs zu erhalten.
Nach dem frühen Tod
von Dr. Pupovac im Jahre 1918 traf dessen Witwe wieder der Neid, als sie das
Grand – Hotel Lindenhof um drei
Millionen Kronen verkaufte. Doch wurde sie ihres Reichtums bald nicht mehr
froh, da sie ihn mit der einsetzenden Inflation wieder verlor. [39]
Mit der März –
Revolution im Jahre 1848 wurden auch die Forderungen nach kommunaler
Selbstverwaltung durchgesetzt. Das im Jahre 1849 erlassene Provisorische
Gemeindegesetz, RGBl. Nr. 170/1849, bestimmte den Wirkungskreis einer Gemeinde
in einen „natürlichen“ und einen „übertragenen“ und der Artikel I verkündete
programmatisch: „Die Grundfeste des freien Staates ist die freie Gemeinde“. [40]
Die Einteilung des
Landes Kärnten in sieben Bezirkshauptmannschaften erfolgte mit der kaiserlichen
Entschließung vom 13. August 1849. [41]
Millstatt kam zur
Bezirkshauptmannschaft Spittal. Es stand den Steuer- und Katastralgemeinden frei,
sich mit anderen zu einer Ortsgemeinde mit einem zu wählenden Bürgermeister zu
vereinigen. So bildeten sich in Kärnten aus 713 Katastralgemeinden 181
Ortsgemeinden. In der neuen Ortsgemeinde Millstatt vereinigten sich die fünf
Katastralgemeinden Millstatt, Großegg,
Laubendorf, Obermillstatt und Matzelsdorf. Als erster Bürgermeister wurde Alois
Defner gewählt.
Das Zusammenleben
der Bewohner der einzelnen Katastralgemeinden gestaltete sich ruhig, denn es
gab keine Grundherrschaft mehr und künftige Probleme waren vorerst noch nicht
erkennbar.
Unter dem im Jahre
1887 gewählten Bürgermeister Johann Fauner erfolgte jedoch mit Erlaß der k.k.
Bezirkshauptmannschaft Spittal vom 4. Februar 1888, Zl. 1348, die Genehmigung
zur Teilung der bisherigen Großgemeinde in die Ortsgemeinden Obermillstatt mit
4861 ha und 1200 Einwohnern und Millstatt mit 2271 ha und 700 Einwohnern. [42]
Dieser weittragenden
Entscheidung sind laut Pfarrchronik Matzelsdorf vom 8. September 1888
grundsätzliche und sicher schon länger dauernde Auseinandersetzungen zwischen
den Bürgern des Marktes Millstatt und den Bauern am Berg vorausgegangen, die im
folgenden Schriftsatz ihren Ausdruck fanden: „In diesem Jahre wurden die
Vorarbeiten zur Trennung der Gemeinde Millstatt in zwei Gemeinden, nämlich Millstatt
und Obermillstatt getroffen, und man hofft, daß die Neuwahl zu Weihnachten
abgesondert stattfinden wird. Dies geschah meistentheils wegen Überbürdung von
seiten mehrerer Marktbewohner durch veranstaltete kostspielige, für die
Gebirgsbewohner gänzlich unnütze Straßenbauten durchs Hoffeld und Hofgarten,
wozu die Berger zu gleichem Theil mit jenem des Marktes herangezogen worden
sind“.[43]
Der Gemeindeausschuß
der Großgemeinde trat am 2. Mai 1888 zu seiner letzten Sitzung zusammen, um
folgende Beschlüsse über die Aufteilung des gemeinsamen Vermögens zu fassen:
„1. Nachdem kein
sonstiges gemeinsames Vermögen als das Ortsgemeinde- Armenvermögen per 1283
Gulden 62 ½ Kreuzer vorhanden ist, so beschließt der versammelte
Gemeindeausschuß einstimmig, daß dieses Armenvermögen nach der Seelenzahl, und
zwar nach der Volkszählung vom Jahre 1880 verteilt werden soll.
Hinsichtlich des
vorhandenen Kanzlei- und Arrest- Inventars, ferner eines baren Aktiv- oder
Passiv- Vermögens wird beschlossen, daß dasselbe nach dem behördich genehmigten
Voranschlage nach dem Steuergulden verteilt werden soll.
2. Die vom Herrn Bürgermeister dem
Gemeindeausschuß für die zwei neu zu bildenden Gemeinden zur Prüfung
vorgelegten Voranschläge für das Verwaltungsjahr 1889 wurden für richtig befunden
und genehmigt.
3. Es wird
beschlossen, daß die neue Ortsgemeinde, bestehend aus den Steuergemeinden
Laubendorf, Obermillstatt und Matzelsdorf nach der Trennung den Namen
„Obermillstatt“ führen soll.
4. Dagegen hat die
neu zu bildende Gemeinde, bestehend aus den Steuergemeinden Millstatt und
Großegg, den Namen „Ortsgemeinde Millstatt“ zu führen.
5. Die 5 Verzeichnisse der Steuerträger werden
diesem Beschluß beigelegt.
Geschlossen und
gefertigt am Obigen. Johann Fauner, Bürgermeister, m.p.“ [44]
Aus diesen
Beschlüssen ist ersichtlich, daß der Fremdenverkehr noch nicht als Aufgabe der
Gemeinde betrachtet wurde, da für dessen Belange auch noch kein Haushaltsansatz
vorhanden war, der hätte aufgeteilt werden müssen. Der Fremdenverkehr lag also
noch voll in der Verantwortung der Betriebe und des von ihnen gegründeten
Förderungsvereines.
Diese denkwürdige
Entscheidung bedeutete eine bis zum Jahre 1972 wirksame getrennte, vor allem
wirtschaftliche Entwicklung, bei der oftmals kontroversielle Auffassungen
gelöst werden mußten, aber auch gemeinsame Ziele verfolgt werden konnten.
Unterschwellig mögen
sich an Vorhaben und Aktionen auch fallweise Emotionen entzündet haben, die
sich aber nie zu echten Gegensätzen gesteigert hatten.
Nachdem der junge
Bauer Franz Burgstaller im Jahre 1870 in Millstatt ein Gasthaus eröffnet hatte,
mußte er feststellen, daß der gesamte alte Markt sich noch ungepflegt in einem
jämmerlichen Zustand befand, der für seine ersten „Fremden“ keineswegs
einladend wirken konnte. In Gesprächen mit seinen Hausgästen wird er durch
deren Wünsche aufmerksam geworden sein und Vorschläge für Verbesserungen
erhalten haben.
Allein war er jedoch
nicht in der Lage, etwas zu bewegen. Deshalb gründete er nach vielen Gesprächen
mit einigen gleichgesinnten Ortsansässigen einen Verschönerungsverein, in dem
jeder selbst mit Hand anlegen mußte, um Schmutz, Unrat und Unkraut an den
Wegen, Plätzen und vom Seeufer zu entfernen. Diese Arbeit wird mühsam gewesen
sein, denn sie mußte in der nur karg zur Verfügung stehenden Zeit bewältigt
werden und mag anfangs sicherlich auch von manchen für unnötig befunden und
belächelt worden sein. Doch die bald wachsende Zahl der ankommenden „Fremden“
und deren steigende Zufriedenheit gab den Initiatoren recht und bewog immer
mehr Ansässige zur Mitarbeit. [45]
Die Pfarrchronik
konnte darum bereits im Jahre 1879 einen deutlichen Erfolg vermerken: „Der
Fremdenbesuch war in diesem Jahr über 200, mehr vom mittleren Stande“.[46]
Nach einigen Jahren
wurde von diesen Vorreitern des Fremdenverkehrs nicht mehr nur die
Verschönerung des Marktes, sondern als Hauptaufgabe die Ausgestaltung des
Gesamtangebotes erkannt. Darum gab sich diese schon zahlenmäßig angewachsene
Gemeinschaft den Namen „Förderungsverein“.
Diesem traten im
Laufe der Jahre fast alle am Aufschwung des Fremdenverkehrs interessierten
Bürger bei, die für ihre Mitgliedschaft neben der Mitarbeit auch einen
Jahresbeitrag von zwei Kronen zu leisten hatten.
Sie sahen ihre
Aufgabe darin, im Winterhalbjahr gemeinsame Projekte zu erwägen, in Begehungen
die Durchführbarkeit zu prüfen und dann mit vollem begeistertem Einsatz
auszuführen.
Dem Gründungsobmann
folgten als weitere Obmänner des Vereines der Postmeister und spätere Hotelier
Daniel Kotz und nach ihm der hoch angesehene Gemeindearzt Dr. Mathias Laggner.
Große Verdienste erwarb sich später aber auch der Gemeindesekretär Josef
Köstenbaumer, der sich bei Aktionen zum
Organisationsgenie entwickelte. (Bilder: Die Pioniere)
Nicht nur der
Arbeitseinsatz aller verfügbaren freiwilligen Helfer war zu bewältigen, sondern
auch die Aufbringung der in beträchtlichem Maße erforderlichen finanziellen
Mittel. Dazu konnten die Hoteliers und begüterten Besitzer der Sommervillen
gewonnen werden, die auch bei Veranstaltungen von Park- und Sommerfesten
mitwirkten und für einen ansehnlichen Reingewinn zu Gunsten des
Förderungsvereines sorgten.
Begonnen wurde mit
den Arbeiten zur Erweiterung des Angebotes mit der Anlage eines Parkes im
unverbauten Westteil des Marktes, der besonders jenen Gästen mit Kindern
gewidmet werden sollte, die reine Luft und Ruhe zur Erholung benötigten. Dazu
gehörte ein Lawn- (Rasen-) Tennisplatz, Kinderspielplätze und ein stilvoller
Aussichtsturm, von dem aus der Blick über den gesamten See und die umliegenden
Bergketten genossen werden konnte. [47]
Auch in der
Pfarrchronik wurde mit Anerkennung vermerkt: „Im Monat Juli wurde der im
westlichen Hofgarten gelegene Park zum Besuch der Curgäste auf feierliche Weise
eröffnet ......... es war ein
gemütliches Volksfest“. [48]
Vom Park führte ein
gepflegter Fußweg zum Ufer des Sees, wo Angler ihre Ruten in das fischreiche
Wasser auswerfen konnten.
Bald wurde auch
begonnen, entlang der romantischen Riegenbachschlucht mit ihren Wasserfällen
einen über viele Stufen und Brücken und an der klaren Hochquelle der
märktischen Wasserleitung vorbeiführenden Wanderweg anzulegen. Von dem aus
konnte man die umliegenden Dörfer besuchen und bis zu den Nockbergen der
Millstätter Alpe gelangen. Dieses Wanderwegenetz wurde in ständiger mühevoller
Kleinarbeit jährlich erweitert und damit das gesamte Hinterland als
Wandergebiet in das Fremdenverkehrsangebot eingeschlossen.
Die Umsicht der
Initiatoren und die Begeisterung der Mitarbeiter muß groß gewesen sein, denn
die Ausführung der jährlichen Projekte war solide.
Es wurde sogar schon
im Jahre 1896 ein Garten zur Heranzucht von Ziersträuchern und Bäumen angelegt,
um damit die Straßen und Parkanlagen zu bepflanzen.
Ein beschaulicher Ruheplatz
wurde im Jahre 1905 am Kohlgrieß direkt am Seeufer angelegt und mit der
Pflanzung einer Schillereiche anläßlich des 100. Todestages des Dichters zum
Schillerstrand umbenannt. Hier gab es Kiel – und Flachboote zu mieten und bei
Konzerten im Pavillon herrschte ein reges Treiben der vielen Sommergäste.
Um aber auch für die
Bergwanderer einen Zielpunkt zu schaffen, kaufte der Förderungsverein im Jahre
1907 am „Thörl“ in 1880 m Seehöhe ein Grundstück und errichtete dort eine
geräumige, im Sommer bewirtschaftete Almhütte mit Touristenzimmern.
Die Ergebnisse
dieser großen Investitionen und Arbeiten werden für die Mitglieder des
Förderungsvereines und der spendenden Gäste sicherlich ein Erfolgserlebnis
gewesen sein. Darum ist es wert, zu erwähnen, daß diese Ausrichtung auf
gemeinsame Ziele in Millstatt keine dem Fremdenverkehr gegenüber abträgliche
Stimmung aufkommen ließ. [49]
Im Unterschied dazu
schrieb Peter Rossegger im Jahre 1900 in der Broschüre „Die Südbahn“ : „Man hat
bisher gehört, dass sich überall in den Alpen Verschönerungsvereine bildeten.
Das war schön und
kam nach beiden Seiten zustatten. Nun werden aber in neuester Zeit hie und da
Stimmen laut, die von - Fremdenabwehrvereinen sprechen ! Es sei durch die
Fremden nicht viel Gutes ins Land gekommen. Sie hätten allerlei neue Meinungen
und Sitten, Gebräuche und Bedürfnisse gebracht, die Einheimischen auf ihrer
Scholle gelockert, viele unzufrieden gemacht oder gar fortgelockt. Solches
Weltgift richte bei weitem mehr Schaden an, als das bisschen Geld, das die
Fremden daliessen, Nutzen brächte“. [50]
Das stetige
Anschwellen der Gästezahl im Jahrzehnt vor der Jahrhundertwende erforderte auch
eine Ausweitung des Bettenangebotes. Waren es ursprünglich nur Gasthäuser, die
bei Erweiterungen zu Hotels wurden, begannen
auch private Besitzer von Grundstücken und Häusern, sich mit Neu- und
Umbauten zur Vermietung von Zimmern und Wohnungen am Fremdenverkehr zu
beteiligen.
Während der
Fremdenbesuch im Jahre 1879 laut Pfarrchronik im gesamten Jahr noch 200 betrug,
gab es im Jahre 1895 bereits 13 Gasthäuser und 50 Privatwohnungen mit eigener
Küche, sodaß sich ungefähr 500 Gäste zur gleichen Zeit in Millstatt aufhalten
konnten. Während der gesamten Sommersaison besuchten den Ort ca. 1000 Fremde. [51]
Nach der
Jahrhundertwende gab es bereits 6 Betriebe der gehobenen Kategorie:
Burgstaller, Defner, Kahlhofer, Lindenhof, Post, Seevilla und in
Privatwohnungen und Villen zusammen 700 Zimmer und 60 komplett eingerichtete
Küchen. [52]
Im Jahre 1903 wurden in Millstatt bereits
1829 Gäste beherbergt, davon die Mehrzahl Ungarn und Wiener, die besonders die
ungezwungene Atmosphäre des Ortes zu schätzen wußten. Die Zahl der Betten stieg
im Jahre 1914 auf 1.250. Damit war Millstatt zu einer der bedeutendsten Sommerfrischen des Landes
aufgestiegen. [53]
Daß die ungehemmte
Vermehrung der Gasthäuser den Verantwortlichen in der Gemeinde auch Sorgen
bereitete, ließ die Gemeinderäte in der Sitzung vom 28. November 1895 sogar zu
dem Beschluß kommen, das Ansuchen um die Verleihung einer Gasthaus- Konzession abzulehnen. Darum hatte die k.k.
Forst- Domäne, Direktion Görz für das
Haus Nr. 1 Stiftsgebäude in Millstatt angesucht. In der Begründung wurde
angeführt, daß von den 519 Einwohnern unter Abrechnung der Frauen und Kinder,
Kranken und Armen lediglich 130 Personen verbleiben, die für einen
Gasthausbesuch in Frage kommen könnten. Das bedeutet, daß bei bestehenden 13
Gasthäusern auf je 10 Personen ein Gasthaus käme. Von den 500 Fremden in einer
Saison, die sich gleichzeitig im Ort aufhalten, kämen außerdem nur etwa 250
Personen für einen Gasthausbesuch in Frage, da sich die Hälfte in ihren
gemieteten Wohnungen selbst verpflegt.
Eine Vermehrung der
Gasthäuser könne daher nur als Rückschritt und Nachteil für den Badeort gelten,
solange nicht zusätzliche Neubauten für den Fremdenverkehr entstehen. [54]
Doch ließ sich der
Gemeinderat auch im Jahre 1901 nicht
beirren, denn noch während der umfangreichen Umbauarbeiten am
desolaten Schloß der St. Georgsritter zu
einem „Grand Hotel“ durch den Wiener Advokaten Dr. Alexander Pupovac,
suchte seine Gattin Katarina Pupovac um die Erteilung der Gasthauskonzession
bei der Gemeinde an.
Wie stark die
Abneigung gegen den neu Zugezogenen und dessen steilen Aufstieg mitgespielt
haben mag, steht zwar nirgends vermerkt, aber dieses Ansuchen wurde vom
Gemeindeausschuß mit 5 gegen 4 Stimmen abgelehnt. Die Begründung war ähnlich
wie im Jahre 1895, doch wurde noch zusätzlich darauf hingewiesen, daß die
Konzessionswerberin bereits als Erbin das Rainersche Gasthaus verkauft habe.
Und es bestand der Argwohn, den Lindenhof zuerst zu verpachten und dann zu
verkaufen, da der Advokat ja in Wien seine Anwaltskanzlei betrieb.
Denn „wo würde es
hinführen, wenn jeder, der ein altes baufälliges Gebäude besitzt, dasselbe
renovieren ließe, darauf um eine Gasthaus- Conzession ansucht und bei
nächster Gelegenheit theuer verkauft“. [55]
Die Gäste sind um
die Jahrhundertwende anspruchsvoller geworden und begnügten sich nicht mehr nur
mit der schönen Landschaft, sondern es spielten die Gestaltung des Ortsbildes,
der Komfort der Unterkünfte, die hygienischen Einrichtungen, sowie die
Möglichkeit zu Unterhaltung und Sport eine immer größere Rolle. Daneben war
aber auch das in den Städten selbstverständliche Angebot an Waren und
Dienstleistungen von großer Bedeutung.
Zu dieser Zeit
zweifelte kaum noch jemand an der Rentabilität des Fremdenverkehrs, denn wer
immer konnte und die entsprechenden Initiativen aufbrachte, hatte die
Möglichkeit, an ihm teilzunehmen.
Für die
gesundheitliche Versorgung gab es zwei Ärzte und eine Apotheke, ein Post- und
Telegraphenamt stand zur Verfügung, zwei öffentliche Badeanstalten boten
Seebäder an und zum Vergnügen gab es Ruderregatten, Konzerte,
Tanzveranstaltungen, Seefeste, Promenaden, markierte Wanderwege bis auf die
Almen, sowie Motorbootfahrten auf dem See und Kutschen zu weiteren
Ausflugszielen. (Programm und Bild: Regatta und Strandkonzert)
Für die Gestaltung
dieses geselligen Lebens fühlte sich der Förderungsverein zuständig, der alle
Fäden in der Hand hielt.
Auf Grund der
Nachfrage etablierten sich eine große Zahl von Angebotsträgern im Gewerbe und
Handel, wovon jene erwähnt werden
sollen, die sich auch mit Werbeeinschaltungen in den Ortsprospekten
präsentierten:
Zwei Fleischhauer
für ausgezeichnete Fleisch- und Wurstwaren, Gemischtwarenhandlung mit Tabak-
Trafik und Manufaktur, Spezerei-Galanteriewaren und Badeartikel, Bäckerei,
Handlungshaus für Touristenloden, Reiseandenken, Fischereiartikel, zwei
Schuhmacher mit Schuhhandlung und Anfertigung von Maßschuhen, Kleidermacher für
die Anfertigung von Herrenkleidern, sowie Damen- Lodenkostümen, Wettermäntel,
Lederhosen, Herren- und Damenschneider für Sport- und Touristenanzüge.
Uhrmacher mit Lager von Uhren, Gold- und Silberwaren, optischen Gegenständen,
feine Reparaturwerkstätte.
Verkaufsgeschäft für
elektrische Bedarfsartikel und Eisenwaren, Wäscherei, Büglerei.
Apotheke, mit chirurgischen und photographischen
Artikeln, Spirituosen französischer und inländischer Marken,
Sattler und
Tapezierer, Zimmermeister, Bau- und Maschinenschlosser mit Niederlage von
Fahrrädern und Reparaturen, Kunst – und Möbeltischlerei mit Schnitzereien aus
Zirbe und Nußholz,
Kunst- und
Handelsgärtner, täglich frische Naturblumen, Obst, Gemüse, echter Honig.
Kunst – und
Walzmühle.
Schließlich wurden
Seebäder, Wannenbäder, Kiel- und Flachboote, Billard, Kegelbahn, Fischerei,
Lawn- Tennisplätze, Gesellschaftsfahrten mit Landauer, 5- Uhr Tees ,
Sängerabende und Feuerwerke und das große Fest am 18. August zum Geburtstag des
Kaisers angeboten. [56]
Im Jahre 1894
stellte beim „1. Kongreß zur Hebung des Fremdenverkehrs in den österreichischen
Alpenländern“ in Graz der damalige Handelsminister die wirtschaftliche Bedeutung
des Fremdenverkehrs in den Vordergrund, wenn er sagte: „ ......... ich muß
....... wünschen, daß das Ausland sein Geld nach Österreich bringe ...... ein
Import, der so manches Alpenland zu einem reichen gemacht hat“. [57]
Nachdem in Wien
bereits im Jahre 1884 ein Verein bestand, der auch die Fremdenverkehrsförderung
in seinen Aufgabenbereich einbezogen hatte, begann ab dem Jahre 1893 die
Gründung von Landesverbänden.
Im Jahre 1886 war
eine erste Interpellation im Parlament erfolgt, wonach „ die k.k. Regierung
aufzufordern sei, dem Fremdenwesen in den österreichischen Alpenländern ihre
besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden und alle auf die Förderung desselben
gerichteten Bestrebungen kräftig zu unterstützen“. [58]
„Der im Jahre 1895
gegründete Landesverband für Fremdenverkehr in Kärnten, dessen Aufgabe die
Hebung des Fremdenverkehrs in allen Gebieten des Landes war, bemühte sich,
.......... der Bevölkerung die Bedeutung der Werbung und die Wichtigkeit der
Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Fremdenverkehrsförderung vor Augen zu
führen“. [59]
Da die
Verantwortlichen der Gemeinde Millstatt bereits Anfang 1895 die Wichtigkeit
dieses überörtlichen Verbandes erkannten, beschlossen sie, diesem beizutreten. [60]
Bis zur
Jahrhundertwende erfolgte die Werbung vorwiegend durch Mundpropaganda von
zufriedenen Gästen und die Hebung des Bekanntheitsgrades durch informative
bebilderte Reiseführer von Verlagen.
Aber auch der
Seebad-Millstatt- Förderungsverein selbst begann mit Ortsführern auf diese
Sommerfrische aufmerksam zu machen. In diesem wurde nicht nur die Geschichte,
sondern auch alles Sehenswerte, das Kur- und Wasserheilangebot, sowie alle
Möglichkeiten der Freizeitgestaltung angeführt, sodaß sich jeder Leser ein
umfassendes Bild über diese Sommerfrische machen konnte. [61]
Einen detaillierten
Überblick konnte man sich im „Verzeichnis der in Millstatt am See zu
vermietenden Wohnungen“ verschaffen, in dem die Häuser mit Zimmerplänen
getrennt nach Stockwerken mit Längen- und Breitenmaßen der einzelnen Räume
angegeben waren.
Im einbegleitenden
Text dieser Prospektbroschüre wurde
angeführt, daß dieser Ort aus 123 Häusern und Villen mit 600 Fremdenzimmern und
60 vollständig eingerichteten zu vermietenden Wohnungen mit Küche zur Führung
eines eigenen Haushaltes besteht, eine Fahrstunde von der Bahnstation Spittal-
Millstättersee entfernt ist und von Wien in 10 , Triest 5, Budapest 11, München
12, Salzburg 8, Innsbruck 7 ½, Bozen 6 ½, und Graz 5 ½ Stunden erreicht werden
kann. [62]
Darin wurde auch
darauf hingewiesen, daß die Post mit Fahrzeugen fünfmal täglich nach und von
Spittal fährt, eine Hochquellenwasserleitung mit chemischer und
bakteriologischer Analyse besteht, die achtzehn öffentliche und siebzig
Privatbrunnen mit Trinkwasser versorgt und daß Straßen und Plätze, sowie Hotels
elektrisch beleuchtet sind. Für die Gestaltung eines geselligen
Ferienaufenthaltes fühlte sich der Förderungsverein zuständig, der für
Promenadenkonzerte und Tanzunterhaltungen sorgte. In den Hotels und auch
Privathäusern standen sogar auch Pianinos für die Gäste zur Verfügung.
Das reichhaltige
Wander-, Touren- und Sportprogramm hatte in dem Illustrierten Führer ein
eigenes Kapitel, in dem die vielen schattigen Spazier- und Wanderwege in Parks
und im Wald beschrieben wurden, die bis zum Alpenhaus in 1880 m Seehöhe führen,
aber auch entlang des Sees an beiden Uferseiten angelegt waren. Weiters wurden
lohnende Bergtouren bis zu den Dolomiten, Dobratsch und Luschari angeboten.
Sowie auch die Fahrten auf dem 11 km langen See, wo man mit Flach- und
Kielbooten rudern oder mit einem Dampf- und einem elektrischen Salonboot fahren
konnte.
In den Sommermonaten
wurden ferner Jagd in den Revieren, sowie Fischerei im See und in den Bächen
angeboten. Im Winter war man bemüht, Rodelbahnen und Skifahrgelegenheiten im
Bereiche der Millstätter
Alpe einzurichten.
Da all diese
Veranstaltungen, Einrichtungen und Anlagen aber auch etwas kosteten, wurde
mitgeteilt:
„Eine Kurtaxe wird
nicht erhoben, es wird jedoch an die P.T. Millstätter Kurgäste die höfliche
Bitte gerichtet, dem Förderungsverein Millstatt ........ durch ihre
freiwilligen Beiträge unterstützen zu
wollen. Die Beiträge werden ...... in der Kurliste veröffentlicht“.[63]
Die große Zahl von
Sommerfrischlern in den Monaten Juli und August brachte aber auch negative
Seiten, denn Bettler, Straßenhändler und Straßenmusikanten wurden von der
großen Ansammlung reicher Menschen angezogen und es gab darum zunehmend
Beschwerden. Dieses Unwesen konnte schließlich nur unterbunden werden, daß im
Jahre 1901 dagegen ein Verbot für Millstatt erlassen wurde.
Offensichtlich gab
es aber diese Probleme in allen Kärntner Sommerfrischen, denn in einem Bericht
des „Landesverbandes für Fremdenverkehr“ aus dem Jahre 1904 wurde erwähnt, daß
sich nicht die heimische Armut, sondern das
„zugewanderte fremde Bettelvolk zur Zeit des Fremdenaufenthaltes ganz
ungeniert“ beteilige. [64]
Im Jahrzehnt vor dem
Ersten Weltkrieg „herrschte nicht
nur ....... in Kärnten, sondern in ganz
Europa eine Blütezeit der Fremdenverkehrswirtschaft. Überall wurden neue Gebiete
für den Tourismus erschlossen. .......... Jedoch durch den Ausbruch des Ersten
Weltkrieges wurde diese Zeit der Hochblüte des Fremdenverkehrs jäh
unterbrochen“.[65]
Nachdem sich,
beginnend mit dem Jahr 1870, immer mehr „Fremde“ auf Sommerfrische in Millstatt
einfanden und es zusehends schwieriger wurde, Quartier zu finden, begannen gut
situierte Familien ihre eigenen Villen zu bauen, um auch während des Sommers
fern ihrer Heimatstadt das gewohnte komfortable Leben führen zu können.
Außer den drei
Gasthäusern begannen darum wegen der stetigen Nachfrage auch eine Reihe von
Haus- und Grundbesitzern ihre alten Häuser und Keuschen um- und auszubauen oder
neue zu errichten, sodaß im Jahre 1879 in 27 Objekten bereits 99 Zimmer
angeboten werden konnten.[66]
Bauwillige „Fremde“
mußten entweder die alte Keusche eines Einheimischen kaufen oder versuchen,
eine Bauparzelle von der staatlichen Studienfonds – Domäne zu erwerben, die
über den Großteil der nicht verbauten Wiesen und Äcker um das Klosterareal bis
zum Seeufer verfügte.
Es waren nur wenige
Einheimische, die bereit waren, sich von ihrem Besitz zu trennen, doch werden
die Preise verlockend gewesen sein, um sich mit einem Verkaufserlös vielleicht
eine neue Existenz aufbauen zu können.
Jahrelang
verschleppte Kaufansuchen, Interventionen der Gemeinde und vielleicht auch die
Einschaltung von guten Beziehungen werden schließlich zum Erfolg geführt haben,
da in der Wiener Zeitung am 17. August 1894
das Gesetz vom 10. Juli 1894, betreffend die Abverkäufe von
Bestandtheilen der Fonds- Domäne Millstatt verlautbart wurde. (Beilage:
Nachtragsbericht)
Dazu schrieb die
„Kärntner Zeitung“: „Wie die „Wiener Abendpost“ meldet, wird der jahrelang
sistiert gewesene Verkauf der zur Studienfonds – Domäne Millstatt in Kärnten
gehörigen Baugründe am und nächst dem See unter wesentlich erleichterten
Bedingungen von der Staatsverwaltung wieder aufgenommen werden, wodurch der
baulichen Entwicklung und dem materiellen Aufschwunge des durch seine reizende
Lage und durch sein mildes Klima bekannten Marktes Millstatt ein weites Feld
eröffnet wird“.[67]
Dazu stellte auch
die Pfarrchronik fest:
„Der schöne
Grundkomplex des der Domäne zugehörigen Hofgartens südwestlich vom
Stiftsgebäude und des Hoffeldes im Osten an den Markt sich anschließend, eignet
sich besonders für den Villenbau, was im Interesse der aufblühenden
Sommerfrische Millstatt gelegen ist.
Die bisherigen
Bemühungen der Marktvertretung ......... blieben ohne Erfolg. Endlich gelang
es, da der Reichsrathsabgesandte Dr. Steinwender sich in dieser Richtung
verwendete, diese Angelegenheit vor den Reichsrat zu bringen und einen der
Sache günstigen Schluß zu erwirken“. [68]
Eine bedeutende
Grundbesitzerin von land- und forstwirtschaftlichen Flächen war in Millstatt
auch noch die Marktkommune, eine Besitzgemeinschaft der 59 behausten
altberechtigten Marktbürger. Von dieser wurden zur Förderung des
Fremdenverkehrs bereits im Jahre 1886 im Tauschwege von der
Studienfondsstiftung jene Flächen am westlichen Ortsrande von Millstatt
erworben, auf denen dann vom Förderungsverein ein Park, Tennisplätze, ein
Aussichtsturm, sowie Promenaden am Seeufer angelegt werden konnten.
Die Grundstücke der
Marktkommune wurden von den berechtigten Mitgliedern, durchwegs Ackerbürger mit
Viehhaltung, land- und forstwirtschaftlich genutzt. In den Jahren 1896 bis 1900
verkaufte diese Gemeinschaft kleinere Teilstücke dieses Gemeinschaftsbesitzes
an Bauwillige zur Errichtung der ersten Villen.
Einem weiteren
Verkauf wurde dann jedoch mit dem Generalakt zur Regelung der Nutzungs – und
Verwaltungsrechte des Gemeinschaftsbesitzes im Jahre 1901 ein Riegel
vorgeschoben.[69]
Auch am gegenüber
von Millstatt liegenden, zur Ortschaft Großegg gehörigen unverbauten Seeufer
hat aus dem Besitz der Domäne „Frau Cantor, Gemahlin eines Großbankiers und
Vertreters Rothschilds an der Börse in Wien, das Grundterrain für eine Villa in
größerem Stil mit Park und Gartenetagen ........ erworben“.[70]
Dieses große Angebot
an Grundstücken wurde schließlich zur Voraussetzung, daß vom letzten Jahrzehnt
des 19. zum ersten des 2o. Jahrhunderts jene entscheidende Bauphase entstand,
die den Markt Millstatt bis heute mit einer Vielzahl bürgerlicher Villen und
ihren interessanten Baudetails prägt.[71]
Die Verbauung des
Seeufers mit Schwimmanstalten, Bade-, Bootshäusern und Villen war zwar nicht
zur Freude aller und löste auch Kritik aus, jedoch ließ der zwanzig Jahre
anhaltende Bauboom das Angebot an Quartieren für Fremde sprunghaft in die Höhe
schnellen, und die Möglichkeit des Badens und die Ausübung des Schwimmsportes
bildete eine willkommene Voraussetzung für die Aufwärtsentwicklung des
Fremdenverkehrs.
Standen im Jahre
1879 in 27 Häusern noch 99 Zimmer zur Verfügung, stieg dieses Angebot innerhalb
von zehn Jahren im Jahre 1889 auf 280 Zimmer
und 27 Küchen in 46 Häusern.
Im Jahre 1896 waren
350 Zimmer und 50 Küchen und 1902 bereits 700 Zimmer und 60 Küchen vorhanden.
An dieser rasanten
Vermehrung des Unterkunftangebotes waren nicht nur die einheimischen Haus – und
Grundbesitzer, sondern in erheblichem Ausmaße auch die neu zugezogenen
Villenbesitzer beteiligt, die neben dem entsprechenden städtischen Komfort für
ihre eigenen, auch für die zur Vermietung kommenden Wohnungen sorgten.[72]
Darum konnte in
einer Gemeindeausschußsitzung vom 1. Mai 1896 in Beantwortung eines Erlasses
des Kärntner Landesausschusses vom 17. Oktober 1895 beschlossen werden, diesen „dahin zu beantworten, daß in Millstatt die Seegründe bis auf
einen ganz kleinen Theil bereits verbaut worden sind und daher die Ausstellung
eines Regulierungsplanes nutzlos wäre“.
[73]
Im 19. und 20.
Jahrhundert siedelte sich das wohlhabende Bürgertum in Feriengebieten an und
errichtete für seine Sommeraufenthalte repräsentative Villenbauten, deren
Planungen meist städtische Architekten ausführten. Wie in Millstatt, so gab es
auch an anderen Kärntner Urlaubsorten eine parallele Entwicklung, wobei es auch
zu Stilexperimenten kam.
Für diese meist frei
stehenden Villen war die Einbindung in einen gepflegten Garten oder Park
charakteristisch. Dieser Villentyp entsprach vor allem den spezifischen
Bedürfnissen der großbürgerlichen Gästeschicht
und des Adels in den von ihnen bevorzugten Sommerfrischen. Die Motivation
bestand im Hang zum „Südlichen“ in leicht erreichbarer Distanz von der Stadt.
Darum wurde für Millstatt der Slogan „Nizza von Kärnten“ geprägt und die
Betonung auf das milde Klima, die würzige Luft und den warmen kristallklaren
See gelegt, die den Ort von Natur aus zu einem Kurort prädestiniere.
Der Sommerfrischler
des bürgerlichen Zeitalters strebte weniger nach Unbekanntem, als nach dem
Gewohnten, was eine völlige Verlagerung des gesamten Haushaltes in die
Sommerfrische mit Kind und Kegel und dem gesamten Hausrat voraussetzte.[74]
Die Erbauer oder
Besitzer von Villen waren Anfang der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts, reiche „Zugezogene“, die zuerst als
Sommerfrischler die Annehmlichkeiten Millstatts kennen und schätzen gelernt und sich dann entschlossen hatten, sich mit ihren Familien während des Sommers endgültig hier
niederzulassen. Das waren zum Beispiel:
Der Agramer
Apotheker Sigmund Mittelbach, Reichsgraf Nikolaus Kammerowsky aus Rußland,
Rudolf Schürer von Waldheim aus Wien, der Güterdirektor des Barons Rothschild
namens Schuster aus Wien, der Wiener Glasfabrikant Lobmeier, der Holzhändler
Ofenheimer aus Italien, der berühmte Archäologe Professor Dr. Felix von Luschan
aus Niederösterreich, der K.K. Notar Dr. Oskar Ritter von Luschan aus Niederösterreich,
Professor Streintz aus Graz, der Ornitologe Univ. Prof. Finger und der Wiener
Großbankier und Vertreter Rothschilds an der Börse Cantor.
Weiters der Direktor
von Esterhazy- Gütern Finanzrat Baron Schwarz, der Kurarzt Dr. Weiß aus Wien,
der Notar Reichsgraf Dr. Eugen von und
zu Paumgartten von Hohenschwangau und Erbach, der Verlagsdirektor Fritz
Musil Edler von Mollenbrück.
Sie alle
errichteten oder erwarben stilvolle
Villen, in denen auch Wohnungen
für deren
herrschaftliche Gäste oder zur Vermietung vorhanden waren. Manche dieser Villen
wechselten in der Folge den Besitzer, prägten aber weiterhin einen gehobenen
städtischen Lebensstil.[75]
Von den typischen,
noch weitgehend in ihrer Ursprünglichkeit erhaltenen Villen der
Jahrhundertwende soll nun eine näher beschrieben werden, die heute unter
Denkmalschutz steht und als „Villa Verdin“ hotelmäßig geführt wird:
Mit diesem baulichen
Kleinod ist eine bewegte Geschichte verbunden. Ursprünglich befand sich am
Seeufer im Osten des Marktes die alte Brüggelschusterkeusche und von ihr in
kurzer Entfernung das bereits verfallende ehemalige „Jesuitenspital“. Im Jahre
1880 erwarb der russische Reichsgraf Nikolaus Kammerowsky die Keusche
einschließlich des Seeufers und eines ansehnlichen unverbauten Areales, um
darauf eine Villa mit Pferdestall zu errichten. Er hatte vorher zwei Jahre im
Gasthaus des Franz Burgstaller mit seiner Gattin seinen Sommeraufenthalt
genommen.
Außer dieser Villa
errichteten sie noch am Riegenbach die Villen Theresienhof und Mon Repos mit
Nebengebäuden.
Das Ehepaar führte
ein fürstliches Leben mit großem Aufwand. Wegen hoher Verluste im Spielcasino
von Monte Carlo war der Graf jedoch gezwungen, seine Villa am See an den
Güterdirektor des Baron Rothschild, Schuster, zu verkaufen. Da dieser wegen
seiner vielköpfigen Familie jedoch ein großes Haus benötigte, ließ er die Villa abtragen und erbaute im
Jahre 1893 ein großes schloßähnliches Objekt mit Pferdestall, Wagenschuppen und
Dienerhaus im ehemaligen „Jesuitenspital“.
(Beilagen: Villa Schuster)
Später erwarb diese
gesamte Realität die Familie von Verdin, die darin einen gepflegten
herrschaftlichen Haushalt führte und diesen zu einem zentralen Punkt für viele
gesellschaftliche Feste ausgestaltete.
Von der Witwe Verdin
erwarb das unter Denkmalschutz gestellte Objekt im Jahre 1952 die Marktkommune
(Nachbarschaft) Millstatt, die darin nach umfangreichen Renovierungen einen
durch Pächter geführten stilvollen Hotelbetrieb einrichtete. [76]
Laut Friedrich
Achleitner wurde diese Villa von Baumeister Glaser aus Wien im Jahre 1894
entworfen. Es handelt sich um ein „romantisches Schlößl, mit der
charakteristischen, heute bereits liebenswürdigen Katalogarchitektur aus dem
späten 19. Jahrhundert“.[77]
Sowohl einheimische
Haus- und Grundbesitzer, als auch weitere Zugezogene wurden durch den
florierenden Fremdenverkehr in den allgemeinen Bauboom hineingezogen und bauten
bestehende, zum Teil dem Verfall preisgegebene Objekte um oder errichteten neue
Häuser im Stil der Jahrhundertwende mit Balkonen und Türmchen zur Vermietung an
Sommerfrischler oder als Sommersitz.
Davon soll beispielhaft ein Objekt genannt werden:
Den Amthof, ein
ursprünglich zum Kloster der Benediktiner gehöriger mittelalterlicher Amtssitz,
in dessen tiefen gewölbten Kellern der Klosterwein gelagert wurde, erwarb David
Eysank von Maienfels, ehemaliger Vogteiverwalter und Bezirkskommissar, der ihn
zu seinem Sommersitz umgestaltete. Nach ihm sind einige Eigentümer überliefert,
bis den Besitz nach dem Ersten Weltkrieg Feldmarschalleutnant Arthur Ritter von
Przyborski aus Wien erwarb, der später über
ein Jahrzehnt Bürgermeister in Millstatt war. [78]
Die zugezogenen
Villenbesitzer, deren Familien meist während der gesamten Sommersaison ihren
Erholungsaufenthalt in Millstatt verlebten und darum mit den Einheimischen in
ständigem Kontakt standen, hatten das größte Interesse daran, daß sich „ihr“
Ort bezüglich der Infrastruktur, der optischen Ausgestaltung, aber auch was das
Angebot an Unterhaltung betraf, ständig weiterentwickelte.
Es werden darum in
vielen Gesprächen Hinweise und Vorschläge von dieser Seite an die
verantwortlichen Ortsansässigen des Förderungsvereines und der Gemeinde
gegangen sein.
Die Villenbesitzer
und Sommerfrischler schalteten sich auch selbst aktiv in das
Unterhaltungsangebot ein, indem sie aufwendige Feste, meist zu Gunsten des
Förderungsvereines gestalteten. (Beilage: Kaiserfest)
So schrieb die
Klagenfurter Zeitung im Jahre 1888:
„So wie alljährlich,
wurde auch diesmal zu Ehren des Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers Franz
Josef I. um 9 Uhr Früh ein Festgottesdienst abgehalten, ........ wobei eine
große Anzahl der hier wohnenden Fremden theilgenommen haben. Das am Abend
abgehaltene ........... Seefest hat alle bis jetzt in dieser Art abgehaltenen
Festlichkeiten übertroffen. An 200 Schiffe, welche ......... festlich
decoriert ........... waren, bewegten sich auf dem See. Die am
Ufer gelegenen Villen ......... waren festlich beleuchtet – die Villa
,Marienhof‘
trat wegen ihrer
Größe und schönen, geschmackvollen Beleuchtung wie ein großer Planet am
Horizont vor allen übrigen hervor ......
. Herr Direktor Schuster aus Wien hatte die von ihm bewohnte Villa
Bacher mit tausenden von Lichtern und nebstbei noch durch bengalische Flammen
beleuchtet .......“.[79]
Auch die Kärntner
Zeitung brachte vierzehn Jahre später einen anerkennenden Artikel:
„ ........Die
Millstätter suchen in jeder Weise, den Ansprüchen gerecht zu werden. An
Abwechslung und Unterhaltung fehlt’s wirklich nicht. Jeden Tag ist zweimal
Concert im ‚Lindenhof‘, jede Woche am Samstag abends Tanzkränzchen im
Rittersaale, wobei die Curkapelle des ‚Lindenhof‘ die Musik besorgt .
.......... Außerdem ....... noch Concerte in den verschiedenen anderen Hotels.
....... Am regsten ist das Leben ohne Zweifel im herrlichen Lindenhof“.[80]
In der gleichen
Zeitung wurde ein Benefice- Konzert als Höhepunkt mit gelungenem Programm
erwähnt, u.a. wurde der Pupovac- Marsch und die Wiener Millstatt- Polka
aufgeführt.[81]
Es war nicht zu
verwundern, daß von den „Herrschaften“, wie die Villenbesitzer genannt wurden,
seit Jahren immer wieder Kritik und wohlmeinende Hinweise auf ein zu pflegendes
Ortsbild an die Verantwortlichen in der Gemeinde gerichtet wurden. Deshalb ist
es erklärlich, daß der Gemeindeausschuß mit seiner Kundmachung Nr. 930/96 beschloß, daß „das Herumlaufen
der Hühner und ebenso wie das Weiden der Schweine im Markte Millstatt untersagt
werde“.[82]
Andererseits scheint
die Lärmbelästigung durch Musik und öffentliche Tanzveranstaltungen derart
überhand genommen zu haben, daß der Gemeindeausschuß einstimmig beschloß:
„Während der Zeit der Badesaison, das ist vom 15. Mai bis letzten September,
für solche Tanzveranstaltungen, welche allgemein zugänglich und nicht auf
spezielle Einladungen und geschlossene Gesellschaften beschränkt sind, keine
Licenzen zu verabfolgen“. [83]
Nachdem mit dem
ersten im Jahre 1869 in Millstatt angekommenen Gast der Fremdenverkehr am Millstättersee
angefangen hatte, kamen nach der Inbetriebnahme der Südbahn im Jahre 1871 bis zum Bahnhof Spittal immer mehr Fremde
an, die mit Kutschen auf schlechten, staubigen und schmalen Fahrwegen durch die
noch kleinen Dörfer von Seeboden ihrem Ziel zufuhren.
Die idyllischen
Bauerndörfer begannen sich, angeregt durch das Interesse der Sommerfrischler und einer sich
erschließenden neuen Einnahmequelle ebenso für den Fremdenverkehr zu
interessieren.
„Und so entstanden
zwischen 1890 und 1910 einige Sommervillen am See, größtenteils von Adeligen
und Fabrikanten erbaut“. [84]
Dazu stellte die
Kärntner Zeitung fest:
„Zieht Millstatt zur
Zeit der Saison den städtischen Charakter an, so behält Seeboden trotz der
Fremden sein liebliches, ländliches Aussehen und nimmt der Besuch desselben
auch von Jahr zu Jahr zu. ....... Sehr verdient macht sich durch die Anlage von
schönen Alleen und durch Veranstaltung von Festen der Seebodner Verschönerungs-
Verein“.[85]
Auch in Seeboden
begannen Einheimische ihre Häuser umzubauen, richteten Ferienwohnungen ein und
vermieteten sie meist für eine gesamte Sommersaison.
In der
Reisebroschüre der Südbahn aus dem Jahre 1899 wurde Seeboden bereits als ein
reizend gelegener, viel besuchter Sommerfrischen- und Badeort genannt, wo sich
die Haltestelle für das nach Millstatt verkehrende Dampfboot befindet.[86]
Im Jahre 1911 wurden
in einem Illustrierten Führer bereits die wichtigsten Fremdenverkehrsbetriebe
angeführt, wie: Hotel Seehof, Restaurant Steiner, die Gasthöfe Sorger,
Peterwirt, Paulewirt, Laßnig, Kasperwirt, Pichler. Es wurde darin auch
hingewiesen, daß der altersgraue Markt Millstatt eine sehr beliebte,
alljährlich überfüllte Sommerfrische sei.
[87]
In einem Prospekt
mit Wohnungsliste aus dem Jahre 1910 wurden bereits über 500 Zimmer und 87
Küchen zur Vermietung angeboten. [88]
Es wurde darin auch
vermerkt: „Im Sommerkurorte Seeboden wird dem Fremden der Aufenthalt auf
bestmögliche Weise angenehm zu machen getrachtet. Er findet da eine
zuvorkommende, biedere Bevölkerung. Für Ruhe und Ordnung ist strenge gesorgt
........“.[89]
Weiters erfährt
darin der Gast, daß vier Ärzte ihre Ordination erteilen, ein Post – und
Telegraphenamt und eine Bücherei vorhanden sind.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Vergnügungen,
wie Strandkonzerte, Reunions (gesellige Veranstaltungen), Liederabende,
Tennisturniere, Regatten, Wettschwimmen, Mondnachtfahrten und im Monat August
das große Kaiser- Fest, an denen die Sommergäste mitwirken.
Die Villacher
Zeitung meldete darüber in einem Artikel:
„Anläßlich des
Geburtstagsfestes des Kaisers veranstalteten die Sommergäste zu Gunsten des
Verschönerungsvereines Seeboden am 15. August l.J. ein großes Kaiserfest“.[90]
Die Klagenfurter
Zeitung berichtete ebenso über Aktivitäten:
„In letzter Zeit
konnten über 1000 Gäste gezählt werden. Zur Belustigung gibt es Vortrags- und
humorvolle Abende mit Konzerten und Kränzchen, Ruderregatten, Seefest und
Wohltätigkeitsfest im Hotel Seehof“. [91]
Dellach war das
einzige am Seeufer gelegene Dorf der im Jahre 1889 von Millstatt getrennten
Gemeinde Obermillstatt.
Die Seevilla Schmidt
wurde um die Jahrhundertwende von einem Bauherrn Bacz, einem Arzt aus Wien, an
einem einzigartigen Seeuferplatz in Dellach errichtet und war für ein Jahrzehnt
sein Urlaubsdomizil. Auch heute noch ist die Villa in der ursprünglichen
Bauform erhalten geblieben. [92]
Von großer Bedeutung
für die Entwicklung der Sommerfrische Dellach war Siegmund Mittelbach, der
begüterte Apotheker aus Agram, der in Millstatt bereits im Jahre 1879 die erste Villa zur Vermietung an
Sommergäste errichtet hatte und damit Wegbereiter für den späteren Villen-
Bauboom wurde.
Er erwarb auch
andere Grundstücke und Waldungen am See und machte sich außer im Markte
Millstatt auch in Dellach für die Entwicklung des Fremdenverkehrs verdient.
Deshalb konnte das
Kärntner Tagblatt berichten:
„Wie bereits
mitgeteilt, wird der Verschönerungsverein Dellach seinem Gründer, dem
verstorbenen Herrn Siegmund Mittelbach am Siegmundsfalle eine Gedenktafel
errichten und es findet die Enthüllungsfeier am 24. d.M. beim Siegmundsfall in
Sappl statt. Volksfest um 4 Uhr nachmittag in der Restauration Häring in
Dellach unter Mitwirkung der P.T. Sommergäste, der Musikkapelle Brugger und der
Obermillstätter Sängerrunde“. [93]
Im übrigen wird
Dellach als beliebtes Ausflugsziel zu Fuß oder mit Dampfschiff angeprießen.
Auch das Dorf Obermillstatt wurde gleichzeitig für einen Ausflug von Millstatt
über den Schluchtweg empfohlen, wo sich
neben den Gasthäusern Sixt und Pirker auch die Heilquelle Johannesbrunnen mit
Badhaus befand. [94]
Döbriach war bis
1900 ein vom Seeufer entferntes Bauerndorf mit ausgedehnten versumpften und
verschilften Seewiesen, die als Weide dienten und wegen oftmaliger
Überschwemmungen durch den Riegerbach mit Muren in Mitleidenschaft gezogen
wurden. Es hatte sich darum in diesem Bereich am Ostufer des Millstättersee’s
kein Fremdenverkehr entwickeln können.
Eine nachhaltige
Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse trat jedoch auch für Döbriach ein,
als im Jahre 1904 auf der Millstätter Alpe Magnesit entdeckt und ab dem Jahre
1907 mit dem Bau des Magnesitwerkes in Radenthein begonnen wurde. Während
dieser Bauphase waren in Döbriach bis zu 300 ausländische Arbeiter, meist
Italiener, untergebracht, worüber die örtlichen Wirte sehr zufrieden waren.
Für das Tal brach
eine neue Zeit an, denn die zweiten und dritten Bauernsöhne, die sich bisher
als Holzknechte verdingten, wurden Knappen im „Bruch“ und hatten damit einen
besseren Verdienst.[95]
Ein nennenswerter
Fremdenverkehr konnte sich darum erst spät im 20. Jahrhundert entwickeln, als
die sumpfigen Seewiesen trockengelegt und dort Bäder errichtet wurden, nachdem
infolge der starken Bevölkerungsvermehrung die Bautätigkeit auf den
entwässerten Seewiesen durch Arbeiter und Angestellte des Werkes stattfand und
damit neben den alten Gasthäusern auch Privatzimmer und Pensionen für Gäste
geschaffen worden waren. Darum wurde Döbriach im Illustrierten Führer nur als
Zielort der Dampfschiffe bis zum östlichen See- Ende genannt, wo es Gasthäuser
mit Sitzgarten gab.[96]
Die Verbindung
zwischen dem Nord- und Südufer und den
Orten und Dörfern am See für den Transport von Menschen und Gütern erfolgte
durch Jahrhunderte mit einfachen Plätten (Flachbooten), ebenso wurden von den
Fischern Boote dieser Art verwendet. Für den Transport des geschlägerten Holzes
von den Waldungen der Domänenverwaltung wurden große Flöße kunstvoll
zusammengebaut und zu den Lagerplätzen am Nordufer gerudert.
Eine erste Kunde von
Lustfahrten am Millstättersee mit kleinen und größeren Schiffen gab ein
Prospekt des Handelsmannes und Weinschenks Anton Trebsche bekannt, der diese
mit seinem neu eröffneten Bad als zusätzliches Angebot im Jahre 1870 anpries.[97]
Mit dem anschwellenden
Fremdenverkehr und dem Bedürfnis der Gäste, den See auch zum Vergnügen zu
befahren, kamen aufwendiger gebaute Kielboote als Ruder- und Segelboote in
Gebrauch.
Zu einem beliebten
Ausflugsziel gehörte die „Überfahrt ans gegenüberliegende Ufer zur Jesuiten-
Capelle mit großen und mittleren Booten.
..... Zu dieser Zeit wurden auch
bereits Lustfahrten nach Seeboden und Döbriach
...... angeboten“.[98]
Den ersten kleinen
Privatdampfer ließ der Güterdirektor des Baron Rothschild, Herr Schuster, im
Jahre 1890 von Stapel laufen, in dem er auch seine Gäste zu Lustfahrten auf dem
See mitnahm.[99]
Bereits im Juli 1892
nahm Herr Klauber aus Seeboden einen zehn Personen fassenden Petroleumdampfer
in Betrieb, mit dem er in den Sommermonaten viermal täglich Gäste beförderte.
Das Bedürfnis, ohne
Muskelkraft und schneller Ausflugsziele zu erreichen, steigerte sich um die
Jahrhundertwende. Deshalb beschlossen einige unternehmende Männer im Jahre
1901, die „Millstätter Dampfschiffahrtsgesellschaft“ mit einem Aktienpaket von
63 Aktien zu gründen. Als Gründungsmitglieder fungierten Peter Marchetti mit
19, Dr. Oskar von Luschan mit 10 und
Josef Steiner aus Seeboden mit 7 Aktien. Die restlichen 23 Aktien verteilten
sich auf kleinere Aktionäre. Als erster
Obmann wurde der Schmiedemeister Karl Silbernagl gewählt, der diese Funktion
bis 1920 ausübte.
Das erste
Motorschiff, ein Schraubendampfer, wurde bereits am 6. Juni 1901 in Dienst
gestellt und lief beim Gasthof Steiner in der Westbucht des Millstättersees von
Stapel, wo es auch während der Wintermonate seinen Standplatz hatte.
Bei der Schiffstaufe
in Millstatt war Frau Margarethe von Luschan Patin, die dem Schiff den Namen
„Margarete“ gab. (Bild: Dampfer Margarete)
Um einen
regelmäßigen Verkehr zu Zielorten am See zu ermöglichen, waren Landungsbrücken
zu bauen und zu erhalten, da schon bald Fahrten nach Zeitplan eingerichtet
werden mußten, um die steigenden Bedürfnisse zu befriedigen. Denn als Zweck der
Gesellschaft wurde im Notariatsakt „der periodische Personentransport auf dem
Millstättersee“ festgelegt.[100]
Die Margarete blieb
der einzige „Dampfer“ der Gesellschaft,
denn auf Grund der steigenden Nachfrage lief bereits am 12. Mai 1912 das
Elektro- Salonboot „Aribo“, nach dem
Gründer von Millstatt benannt, von Stapel.
Diese beiden Schiffe
besorgten, nach Fahrplan verkehrend, den Personentransport am See und waren
während des Ersten Weltkrieges eine willkommene Ergänzung der Busverbindung vom
Bahnhof Spittal nach Millstatt.[101]
Im Jahre 1917 sank
der Schraubendampfer „Margarete“ in seinem Winterquartier in Seeboden durch
einen Sabotageakt, wurde später wieder gehoben und mußte jedoch verschrottet
werden.[102]
Das dritte von der
Gesellschaft angekaufte Schiff für vierzig Personen, mit Dieselmotor betrieben,
wurde im Jahre 1926 mit dem Namen „Poto“ und ein weiteres mit dem Namen
„Millstatt“ im Jahre 1928 in Dienst gestellt. Alle drei Schiffe hatten einen
Rumpf aus Holz und eine ähnliche Konstruktion.[103]
Mit diesen drei
Schiffen wurde der Linienverkehr auf dem See während der Zwischenkriegszeit,
dem Zweiten Weltkrieg und anschließend bis zum Jahre 1957 aufrecht erhalten. [104]
Zu den grundlegenden
Voraussetzungen für den Fremdenverkehr zählen landschaftliche Faktoren, wie
Relief, Gewässer, Klima, Planzen- und Tierwelt, das Landschaftsbild und die
Siedlungen. [105]
Für den beginnenden
Fremdenverkehr in Kärnten galten also von Beginn an die warmen Badeseen,
eingebettet in einer von Bergen umgebenen intakten Landschaft als die
wesentliche Voraussetzung. Dabei hatten die größeren Seen im näheren Umkreis
von ausgebauten Verkehrsadern, wie Bahn und Straßen, einen wesentlichen Vorteil
gegenüber den kleinen, meist noch völlig unbekannten Gewässern.
Das von der Adria
beeinflußte Klima mit vielen Sonnentagen im Sommer und mäßigen Regenzeiten war
ein grundlegender Vorteil bei der Entscheidung der Urlauber, den intuitiven
Drang nach dem warmen Süden in erreichbarer Distanz zu befriedigen.
Das gemilderte
kontinentale Klima Kärntens übt je nach Höhenlage heilklimatische Reize auf den
menschlichen Organismus aus, wenn der Gast im Sommer von dem in einer
Beckenlandschaft liegenden See in ein mäßiges Reizklima in höhere Lagen
aufsteigt oder ein Reizklima des
polaren Hochgebirges aufsucht.
Schließlich hatte
auch die Verkehrslage Kärntens zu Ländern mit großen Bevölkerungszahlen eine
grundlegende Bedeutung, so insbesondere zu den Bevölkerungszentren in
Deutschland, in geringem Maße auch den übrigen westeuropäischen Staaten. Doch
waren immer die Schweiz, Tirol und Salzburg in einer günstigeren Lage. [106]
All die genannten
Faktoren bildeten die Grundvoraussetzung dafür, daß ein Ort, ein Zielgebiet für
einen Urlaubsaufenthalt überhaupt ins Kalkül gezogen worden ist.
Eine weitere
wichtige Voraussetzung bildete das im Zielgebiet von den Menschen geprägte
Angebot, das die Kultur, die Tradition, das Brauchtum, die Sprache, die
Mentalität und die Gastfreundschaft umfaßt.
Zu den
ursprünglichen Angeboten zählte auch die allgemeine Infrastruktur, die nicht
nur für den Fremdenverkehr geschaffen wurde, wie Politik, Soziales, Bildung,
Ver- und Entsorgung, sowie Kommunikations- und Verkehrswesen. Diese
ursprünglichen Faktoren gaben allerdings nur die ersten Anstöße zur Entwicklung
des Fremdenverkehrs in einem Gebiet oder Ort. [107]
Die speziell für den
Fremdenverkehr wichtigen Einrichtungen und Anlagen, wie private und öffentliche
Infrastruktur, Wege, Promenaden und Grünanlagen, ein unbelastetes Ortsbild,
Übernachtungs- und Verpflegungsbetriebe in ausreichender Zahl und Qualität,
sowie Dienstleistungs- und örtliche Fremdenverkehrsorganisationen mußten erst
von Grund auf geschaffen werden. [108]
Um diese
Voraussetzungen Wirklichkeit werden zu lassen, hatte sich die Gesamtheit
der Mitarbeiter des Millstätter
Förderungsvereines unter einer vorausschauenden Führung eingesetzt, um aus
einem ärmlichen Fischerdorf in wenigen Jahrzehnten eine anerkannte
Sommerfrische zu gestalten. Anreiz dazu war nicht die Aussicht auf öffentliche
Subventionen, sondern allein die in Eigenverantwortung entwickelten Pläne und
durchgeführten Investitionen.
Dazu zählten auch
die geschaffenen Attraktionen und Annehmlichkeiten des Ortes, die einen
Aufenthalt erst möglich und erstrebenswert machten.
Die problemlose Anreisemöglichkeit
war aber auch von wesentlichem Belange, die durch die Bahnbauten der Süd- und
Tauernbahn eine überörtliche Verkehrsinfrastruktur brachten und im engeren
Bereiche durch den Personentransport mit Pferdegespannen und später mit Schiff
und Omnibus ermöglicht wurden.
Eine besonders
ausschlaggebende Bedeutung erlangte das Werden eines neuen Ortsbildes mit dem
Bau der zahlreichen stilvollen Villen und die Einbeziehung der historischen
Bausubstanz als Objekte der Besichtigung und als gehobene Fremdenverkehrsbetriebe
in das allgemeine Angebot.
Mit der
Bewahrung und Pflege der alten
Bausubstanz und der Beifügung neuen, städtischen Stilrichtungen nachempfundenen
Villen, stieg der Markt aus seinem ehemals dörflichen Charakter heraus und
erhielt mit einer gehobenen Baukultur ein unverwechselbares äußeres Gewand. [109]
Damit vollzog sich
aber auch eine innere Erneuerung der Marktansässigen, deren Zielsetzungen weit
über eine bloße äußere Fassadenpflege hinausging. Denn obwohl die Akteure des
damaligen Fremdenverkehrs während der Sommersaison mit der Zeit geizen mußten,
überwog das Miteinander bei der gemeinsamen Arbeit sowie bei Feiern und Festen,
wobei auch die Villenbesitzer, voll integriert, ihren Anteil einbrachten. [110]
Trotz aller geschilderten
Widersprüche unter der ansässigen Bevölkerung wurde während der Jahrzehnte des
Aufbaues bis zum blühenden Fremdenverkehr das gemeinsame Ziel nie in Frage
gestellt. Dies war in erster Linie weitblickenden Männern zu verdanken, die als
Wegbereiter fungierten und auf Grund ihrer Persönlichkeit und ihres Ansehens
als Vorbilder wirkten.
Es muß aber
unbestritten bleiben, daß erste mutige Anstöße von Ortsfremden kamen, die, aus
weniger attraktiven Gegenden kommend, die Vorzüge des Sees wirtschaftlich richtig
einschätzten und sich hier nicht nur niederließen, sondern sich mit ihrer
großen unternehmerischen Leistung an die Spitze der Entwicklung des
Fremdenverkehrs setzten.
Es war, wie schon
erwähnt, Franz Burgstaller, der aus der engen wirtschaftlichen Begrenzung
seines Bergbauernhofes ausbrach, um mit Erfolg einen völlig anderen Lebensweg
einzuschlagen. Mit der Gründung des Verschönerungs – später Förderungsvereines
prägte er durch Jahrzehnte die Geschlossenheit in der Zielrichtung des
Fremdenverkehrs. Er setzte gleichzeitig den Grundstein für die Entwicklung
seines kleinen Gasthauses zu dem späteren großen Hotel Burgstaller.
Mit dem Uhrmacher
Daniel Kotz aus Gmünd trat ein Mann auf den Plan, der nicht nur die Poststelle
in Millstatt zu einem beherrschenden Fiakerunternehmen für den Transport der
Gäste erweiterte. Er ging bald nach Übernahme eines unbedeutenden Gasthauses
daran, dieses attraktiv zu erweitern und mit dem Hotel Post einen der ersten
Hotelbetriebe einzurichten.
Rudolf Schürer von
Waldheim aus Wien investierte mit Erfolg in ein stilvolles Hotel der gehobenen
Klasse, das er zwar nicht selbst
führte, aber durch örtliche Pächter einen bedeutenden Akzent setzen konnte.
Der Fleischhauer
Hans Kahlhofer aus Paternion profilierte sich nicht nur in seinem Fach, sondern
erweiterte sein mit der Fleischerei erworbenes Gasthaus zu einem großen Hotel.
Dr. Alfred Weiß aus
Wien war es zu danken, daß er mit seiner Wasserheilanstalt und den Kurangeboten
mutig einen völlig neuen Weg im
Fremdenverkehr einschlug, und Dr. Alexander Pupovac aus Wien war es beschieden,
mit bedeutenden Investitionen in historische Gemäuer ein hoch qualifiziertes
florierendes ‚Grand Hotel‘ zu errichten und in der Gästebetreuung neue
erfolgreiche Ideen zu entwickeln. [111]
Den vielen gut
situierten Eigentümern von Villen ist auch Anerkennung dafür zu zollen, daß sie
sich infolge ihrer monatelangen Sommeraufenthalte während vieler Jahre mit
ihrer zweiten Heimat identifizierten, durch Geld, Ideen und Mitarbeit zum
Aufbau des Fremdenverkehrs beitrugen und Flair in ihre geliebte Sommerfrische
brachten. [112]
Die einheimischen
Hoteliers, Gastwirte und Vermieter werden das ihre dazu beigetragen haben, in einer Mischung von herzlicher
Gastlichkeit ohne Anbiederung eine natürliche Distanz zum Gast gewahrt und den
Fremdenverkehr mit sehr viel ausgewogener Menschlichkeit erfüllt zu haben. [113]
Die Pfarrchronik
stellte im Jahre 1914 fest: „Im Jahre
1914 war Mitte Juli fast ganz
angefüllt. ............ Nach der Kriegserklärung wurde Millstatt fast ganz
leer; alle eilten nach Hause, die Einen gezwungen, die Anderen aus Furcht.
Daher unterblieb fast jede Einnahme. Ein großes Glück war es, daß trotz des
Einrückens der waffenfähigen Männer durch Zusammenhalt der Zurückgebliebenen
die reichlich gesegnete Ernte leicht und gut eingebracht wurde.“ [114]
Während der Kriegs-
und ersten Nachkriegsjahre lag der Fremdenverkehr vollständig darnieder,
weshalb in dieser Zeit der Kampf um das nackte Überleben Vorrang hatte.
Die Pfarrchronik
stellte darum auch mit Entsetzen im
Jahre 1918 fest: „Der Krieg macht roh und rücksichtslos ........ auch
angesehene Bürgerfamilien taten sich zusammen und erbrachen mehrere Villen, die
infolge der Kriegszeit geschlossen waren und raubten und plünderten, soviel sie
nur irgendwie weiterschaffen konnten. ....... Daß die allgemeine Sicherheit in
Haus und Feld sehr viel zu wünschen übrig ließ, braucht nicht erst erwähnt
werden.“ [115]
Auch im Jahre 1919
war laut Pfarrchronik noch keine Besserung zu verzeichnen, da sie vermerkte:
„Der Fremdenverkehr konnte in diesem Sommer noch nicht zugelassen werden wegen
Mangel von Lebensmitteln und wegen Unsicherheit der politischen Verhältnisse.
........... Auch die Aktion
‚Stadtkinder aufs Land‘ unterblieb diesmal. Nur die Herrschaft Orendi brachte
zehn Kinder im Alter von sechs bis drei Jahren von Angestellten ihres Wiener
Teppichhauses auf ihrer hiesigen
Besitzung zum Ferienaufenthalte unter.“ [116]
Ein erstes
Hilfeversprechen war vom Bundespräsidenten Karl Seitz zu erwirken, als er sich
im Spätsommer des Jahres 1919 in Millstatt auf Urlaub befand und die traurige
Lage selbst sah und miterlebte. Er wurde von den Gemeindefunktionären
gleichzeitig auch gebeten, sich für den Verkauf der Domänengründe am See an die
Gemeinde zu verwenden, um die weitere Entwicklung des Fremdenverkehrs zu
ermöglichen.
Eine ungebremste
Dynamik bei der Umgestaltung der Sommerfrische Millstatt zu einem modernen
Kurort trat erst ein, als der pensionierte k.k. Feldmarschalleutnant Arthur
Ritter von Przyborski, der aus Wien zugezogen war, im August 1920 die Geschicke
Millstatts als Bürgermeister in die Hand nahm. Er hatte im Jahre 1916 den alten
„Amthof“ erworben und ihn zu seinem Ruhesitz umgestaltet. Seine Verbindungen zu
den Ministerien und vielen einflußreichen Persönlichkeiten in der
Bundeshauptstadt waren ausgezeichnet und er hatte das zielbewußte Bestreben,
Millstatt aus der ungewollten Lethargie herauszuführen und im Fremdenverkehr
zukunftweisende Akzente zu setzen. [117]
Doch gestaltete sich
der neue Beginn keineswegs zu aller Zufriedenheit. Denn die Pfarrchronik
berichtete im Jahre 1920: „Der berühmte Lindenhof wurde im Jänner 1920 von Frau
Dr. Pupovac an einen Wiener Beamtenverein um zwei Millionen Kronen verkauft und
von diesem in ‚Mittellaheim‘ umgetauft. Im Sommer dann zeigte es sich, daß
dieser Wechsel für die Bevölkerung nicht vorteilhaft war, indem die zahlreich
herbeiströmenden Beamten, Beamtinnen und Familien die Gegend umsomehr
abhamsterten, den Bäuerinnen für ihre bekömmlichen Waren einen goldenen Absatz
eröffneten und auf diese Weise uns allen den Brotkorb bedeutend höher hängten“.
[118]
Bereits im August
1920 legte Bürgermeister Przyborski im Gemeindeausschuß die ersten kühnen Pläne
vor zum Ankauf von Domänengründen für den Bau
eines modernen großen Strandbades, von
Promenaden und einem Kursalon, den Bau größerer Hotels und einer großzügigen
Ausgestaltung des Marktes.
Außerdem wurde über
seinen Antrag der Förderungsverein aufgelöst und eine Kurkommission gebildet,
die für den Fremdenverkehr verantwortlich werden sollte. Eine ausgearbeitete
Kurordnung erhielt im Jahre 1921 die Genehmigung der Kärntner Landesregierung. [119]
Der Schreiber der
Pfarrchronik stellte im Jahre 1922 fest: „Von Fremden, auch Franzosen,
Italienern, Schweden, war Millstatt in diesem Sommer sehr stark besucht, was
sehr leicht begreiflich ist, da die Ausländer mit ihrer hohen Valuta
hier sehr billig
leben konnten“. [120]
Nach einer
anfänglichen positiven Entwicklung des Fremdenverkehrs mußte im Sommer
1924 ein starker Rückgang an Gästen
wegen der galoppierenden Inflation festgestellt werden. [121]
Es waren während des
gesamten Sommers nur 2400 Kurgäste in Millstatt anwesend. Wegen der Inflation
kostete 1 kg Schwarzbrot 7.500 Kr., 1 kg Zucker 12.000 Kr., 1 kg Schweinefleisch
40.000 Kr., 1 l Milch 5.500 Kr. und 1 Raummeter hartes Brennholz 140.000 Kr. [122]
Im Jahre 1924 kam auch die Genehmigung des
Ministers für Land- und Forstwirtschaft, daß die gewünschten Domänen- Gründe an
die Gemeinde verkauft werden können. Es wurde dann jedoch ein langfristiger
Baupachtvertrag für die Zeit von fünfzig Jahren, gerechnet ab 1. September
1927, abgeschlossen.
Auf Antrag der
Gemeinde bewilligte ihr der Kärntner Landtag im Jahre 1924 ein Darlehen von 300
Millionen Kronen, befristet mit 30. Dezember 1925, um mit dem Bau des
Strandbades bereits Anfang 1925 beginnen zu können. Es waren aber noch weitere
Kredite erforderlich, um den ersten Teil der Kabinen bis zur Eröffnung im Juni
1925 fertigstellen zu können. [123]
Darüber vermerkte
die Gendarmeriechronik, daß am 2. Juni 1925 vom Herrn Bundespräsidenten Dr.
Michael Hainisch das von der Millstätter Marktgemeinde erbaute Strandbad
feierlich eröffnet wurde. Zum festlichen Empfang war die Schuljugend, die
Millstätter Bürgergarde mit Musik und
der Obermillstätter Veteranenverein ausgerückt. [124]
Auch die
Pfarrchronik vermerkt, daß der Bundespräsident zur Einweihung des neu erbauten
Strandbades in Millstatt anwesend war. [125]( Bilder: Einweihung des Strandbades im Juni
1925, Strandbad mit Sprungturm 1931)
Zur weiteren
Ausgestaltung des Marktes wurde mit Beschluß des Gemeindeausschusses im Jahre
1925 eine Vollelektrifizierung und die Verlegung einer Hochspannungsleitung
über eine Bankfinanzierung beschlossen.
Die zunehmende
Gästezahl ließ nun auf einen Aufschwung hoffen, weshalb für die Werbung im
Jahre 1926 20.000 Stück Broschüren und 2000 Plakate angeschafft und eingesetzt
werden konnten, die auch einen merkbaren Erfolg auslösten. [126]
Die Zuversicht der
Bevölkerung in eine positive Aufwärtsentwicklung des Fremdenverkehrs war
vorhanden, stellte der Gendarmeriebericht fest, denn im Jahre 1927 wurden durch
Neu- und Umbauten wieder 33 Zimmer mit je zwei Betten geschaffen, drei
Konzessionen für Fremdenpensionen verliehen und zwei Jausenstationen eröffnet.
In der gesamten Saison hatten sich 5500 Kurgäste hier aufgehalten und 800
mußten wegen Mangel an Unterkünften wieder abreisen.
Eine gleiche
Entwicklung war im Jahre 1928 festzustellen, da 56 Zimmer mit je zwei Betten
geschaffen wurden und sich 6600 Kurgäste hier aufgehalten hatten. Im Jahre 1929
kamen weitere 65 Zimmer mit je zwei Betten dazu und es konnten 7745 Kurgäste
gezählt werden. [127]
Um die
Wasserversorgung zu sichern, erfolgten
nach erneuter Kreditbeschaffung im Jahre 1927 die umfangreichen Arbeiten von
der Quellerschließung in der Schlucht bis zu der Verlegung von Wasserleitungen
in den Markt.
Die neuerliche
Zunahme der Zahl der Kurgäste bewog den Gemeindeausschuß, im November 1929 den
weiteren Plänen des Bürgermeisters zuzustimmen, die u.a. die Errichtung von
Tennisplätzen, die Erweiterung des Strandbades um 42 Kabinen, den Bau eines
Sprungturmes und die Errichtung von Straßen vorsahen.
Diese Vorhaben
konnten in den folgenden beiden Jahren tatsächlich über erneute
Kreditbeschaffungen verwirklicht werden. Die darüber hinaus geplanten Vorhaben,
wie z.B. der Bau eines Kurhauses, konnte jedoch mangels einer Finanzierung
nicht ausgeführt werden.
Wegen der bereits
bestehenden hohen Verschuldung der Gemeinde mußten die elf Gemeinderäte
solidarisch mit ihrem eigenen Vermögen die Haftung übernehmen, die für sie
später große finanzielle Schwierigkeiten hätte auslösen können. [128]
Um den immer
zahlreicher werdenden Kurgästen das Flair eines Kurortes zu bieten, engagierte
die Kurkommission von 1929 bis 1933 während der Hauptsaison eine 25- Mann
starke Kurkapelle, die an jedem Vormittag und Nachmittag im Musikpavillon auf
der Strandpromenade konzertierte.
Doch wurde die
Verschuldung der Gemeinde in den Jahren nach 1930 so drückend, daß nicht einmal
mehr die Zinsen für die rückzuzahlenden Kredite aufgebracht werden konnten. [129]
Im Juli 1931 war die
sich abzeichnende Wirtschaftskrise für Millstatt stark fühlbar, da die Zahl der
Kurgäste gegenüber dem Vorjahr um rund 1.000 Personen auf 6.968 zurückging.
Dies bewirkte, daß neben dem Fremdenverkehr auch die gewerblichen und
landwirtschaftlichen Betriebe die hohen sozialen Lasten zusätzlich zu den
Steuern nicht mehr leisten konnten, weshalb sich die Bauern zu regelmäßigen
Notschlachtungen gezwungen sahen.
Die wirtschaftliche
Not im gesamten Staat wurde jedoch so drückend, daß im Winter 1931/ 1932 in
Millstatt eine provisorische Herberge für durchziehende Arbeitsuchende
errichtet werden mußte, in der während der vier Wintermonate 800 mittellose
Personen übernachteten, verpflegt und teilweise auch mit alten Kleidungsstücken
beteilt werden mußten. Im gesamten Jahr 1932 sind täglich zwanzig bis
fünfundzwanzig Personen durch das Millstätter Gebiet gezogen.
Im Fremdenverkehr
stellte sich jedoch im Jahre 1932 eine Besserung ein, da wiederum 8.092 Gäste
gezählt werden konnten. [130]
Die im Jahre 1933
von Deutschland verhängte 1.000 – Mark – Sperre würgte den Fremdenverkehr in
Österreich völlig ab. „Während im Jahre 1932 den Kurort Millstatt noch über
8.000 Gäste besuchten, waren es im Jahre 1933 zwar noch 5.114 aber im Jahre
1934 konnte man nur mehr 2.686 Gäste verzeichnen“.[131]
Dazu berichtete die Gendarmeriechronik: „Ab 1. Juni 1933 sperrte Deutschland
die Grenze gegen Österreich, indem es eine Ausreisegebühr von 1.000 Mark
festsetzte. Als Grund wurde angegeben, daß deutsche Nationalsozialisten in
Österreich wegen des erlassenen Uniformverbotes ..... in Konflikt mit den
Behörden kommen könnten.“ [132]
Auch die
Pfarrchronik vermerkte, daß die 1.000 – Mark – Sperre den Fremdenverkehr stark
beeinträchtigte weshalb das Hauptkontingent der Fremden die Tschechen und
infolge der Auslandspropaganda Franzosen und Engländer stellten. [133]
Die 1000 – Mark –
Sperre erlangte aber nicht nur für Millstatt, sondern für den gesamten österreichischen
Fremdenverkehr eine überragende Bedeutung, da innerhalb weniger Wochen
teilweise ein Ausfall von mehr als achtzig Prozent der bisherigen deutschen
Gästezahlen verzeichnet werden mußte.
Diese Maßnahme kam
jedoch nicht überraschend, denn es bestanden bereits seit mehreren Jahren
Versuche, die Fremdenverkehrsbilanz Deutschlands zu verbessern, so durch eine
kurzfristig erlassene Notverordnung im Jahre 1931, mit der eine Ausreise an die Bezahlung von hundert
Reichsmark geknüpft worden war.
Die Fremdenverkehrsbilanz
Deutschlands im Reisejahr 1929 war passiv, denn es standen Einnahmen von 16
Millionen Reichsmark Ausgaben von 55 Millionen gegenüber.
Die Maßnahmen wurden
schrittweise in Gang gesetzt: Am 3. April 1933 erfolgte die Wiedereinführung
des Ausreisesichtvermerkes. In der deutschen Presse wurde Österreich
beschuldigt, Greuellügen über Deutschland zu verbreiten; so hieß es in der
‚Heilbronner Zeitung‘: „Sollte diese Greuelpropaganda nicht bald aufhören,
würde in Deutschland die Parole verbreitet: Ein anständiger Deutscher fährt
nicht nach Österreich“. [134]
Unabhängig von
diesen alarmierenden Vorzeichen kam es in Österreich am 25. April 1933 zur
Einberufung einer Hotelsanierungskonferenz, für die eine Gesamtverschuldung der
Hotellerie von 84,8 Millionen Schilling ermittelt worden war, weshalb der
Ministerrat am 10. Mai 1933 die Errichtung eines Sanierungsfonds beschloß.
Außerdem wurden Fahrpreisermäßigungen auf Bundesbahnen sowie ein
Pfandnachlaßverfahren zur Stützung des Fremdenverkehrs vorgesehen.
Die österreichische
Hotellerie befand sich also schon vor der „1000 – Mark – Sperre“ in einer
hoffnungslosen Situation.
Am 4. Mai 1933 kam
das Verbot der Bundesregierung heraus, in Österreich nationalsozialistische
Uniformen zu tragen, was eine heftige Pressekampagne auslöste.
Die bayrische
Staatskanzlei war als Gegenreaktion der Auffassung, daß dem bayrischen
Fremdenverkehr nur durch eine Erschwerung der Ausreise nach Österreich geholfen
werden könne. [135]
In der Sitzung des
Reichskabinetts vom 26. Mai 1933 regte Hitler persönlich eine Unterbindung des
deutschen Reiseverkehrs nach Österreich durch die Einhebung einer Gebühr von
1.000 Mark für die Erteilung des Sichtvermerkes an, denn er war überzeugt, daß diese Maßnahme voraussichtlich noch in
diesem Sommer zum Zusammenbruch der Regierung Dollfuß und zu Neuwahlen führen
werde.
Der reichsdeutsche
Ministerrat vom 26. Mai 1933 hatte darum bei dem Tagesordnungspunkt ‚Sanktionen
gegen Österreich‘ den Beschluß gefaßt, die Ausreise nach Österreich von einer
Sichtvermerkgebühr von 1.000 Mark abhängig zu machen. [136]
Diese Maßnahme
wirkte sich auf den gesamten österreichischen Fremdenverkehr äußerst negativ
aus, denn der „österreichische Reiseverkehr des Jahres 1934 wies gegenüber dem
Vorjahr einen weiteren Rückgang um 4,2 Prozent“ (auf und) .... „der Anteil der
Reichsdeutschen an der Gesamtzahl der Fremdenmeldungen, der im Jahre 1932 noch
23,2 Prozent betragen hatte, sank im Sommer 1934 auf 1,7 Prozent“. [137]
Mit der neuen
Bundesverfassung vom 1. Mai 1934 kam die Förderung des Fremdenverkehrs
bezüglich Gesetzgebung und Vollziehung in die Kompetenz des Bundes. Das
daraufhin beschlossene Bundesgesetz vom 8. Juni 1934 betraf die Hintanhaltung
von Schädigungen und Gefährdungen des Fremdenverkehrs und verfügte bei
festgestellten vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Handlungen Geld – oder
Arreststrafen.
Außerdem empfahl der
Ministerrat den öffentlichen Angestellten in seiner Sitzung vom 25. Mai 1934,
ihren Urlaub nicht zu einem Auslandsaufenthalt zu benutzen, sondern ihn in den
durch die 1000 – Mark – Sperre schwer betroffenen Gemeinden zu verbringen.
Am 9. Oktober 1934
erfolgte mit Bundesgesetz die Errichtung der Österreichischen Verkehrswerbung.
Diese verstärkte nun die Propaganda für den Winter- und Sommerreiseverkehr
besonders in London, Prag, Rom, Warschau, Bukarest und Kairo. [138]
Das Jahr 1934
brachte laut Gendarmeriebericht für den Fremdenverkehr in Millstatt einen
dramatischen Einschnitt: Beginnend mit Mai 1934 erfolgten laufend Kämpfe
zwischen den Formationen der politischen Parteien und Festnahmen von Anhängern
der NSdAP. In der Nacht des 29. Juni 1934 erschütterte die Sprengung eines
neuerbauten Wohnhauses in Dellach durch SA-
Männer und die Sprengung der Lieserbrücke bei Seebach die Umgebung. Damit wurde die
Straßenverbindung von Spittal zum Millstättersee unterbrochen.
Am 25. Juli 1934
erfolgte in Wien die Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß durch
Nationalsozialisten. Obwohl er bereits um 15,40 Uhr starb, wurde die Meldung
über diese Tat jedoch erst um 22,00 Uhr im Radio bekanntgegeben, der tiefgreifende Auseinandersetzungen folgen
sollten.
Dazu berichtete der
Gendarmerieposten Millstatt: „Ein Ereignis, wie es der Posten Millstatt seit
seinem Bestande nie zu verzeichnen hatte ......... der Juliputsch.
Der 26. Juli 1934
....... und auch die Nacht zum 27. Juli 1934 bis vier Uhr verlief ruhig. .....
Um vier Uhr erhielt der Posten ..... die fernmündliche Verständigung von der
Entwaffnung des Postens Radenthein und der Möglichkeit eines bewaffneten
Einfalles von NSdAP- Anhängern mittelst Auto aus der Richtung Radenthein
kommend in Millstatt“. [139]
Von zwei Gendarmen
und fünf Schuko (Schutzkorps)- Leuten wurde um 4,30 Uhr beim Schloß Musil am
östlichen Ortseingang das hölzerne Straßengeländer als eine Art Barriere umgelegt.
Schon nach kurzer
Zeit kam ein Kundschafter auf einem Motorrad angefahren, der verhaftet wurde.
Unmittelbar darnach kamen auf Lastautos mit Gewehren, Handgranaten und
M.G.(Maschinengewehr) schwer bewaffnete Putschisten, ca. fünfzig an der Zahl.
Die Aufforderung zur Umkehr wurde mit der Eröffnung des Gewehrfeuers
beantwortet und die Gendarmen und die Schuko- Leute entwaffnet.
Nach dem Einmarsch
in Millstatt wurde die Feuer- Sirene betätigt als Signal für die in Millstatt
anwesenden Putschisten. Der Gendarmerieposten wurde besetzt, die noch
anwesenden fünf Schuko entwaffnet und die im Arrest wegen Mittäterschaft an den
Sprengungen Inhaftierten befreit.
Um 5,30 Uhr kamen
unter heftigem Gewehrfeuer 20 Mann der 2. Kompanie des in Spittal stationiert
gewesenen A.J.R. Nr. 11 mit Auto an, säuberten den westlichen Ortsteil und
befreiten mit den Gendarmen die Schutzkorpsleute. Um acht Uhr war diese Aktion
beendet. Dabei fanden ein Alpenjäger und ein Heimwehroberleutnant den Tod. Am
Vormittag traf noch eine weitere Abteilung des Bundesheeres ein.
Die Aufrührer
setzten sich im hügeligen bewaldeten Gelände östlich von Millstatt fest und
belegten die Angreifer mit M.G. (Maschinengewehr)- und Gewehrfeuer. Dabei fiel
ein Mitglied des Tiroler Heimatschutzes.
Die Aufrührer
erhielten noch immer Zuzug aus der Radentheiner- Kleinkirchheimer- und Afritzer
Gegend und waren auf eine Zahl von 300 angewachsen, wagten aber keinen Angriff
mehr. Mit dem Vordringen der regulären Verbände flohen die Putschisten über die
Almen nach Nordosten und nahmen die Verwundeten mit.
Am 29. Juli 1934
rückte das Bundesheer nach Radenthein vor und am 30. Juli 1934 erfolgten von
Gendarmerie und Heimatschutz Verhaftungen von am Putsch beteiligten Personen
sowie die Sicherstellung der erbeuteten Waffen, Munition und Sprengmittel.
Die mit den
Sprengungen und dem Juliputsch zusammenhängende Unsicherheit brachte dem
Fremdenort Millstatt einen 50 % Niedergang der Sommersaison. [140]
Die den
Fremdenverkehr schädigenden Ereignisse der Jahre 1933 und 1934 hatten zur
Folge, daß die Gemeinde mit allen Betrieben wegen der hohen Verschuldung auf
Antrag der Hypothekenanstalt Klagenfurt unter Zwangsverwaltung gestellt und für die örtliche Abwicklung als
Vertreter des Zwangsverwalters Herr Josef Pleikner betraut wurde. [141]
Im Jahre 1935
erholte sich der Fremdenverkehr wieder etwas, denn es kamen 5.902 Gäste an,
davon 85 % aus der Tschechoslowakei und Ungarn.
Obwohl es keine
Störungen gab, konnten im Jahre 1936 mit 5.283 Gästen erneut weniger Fremde im
Ort gezählt werden. Es kam also zu keiner Überschwemmung von Gästen aus
Deutschland, obwohl am 28. August 1936 die 1000 – Mark – Sperre aufgehoben
worden war. Vielmehr kam die überwiegende Zahl der Gäste wieder aus der
Tschechoslowakei und Ungarn.
Ähnlich verlief auch
das Jahr 1937, in dem 5.600 Sommergäste vorwiegend aus Österreich,
Tschechoslowakei, Ungarn, Italien und Frankreich ihren Urlaub in Millstatt
verbrachten. [142]
Auch die
Pfarrchronik berichtete: „Der Sommer 1936 brachte dem Kurorte eine etwas
schwächere Saison als 1935. Bessere Geschäfte machten hauptsächlich nur die
Hotels. Die Privaten schnitten durchwegs schlecht ab. Millstatts Ansehen, das
durch den politischen Radikalismus der vergangenen Jahre stark gelitten hatte,
ist eben noch immer nicht hergestellt“. [143]
Der Anschluß
Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 nährte die Hoffnung, daß der
Fremdenverkehr einen Aufschwung erleben werde.
Tatsächlich erfolgte
bald die Entschuldung der Gemeinde, die Aufhebung der Zwangsverwaltung und damit
eine merkbare wirtschaftliche Entlastung.
Im Sommer des Jahres
1939 konnten bereits 7.000 Gäste gezählt werden, doch mit Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges am 1. September verließen
wieder viele ausländische Gäste fluchtartig
den Millstättersee. [144]
Die
Gendarmeriechronik vermerkte, daß im Jahre 1941 infolge der Kriegsverhältnisse
nicht mehr die bisher gewohnte Anzahl von Fremden zu verzeichnen war, die
während des Sommers Erholung in Millstatt suchten. Denn es gelangten nur etwas
über 4.000 Personen zur polizeilichen Anmeldung.[145]
Ab dem Jahre 1943
kamen neben dem Fremdenverkehr zusätzlich noch andere Einquartierungen:„In
Millstatt wurden mehrere KLV- Lager errichtet und in diesen im Rahmen der
Kinderlandverschickung ca. 500 Kinder von bombengeschädigten Familien aus der
Reichshauptstadt Berlin untergebracht. Weiters wurden die Pensionen und
leerstehenden Zimmer mit evakuierten Ausgebombten aus verschiedenen Städten des
Reiches belegt. In Obermillstatt wurde ein Reichsarbeitsdienstlager aufgestellt
und befanden sich dort durchschnittlich 40 bis 50 Maiden, die bei den Bauern
.......... in der Landwirtschaft Arbeiten verrichteten“. [146]
Im Februar 1944
erfolgte die Verlegung des Kindergärtnerinnen- Grenzlandseminares wegen
Bombenschaden von Klagenfurt in das Schloß Heroldeck in Millstatt. Im März
desselben Jahres mußten außerdem 17 Klassen der Oberschule mit rund 800
Jugendlichen und 27 Lehrpersonen wegen Bedrohung durch Fliegerangriffe
ebenfalls von Klagenfurt nach Millstatt verlegt werden und wurden in Hotels und
Pensionen einquartiert.
Außer den
Evakuierten und Umquartierten aus allen luftbedrohten Gebieten des Reiches, die
untergebracht werden mußten, „war der Fremdenverkehr im Jahre 1944 noch immer
ein wichtiger Erwerbszweig, denn 5.392 Personen suchten im Kurort Millstatt
Erholung“. [147]
In den letzten
Kriegsmonaten des Jahres 1945 wurde in der Volksschule und im Hotel Lindenhof
ein Kriegslazarett eingerichtet.
Nach der
Kapitulation am 8. Mai 1945 marschierten die ersten englischen Soldaten am 12.
Mai in Millstatt ein und richteten in den beschlagnahmten Hotels das FSS (Field
Secret Service) – Quartier für den Bezirk Spittal ein. [148]
Die Sorge der
Regierungsgremien galt nach dem Zweiten Weltkrieg, die Wirtschaft und damit
auch den Fremdenverkehr zur Sicherung der Existenzgrundlage ihrer Bürger neu
aufzubauen. Dies betraf neben der Beseitigung der Kriegsschäden vor allem den
Abbau der Reise- und Devisenbeschränkungen, sowie die touristische
Wertschöpfung und Arbeitsbeschaffung. [149]
Der militärische und
wirtschaftliche Zusammenbruch des Jahres 1945 hinterließ auch in Millstatt
tiefe Spuren, denn Hotels, Gasthöfe und Pensionen waren von der Besatzungsmacht
belegt und hunderte heimatvertriebene Personen (DP’s), besonders aus den
Ländern des Ostens kommend, strömten nach Millstatt, um hier eine Bleibe zu
finden. Die Lebensmittelknappheit ließ nur eine karge Lebensweise zu und in den
Geschäften mangelte es an Verbrauchsgütern und Kleidern, weshalb der
Schleichhandel immer mehr aufblühte.
Erst im Jahre 1948
besserten sich trotz gravierender Geldknappheit die Verhältnisse. In diesem
Jahr wurde in Millstatt mit viel Optimismus erstmals wieder ein
Fremdenverkehrsausschuß gewählt, der zusammen mit der Gemeindeverwaltung den
lebensnotwendigen Fremdenverkehr neu aufzubauen begann. So konnten im Jahre 1949 bereits erste
Erfolge mit einer achtwöchigen Sommersaison und 51.000 Nächtigungen registriert
werden. [150]
Die
Gendarmeriechronik vermerkte, daß im Jahre 1949 Österreich zwar noch nicht als
freies Land anzusehen war, aber die letzten britischen Besatzungen Millstatt
verlassen hatten, ein Zeichen, daß sich die Sicherheitsverhältnisse günstig
entwickelten.
Für das Jahr 1951
stellte sie weiterhin fest, daß im Gendarmerie- Rayon Millstatt / Obermillstatt
der Fremdenverkehr sehr gut verlief, erstmalig wieder deutsche Gäste in
nennenswerter Zahl auf Sommerfrische waren, und insgesamt 86.700 Übernachtungen
ermittelt werden konnten. [151]
Diese steigende
Nachfrage gab in den Gemeinden Millstatt/Obermillstatt den Anstoß, daß bei
einer Wohnbevölkerung mit Stand vom 1. Juni 1951 von 2.950 Personen sich im
Jahre 1954 bereits 43 Betriebe mit 1.932 Betten für die Vermietung eingerichtet
hatten. [152]
Auch die
Pfarrchronik vermerkte, daß im Jahre 1954 der Besuch von Fremden überaus groß
war und die Saison bereits im Mai begann, da durch das Reisebüro „Touropa“ von
Mitte Mai bis Ende September Gäste nach Millstatt kamen.
Weiters berichtete
sie, daß anläßlich einer von der Gemeindeverwaltung
veranstalteten Versammlung einheimischer Fremdenverkehrsinteressenten in
Millstatt im Jahre 1956 auf die Notwendigkeit des Baues einer Kanalisation
hingewiesen wurde, wofür die Gemeinde bereits eine Vorstudie eingeholt hatte
und die Ausführung eines Teilprojektes entlang des Sees am vordringlichsten
erscheine. [153]
Der
Gendarmeriebericht vermerkte, daß im Jahre 1955 eine Hochkonjunktur in allen
Betriebssparten feststellbar war und 226.748 Übernachtungen erzielt werden
konnten, die sich im folgenden Jahr 1956 noch auf 283.748 steigerten, sodaß es
bereits schwierig wurde, geeignetes Hotelpersonal zu bekommen, zumal es im Jahre 1957 eine neuerliche
Steigerung auf 362.553 Nächtigungen gab. [154]
Für die
Unterbringung der Gäste standen zu diesem Zeitpunkt 44 Betriebe mit 3.090
Betten zur Verfügung. [155]
Die österreichische
Statistik stellte in einer Untersuchung des Fremdenverkehrs vor und nach dem
Zweiten Weltkrieg fest, daß dieser in seiner Gesamtheit einen tiefgehenden
Wandel sowohl in der Vergrößerung der
Basis, als auch in der Verschiebung der Herkunftsländer der Fremden aufwies.
Für die Jahre 1937
bis 1949 sind keine Daten verfügbar, um für Vergleiche herangezogen werden zu
können. Doch konnte ermittelt werden, daß vor dem Zweiten Weltkrieg und nachher
bis zum Fremdenverkehrsjahr 1953/54 der Inländerfremdenverkehr die tragende
Säule der österreichischen Fremdenverkehrswirtschaft war.
Das Verhältnis der
Inländernächtigungen zu den Ausländernächtigungen war im Berichtsjahr 1928/29
annähernd 4 : 3, verschob sich bis 1933/34 auf 3 : 1 und sank im Jahre 1937 auf
2 : 1 . Dieses Verhältnis war auch vom November 1949 bis Oktober 1952 mit 2 : 1
gleich geblieben.
Bei den Nächtigungen
war Deutschland das wichtigste Herkunftsland der Auslandsfremden in Österreich
: im Berichtsjahr 1928/29 betrugen sie 56 %, fielen bis 1931/32 auf 45 %,
erreichten im Berichtsjahr 1933/34 nur noch 12 %, stiegen im Berichtsjahr
1936/37 wieder auf 34 % und erreichten erst im Jahre 1951/52 wieder 67 % der Ausländerfrequenz.
In absoluten Zahlen
gab es in Österreich in den nachfolgend angeführten Berichtsjahren folgende
gemeldete Fremde:
1928/29
4,202.600 , davon 1,023.500 aus Deutschland
1931/32
3,599.400 , davon 748.900
aus Deutschland
1933/34 2,772.300
, davon 70.700 aus Deutschland
1936/37
3,684.300 , davon 331.600
aus Deutschland
1949/50
3,196.100 , davon 109.500
aus der Bundesrepublik Deutschland
1951/52
3,795.200 , davon 408.000
aus der Bundesrepublik Deutschland
1956/57
6,308.000 , davon 1,877.900 aus der Bundesrepublik Deutschland
Diese sprunghafte
Steigerung der Gäste aus der Bundesrepublik ab dem Jahre 1950 war vor allem auf
die Erleichterungen im internationalen Reiseverkehr und die Erhöhung des
Realeinkommens mit dem einsetzenden „Wirtschaftswunder“ zurückzuführen, die
längere Urlaube und Reisen ermöglichten. [156]
Diese steigenden
Nächtigungszahlen wurden nicht einmal durch die verheerende Unwetterkatastrophe
beeinflußt, von der Millstatt und Obermillstatt im Sommer 1958 heimgesucht
wurde. Über dieses Ereignis sei hier berichtet:
Schon im Jahre 1904
hatte der den Markt Millstatt durchfließende Riegenbach infolge eines
Wolkenbruches auf der Millstätter Alpe eine Überflutung von Häusern, Straßen,
Gärten und Anlagen verursacht. Baumstämme, Steine und Erdmassen zerstörten die
märktische Wasserleitung und rissen Brücken und Mühlen in die Tiefe.
Nach langwierigen
Verhandlungen und Interventionen wurde schließlich im April 1913 von der k.k.
Wildbachverbauung Villach mit den Sicherungsmaßnahmen in mehreren
Jahresabschnitten begonnen. Diese umfaßten jedoch nur den Bereich des verbauten
Gebietes.
Eine noch
umfangreichere Katastrophe ereignete sich jedoch in der Nacht vom 31. Juli zum
1. August 1958, als sich wiederum auf der Millstätter Alpe mehrere
wolkenbruchartige Gewitter entluden, wogegen im Tal kein Tropfen Regen fiel.
Nachdem sich die
Wassermassen in der engen Schlucht des Oberlaufes hinter einem Wall von Muren, Bäumen und Steinen gestaut hatten,
brach dieser und stürzte mit einer
ohrenbetäubenden Wucht, alles mit sich reißend, über den mit Gästen voll
besetzten Markt herein. Dabei versanken dreizehn Personenwagen unter den
Schuttmassen im See, Teile von Häusern stürzten ein, Keller und Gärten wurden
mit Schlamm überflutet und Straßen zu tiefen Bachbetten verwandelt. Dabei
fanden drei Menschen den Tod.
Auch der durch eine
enge Schlucht fließende Pesentheiner Bach war bereits im Oberlauf bei
Lammersdorf ausgebrochen, hatte einen dort beschäftigten Arbeiter mitgerissen
und ergoß sich am Schluchtausgang auf den voll besetzten Campingplatz, wo die
Wassermassen Autos und Zelte, jedoch ohne ein Menschenopfer, in den See
spülten.
Noch in der Nacht
begannen erste Hilfsmaßnahmen durch Feuerwehren, Gendarmerie, Bundesheer, Rotes
Kreuz und viele freiwillige Helfer von Einheimischen und Sommergästen.
Staatliche Institutionen besichtigten das Katastrophengebiet und veranlaßten
rasche Hilfe für die Gemeinde sowie geschädigte Einheimische und Gäste, die zum
Teil ihre gesamte Habe verloren hatten.
Nur wenige
Sommergäste brachen jedoch ihren Urlaub ab und fuhren wegen dieser Katastrophe
nachhause, viele von ihnen waren vielmehr aktiv bei den Aufräumungsarbeiten zu
sehen und stellten sich sogar mit Geldspenden ein. [157]
Während im
Berichtszeitraum 1956/57 in Millstatt/Obermillstatt 33.101 Gäste mit 323.980
Übernachtungen gemeldet waren, steigerten sich diese Zahlen im Katastrophenjahr
1957/58 auf 38.565 Gäste und 354.006 Übernachtungen. [158]
Im Bereiche der
beiden Gemeinden Millstatt/Obermillstatt erhöhte sich bis zum Jahre 1960 die
Anzahl der Fremdenverkehrsbetriebe seit 1954 auf 140, die 3.775 Betten anboten,
und zusätzlich gab es 1.596 Betten in Privatunterkünften, sowie zwei
Campingplätze. [159]
Laut Gendarmeriebericht
steigerten sich die Übernachtungen innerhalb von zehn Jahren von 86.700 im
Jahre 1951 auf 372.259 im Jahre 1960. [160]
Mit der beginnenden
Privatzimmervermietung war für die Vermieter nicht so sehr ein Gewinnstreben
das leitende Motive, sondern in den überwiegenden Fällen der Bau eines eigenen
Hauses. Die Erlöse aus dem Fremdenverkehr wurden als Bareinnahmen meist nicht
mit der aufgewendeten Zeit in Beziehung gesetzt, sondern zuerst für die Kosten
des Hausbaues und später zur Hebung des Lebensstandards verwendet.
Zur Erreichung
dieser Zielvorgabe zögerten die Familien darum nicht, ihre eigenen Wohn- und
Schlafräume zu vermieten und drängten sich während des Sommers auf dem
Dachboden oder in den Kellerräumen zusammen.
Damit entwickelte
sich aber auch ein Problem, da die Kinder der durch den Fremdenverkehr
überbeanspruchten Eltern vielfach eine Abneigung gegen den Fremdenverkehr
entwickelten und später nicht bereit waren, ähnliche Belastungen auf sich zu
nehmen. Diese Einstellung steigerte sich noch mit den an sich willkommenen
Stammgästen, die glaubten, sich besondere Rechte ersessen zu haben, den
persönlichen Bereich der Familie und der Hausfrau, die Küche, beanspruchen zu
können und es für selbstverständlich hielten, von den Hausleuten bis
Mitternacht unterhalten zu werden, da diese es oft nicht verstanden, Distanz zu
halten und Respekt zu wahren.
Die freiwillige
Änderung der Lebensgewohnheiten während der Saison setzte aber voraus, daß
dieser Zustand an deren Ende wieder abklingt und man wieder unter sich sein
konnte.
Meist nicht bedacht
wurde von den kleingewerblichen Akteuren aber auch, daß sie für den Touristen
viel Substanz, wie unbezahlte Arbeitskraft, Gesundheit und das Glück der
Familie aufs Spiel setzten. [161]
Der Fremdenverkehr
wurde in der Zwischenkriegszeit als Reisen zum Zwecke der Erholung, des
Vergnügens oder aus sonstigen Gründen
definiert, bei dem die Abwesenheit vom ständigen Wohnsitz nur vorübergehend
war.
Beim Massentourismus
sind dazu noch ökonomische Bedingungen hervorzuheben. Denn die modernen
Urlaubsreisen sind nicht nur vom Einkommen, sondern auch von der Größe der
Wohngemeinde abhängig:
Der Tourismus von
heute betrifft vor allem den städtischen Menschen der Industriegesellschaft.
Untersuchungen haben ergeben, daß von den Stadtmenschen Beamte und Angestellte
häufiger reisen als Arbeiter und daß die Bevölkerung aus ländlichen Regionen
wesentlich weniger reist, als jene aus urbanen Zentren. [162]
Mit der
Währungsreform in der Westzone Deutschlands am 24. Juni 1948 begannen sich
durch Zusammenschluß früherer Reisebüros die „Touropa“ und andere
Reiseveranstalter zu etablieren, die Inlandsreisen mit der Bahn veranstalteten
und mit wachsender Wirtschaftsdynamik, Einkommenszuwachs und
Kaufkraftstabilität in den 50er Jahren auch den Tourismus zu einem
Wachstumsschub führten.
Im Jahre 1950 gab es
bereits etwa hundert und im Jahre 1960 etwa zweihundert Reiseveranstalter mit
steigender Tendenz. Im Jahre 1955 wurden von ihnen schon erste Pauschalreisen
angeboten.
Mit der
Wiederherstellung des Eisenbahn- und Straßennetzes und der Ausweitung der
Omnibusangebote erreichte auch der grenzüberschreitende Verkehr eine
Ausweitung. Infolge der leichteren
Erreichbarkeit ausländischer Reiseziele erlebte in den 50er und 60er Jahren die
Motorisierung eine üppige Konjunktur. Damit erweiterte sich für breite
Bevölkerungsschichten ihr Bewegungsradius explosionsartig, sodaß
bisher ferne Regionen massenhaft als Reiseziele angefahren werden
konnten.
Nach den ersten Reiseuntersuchungen im Jahre 1954 reisten 19
% mit eigenem PKW, 56 % mit der Bahn und 17 % mit Bus.
Mit der Zunahme der
Reiseintensität, die drastische Steigerungen in den 60er und 70er Jahren
auswies, wurden aber auch zunehmend ökologische Belastungen erzeugt, die allerdings
im Bewußtsein des einzelnen Reisenden keinen Sinneswandel hin zum sanften
Tourismus auslösten.
Die Touristen aus
den breiten mittleren Schichten des Beginns der zweiten Jahrhunderthälfte
hielten jedoch weniger von Luxus und Schau, weil sie sich beides nicht leisten
konnten. Noch sehnten sie sich eher nach Zielen, in die einst die
Privilegierten zu reisen pflegten. [163]
Im Jahre 1960
meldete die Gendarmeriechronik für das Gebiet Millstatt/Obermillstatt 35.257
Gäste. Als die vordringlichste Aufgabe erachtete die Exekutive die Bekämpfung
von Lärmquellen, sowohl im Straßenverkehr, als auch durch Motorboote auf dem
See. Der Gendarmerieposten hatte nämlich fünfzig ausländische Motorboote zum
Verkehr zugelassen, weshalb es zu massiven Beschwerden kam. Um den Fremdenverkehr
jedoch nicht durch Verbote zu schädigen, wurden über Auftrag der
Bezirksverwaltungsbehörde noch weitere zwanzig Motorboote genehmigt.
Im Jahre 1961 war
eine weitere Steigerung auf 44.916
Gäste zu verzeichnen und die Bettenzahl ergab mit 4.936 einen neuen Höhepunkt.
Die Aufwärtsentwicklung ging ungebremst weiter, denn im Jahre 1965 wurden bei
einer Bettenzahl von 6.492 bereits 61.361 Gäste und 710.484 Nächtigungen
ermittelt.
Den absolut höchsten
Stand erreichten die Fremdenverkehrszahlen schließlich im Jahre 1972, als bei
einer Bettenzahl von 8.700 im Bereiche
Millstatt/Obermillstatt 73.607 Gäste und 853.975 Nächtigungen erzielt
werden konnten. [164]
Nachdem schon in den
Jahren ab 1969 vereinzelt an der Oberfläche des See’s Burgunderblutalgen festgestallt
worden waren, kam in der Sommersaison 1972
Katastrophenalarm von allen Seiten. Dazu meldete der Gendarmeriebericht:
„Durch das verstärkte Auftreten der ‚Burgunder Rotalge‘ im Millstätter See, die
schon Anfang Juli das Wasser in eine besorgniserregende Brühe verwandelte, sind
die Strandbäder durch Entfall der Eintrittsgebühren schwerstens in
Mitleidenschaft gezogen worden. Die Gäste haben sich anfangs darüber sehr
aufgeregt, sich aber dann nach und nach daran gewöhnt. Eine wesentliche Beeinträchtigung des
Fremdenverkehrs war dadurch noch nicht zu verzeichnen“. [165]
Vorerst wurden die
Nächtigungszahlen des Jahres 1971 im Jahre 1972 nämlich noch um 14.440
übertroffen. Langfristig zeichnete sich aber bereits eine deutliche
Abschwächung ab, da ab dem Jahre 1973 eine rückläufige Tendenz festzustellen
war, die im Jahre 1976 zu einem vorläufigen Tiefstand von nur 644.755
Nächtigungen führte. [166]
Kärnten verfügt über
1.270 stehende Gewässer, von denen 630 in Höhenlagen über 1.000 Meter liegen.
Die Gesamtwasserfläche beträgt 60 km2, wovon der Wörthersee, Millstätter See,
Ossiacher See und Weißensee 50 km2 umfassen. Sieben weitere haben eine Fläche
von über 1 km2, 172 sind mindestend 1 ha groß und der Rest ist kleiner. Der
tiefste See Kärntens ist mit 141 Meter der Millstätter See.
Die geologische
Entstehung der Kärntner Seen ist in die Zeit der letzten großen Vereisung und
dem Zurückgehen der Gletscher anzusetzen. Das Ende der letzten Eiszeit (Würm –
Eiszeit) dürfte vor etwa 12.000 bis 15.000 Jahren gewesen sein.
Da nahezu alle Seen
in Kärnten abseits der Hauptentwässerungslinie liegen, verfügen sie meist nur
über ein kleines Einzugsgebiet, woraus sich eine geringe Wassererneuerung
ergibt. Dies bedingt im Zusammenhang mit einer intensiven Sonneneinstrahlung
und schwacher Luftbewegung hohe Temperaturen an der Oberfläche. Die
Warmwasserschicht erreicht im Sommer
eine Tiefe von fünf bis acht Meter, wobei der oberflächliche Warmwasserkörper
sich auf 22 bis 25, bei Windstille und
in Buchten bis 26 und 28 Grad Celsius erwärmen kann. Unter der
Warmwasserschicht befindet sich die Zone eines starken Temperaturabfalles, die
sogenannte thermische Sprungschicht, in der die Temperatur innerhalb weniger
Meter bis auf vier Grad abnimmt und in die kalte Zone übergeht.
Diese Einteilung in
warme Oberflächenschicht, thermische Sprungschicht und kalte Tiefenzone ist für
die Kärntner Seen charakteristisch.
Mit der
kontinuierlichen Abkühlung des Wassers vom Herbst bis zum Winter baut sich auch
die thermische Schicht ab, wodurch das Oberflächen- und Tiefenwasser mit der
gleichen Temperatur auch die gleiche Dichte erreicht, sodaß bei den kleineren Seen
der Wind den gesamten Wasserkörper bis zum Grund umzuwälzen in der Lage ist.
Damit gelangt sauerstoffreiches Oberflächenwasser in die Tiefe und mit dieser
Vollzirkulation verteilen sich dort auch die angesammelten Nährstoffe über den
gesamten Wasserkörper.
Bei sechs Kärntner
Seen, darunter dem Millstätter See, reicht jedoch die Windenergie zu einer
vollständigen Durchmischung nicht aus, weshalb es nur zu einer Teilzirkulation
oder Meromiktis kommt.
Bei diesen
meromiktischen Seen bleibt der grundnahe Wasserkörper darum von allen
Zirkulationsvorgängen ausgeschlossen. Dieses Phänomen wurde vom bekannten
Kärntner Seenforscher Prof. Dr.Dr. Ingo Findenegg in Kärnten entdeckt.
Im gesamten
Wasserkörper befindet sich eine große Zahl von Organismen, mikroskopisch kleine
Tiere oder Pflanzen, die für den Laien unsichtbar bleiben. Die mit freiem Auge
sichtbaren Wasserpflanzen, wie z.B. Seerosen oder Tierarten, wie Fische und
Muscheln spielen eine untergeordnete Rolle. Dagegen ist die Lebensgemeinschaft
des Planktons, das sind sehr kleine tierische und pflanzliche Organismen, in
einer großen Arten- und Individuenzahl im Wasserkörper frei schwebend
vorhanden.
Zu diesen gehören
die Schwebealgen, die mit bis zu einigen Millionen Einzelzellen pro Liter
Wasser vorhanden sein können. Diese befinden sich in der lichtdurchfluteten
Oberflächenschicht und bauen sich, wie alle Pflanzen, mit Hilfe der
Sonnenenergie aus anorganischen Nährsalzen, wie Phosphor und
Stickstoffverbindungen, organische körpereigene Substanzen auf. Dabei werden
dem Wasser Nährstoffe entzogen und in den Algenkörper eingebaut. Je nach
Nährstoffkonzentration gibt es nährstoffarme (oligotrophe) oder nährstoffreiche
(eutrophe) Seen. Ein nährstoffreicher See verfügt darum über einen hohen
Algenbestand, zu vergleichen mit einem reichlich gedüngten Acker.
Diese Schwebealgen
trüben nicht nur das Wasser, sondern
entziehen diesem nach ihrem Absterben beim Verwesungsprozeß in der Seetiefe
außerdem Sauerstoff. Ein hoher Nährstoffgehalt in einem See erfordert darum
zwingend Maßnahmen zur Seenreinhaltung. [167]
Um die Probleme
Kärntens als Fremdenverkehrsland beurteilen zu können, ist es notwendig, sich
mit diesem Raum näher vertraut zu machen.
Kärnten liegt
südlich des 47. Breitengrades, etwa wie der Südtiroler Vintschgau oder der
Genfer See. Man kann darum wegen der Nähe zur Adria Kärnten als das Südland
Österreichs bezeichnen, das in einem vielgestaltigen Gebirgssystem, den Alpen,
gelegen ist, in dem harmonisch Wald, Wiesen, Feld, Wasser, Fels und Eis
wechseln.
Die charakteristische
Eigenständigkeit und von Innerösterreich getrennte Eigenentwicklung dieses
Raumes fand eine Begünstigung in der rundum geschlossenen Gebirgsumwallung.
Die Vielfalt des
Reliefs und die innereuropäische Raumlage bestimmen nachhaltig das Klima
Kärntens. Die Lage südlich des Alpenhauptkammes ermöglicht Einflüsse des
Mittelmeerklimas, aber auch des osteuropäischen Kontinentalklimas und in
abgeschwächter Form auch des westeuropäischen Seeklimas.
Die Intensität
dieser Einflüsse wirkt sich von West nach Ost je nach Höhenlage in einer Fülle
von Kleinklimagebieten aus und verleiht Kärnten die Qualifikation, der „sonnige
Süden“Österreichs zu sein.
Das beständige
Sommerwetter, das von meist intensiven kurzen Gewittern unterbrochen wird,
bedingt eine relativ hohe tägliche Sonnenscheindauer und ein rasches Ansteigen
der Wassertemperaturen in den Talseen und zeichnet diese darum als beliebte
Badeseen aus.
Der Millstätter See
hat eine Fläche von 13,3 Quadratkilometer, eine Tiefe von 141 Meter und gilt
mit 1.170 Millionen Kubikmeter als der wasserreichste See Kärntens, der vom
Hochgebirgscharakter der Hohen Tauern beherrscht wird.[168]
Er liegt in einer
Seehöhe von 580 m und seine Talfurche verläuft parallel zum Drautal, von dem es
durch einen 2 km breiten mit Wald bedeckten Höhenrücken getrennt wird. Dieser
fällt steil zum See ab, weshalb sich dort keine Dauersiedlungen entwickeln
konnten.
Am flachen Nordufer
entstanden dagegen aus ursprünglichen Dörfern die Fremdenverkehrsorte Millstatt
und Seeboden mit zahlreichen Ortschaften und Dörfern. Im Norden wird das
Seebecken durch die Nockberge der Millstätter Alpe begrenzt.
Im Osten bildete
sich bei Döbriach eine weite flache Versandungsfläche des Riegerbaches, dem
Hauptzufluß des Sees, der von mehreren kleinen Bächen, besonders vom Tiefenbach
aus dem Kleinkirchheimer Hochtal gespeist wird.
Der Abfluß verläßt
den See am Westende und mündet in die Lieser.
Das Einzugsgebiet
ist 280 km2 groß und entspricht dem Einundzwanzigfachen der Seefläche.
Mit 150 Millionen
Kubikmeter jährlicher Wassererneuerung hat der See eine relativ starke
Durchflutung. Der geologische Untergrund des Einzugsgebietes besteht aus
kristallinen Schiefern, in denen auch Magnesitvorkommen eingebettet liegen.[169]
Die reiche
Industriegesellschaft des 20. Jahrhunderts begann in der Güterproduktion und
auch im Bereiche der Freizeit über ihre Verhältnisse zu leben. Daraus ergaben
sich Zielkonflikte zwischen dem Schutz der Natur und deren Nutzung für
Aktivitäten in der Freizeit. Es ist unbestritten, daß bereits viele
Erholungslandschaften, wie etwa der
Alpenraum, an der Grenze ihrer Belastbarkeit angekommen sind. [170]
Beim Kampf gegen die
Verhäuselung der Alpenregion sollten wir uns darum mehr „von der Einsicht
leiten lassen, daß uns unsere Nachkommen weniger für das danken werden, was wir
(auch noch) gebaut haben, sondern für das, was wir nicht (mehr) gebaut haben“. [171]
War noch vor dem
Ende des 19. Jahrhunderts das Seeufer des Millstätter Sees meist nur mit
Fischerhütten, Bootunterständen und vereinzelten Seebädern bebaut, begann mit
dem einsetzenden Fremdenverkehr ein Besitz am See oder in Seenähe besonders für
vermögende Städter zu einem Wertmaßstab der eigenen Persönlichkeit zu werden.
Mit der Zunahme der
privaten Villen und der laufenden Bettenvermehrung infolge des steigenden
Bekanntheitsgrades waren bereits ab der Jahrhundertwende für die Gemeinde
umfangreiche Aufwendungen für die Trinkwasserversorgung zu bewältigen. Die
Entsorgung erfolgte jedoch von jedem Hausbesitzer getrennt über ortsübliche
Abwasser- und Fäkal- Eigenanlagen (Senk- und Sickergruben) oder durch direkte
Einleitungen in den See. Dieser Zustand blieb trotz der durch Jahrzehnte
wahrgenommenen Beeinträchtigung der Wasserqualität des Sees bis über die Mitte
des 20. Jahrhunderts bestehen. [172]
Nachdem bereits ein
maßgeblicher Teil der Seeufer in die Hände privater Villenbesitzer gekommen
war, erkannte die Gemeindeverwaltung, daß einer weiteren Verbauung Einhalt
geboten werden muß, um Seeuferflächen für eine öffentliche Nutzung offen zu
halten. Deshalb beschloß der Gemeindeausschuß, „die Verbauung der Seeufer in
Zukunft zu verhindern ...... und hierüber geeignete Schritte einzuleiten“. [173]
Die Zahl der
Unterkünfte, Betten und Übernachtungen blieb bis zum Zweiten Weltkrieg durch
Jahrzehnte in einem überschaubaren Rahmen, da
im Jahre 1902 erst 700 Zimmer für eine Vermietung vorhanden waren und im
Jahre 1932 während der gesamten Sommersaison nur 8.092 Gäste gezählt werden
konnten.
Die sprunghafte
Vermehrung der Betten und Nächtigungen in Millstatt setzte erst in den
Jahrzehnten ab dem Jahre 1951 mit 86.700 Nächtigungen ein, die sich im Jahre
1960 bei 3.775 Betten auf 372.259 Nächtigungen und 1972 bei 8.700 Betten auf
853.975 Nächtigungen steigerten. [174]
Für die ökologische
Beeinträchtigung des Millstätter Sees durch Bevölkerungs- und Bettenvermehrung
war jedoch dessen gesamter Einzugsbereich mit den Gemeinden Bad Kleinkirchheim,
Feld am See, Radenthein, Millstatt/Obermillstatt und Seeboden maßgebend.
Die Österreichische
Fremdenverkehrsstatistik publizierte allerdings erstmalig die Ergebnisse des
abgelaufenen Berichtsjahres Winter 1952/53/ und Sommer 1953, in denen aber nur
1700 ausgesuchte Gemeinden auf der Grundlage von polizeilichen Meldungen erfaßt
worden waren. [175]
Im Berichtsjahr
1955/56 mußte erneut festgestellt werden, daß einige Mängel bestehen, die der
gegenwärtigen Fremdenverkehrsstatistik anhaften.
Als Begründung wurde
angeführt, daß die Ermittlung der Fremden- Meldedaten von den Landesstellen
nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgten und es noch keine Meldepflicht für
Unterkunftgeber gab, weshalb keine Vergleiche ermöglicht werden konnten. [176]
Der Druck bei der
Entwicklung des Fremdenverkehrs konzentrierte sich in Kärnten besonders auf die
Gebiete um die Kärntner Seen und da vor allem auf den Sommer.
So entfielen von der
Gesamtzahl der Nächtigungen von 12 Millionen im Berichtsjahr 1968/69 auf die
Seegemeinden nahezu 9 Millionen. Dabei war es augenfällig, daß innerhalb eines
Jahres Kärnten von dreimal soviel Gästen besucht wurde, als es Einwohner
zählte. [177]
In den für die
ökologische Beeinträchtigung des Millstätter Sees maßgeblichen fünf Gemeinden
des Einzugsgebietes vermehrte sich die Wohnbevölkerung wie folgt:
1900 1939
1951 1961 1971 1981
8.747 12.461
16.122 17.545 19.562 20.046 [178]
Im selben
Einzugsgebiet erhöhten sich auch die Übernachtungen sprunghaft:
1956/57
1960
1970 1980
710.625 835.312 2,877.592
3,363.699 [179]
Von
ausschlaggebender Wichtigkeit für die Entwicklung des Fremdenverkehrs ab dem
Zweiten Weltkrieg waren die reinen
Seen, die aber mit dem massenhaften Besuch, wie die obigen Daten eindrucksvoll
ausweisen, einer zunehmenden Verschmutzung ausgesetzt wurden. Diese Tatsache
ist der Bevölkerung allerdings erst bewußt geworden, als Algenteppiche die
Zukunft des Fremdenverkehrs von Grund auf in Frage zu stellen begannen. [180]
Schließlich erzwang
die Frage der Abfallbeseitigung, die ungeordnet auf wilden Deponien, in Bäche
und in den See erfolgte, sowie das Problem der Seeverschmutzung unaufschiebbar
eine Suche nach wirksamen Lösungen.
Mit dem
quantitativen Wachstum des Tourismus besonders in den attraktiven Seengebieten
begann auch der Boden knapp zu werden, weshalb die Baulandpreise sprunghaft
stiegen und für einheimische Bauwerber nahezu unerschwinglich wurden.
Gleichzeitig erreichte das Verkehrsaufkommen und damit im Gefolge der Lärm und
die Luftverschmutzung zu Stoßzeiten manchmal städtische Ausmaße.
Die immer
bedrohlicher werdende Zersiedelung
infolge eines ständig steigenden Nachfragedruckes löste auch die Gefahr
aus, daß Fremdenverkehrsregionen sich in einem schleichenden Prozeß zu nicht
attraktiven Zweitwohnsiedlungen zu verändern begannen, die einerseits den
knapper werdenden Boden verbrauchten, aber nur zu wenigen Zeiten des Jahres
benutzt werden. Mit dem immer mehr Landschaft verbrauchenden Siedlungsraum aber
könnten einmal auch wirtschaftliche Probleme auftreten, wenn Gäste beginnen
sollten, Landschaften mit verbauten und verzäunten Seeufern und verkabelten Bergen
zu meiden, da sie eine für ihre Erholung erforderliche Freiraumnutzung
eingeschränkt empfinden.
Eines besonderen
Schutzes bedürfen dabei wohl die Regionen oberhalb der Waldgrenze, da für deren
Belastbarkeit von der Natur enge Grenzen gesetzt sind. [181]
Für jeden
Tourismusort wird es darum langfristig lebenswichtig werden, neben dem intensiv genutzten Grundkapital Landschaft auch
große extensiv genutzte Räume zu erhalten, die zu Fuß erreichbar für den
Touristen ein Erlebnis der Natur in ihrer Ursprünglichkeit ermöglichen. Diese
ökologischen Ausgleichsräume sollten gleichzeitig auch eine Entlastungsfunktion
für die intensiv genutzten Räume ausüben. [182]
Als sicher gilt
darum, daß auf lange Sicht nicht nur die Tauglichkeit einer Landschaft für die
Entwicklung des Fremdenverkehrs bewertet, sondern aus ökologischer Sicht auch
die ihn begrenzenden Faktoren untersucht werden sollten und nach der
Schutzbedürftigkeit der Landschaft einer Region gefragt werden müßte, um
feststellen zu können, welche Maßnahmen zu ergreifen wären, bevor es zu spät
ist. [183]
„Eines jedenfalls
scheint sicher: wir werden in nicht allzu ferner Zeit gezwungen sein, noch
besorgter über die Natur nachzudenken und das Spannungsfeld Natur und Freizeit
neu und noch kritischer definieren müssen als heute“. [184]
Während all der
Jahrzehnte bis zum Beginn einer geordneten Müllabfuhr in den 60er Jahre des 20.
Jahrhunderts war es bedenkenloser Brauch, Abfälle in Bachläufe und in den See
oder auf wilde Deponien in den Wäldern zu entsorgen. Daß man sich in der
Gemeindeverwaltung Millstatt jedoch schon um die Jahrhundertwende Gedanken um
eine „geordnete“ Entsorgung gemacht hatte, kann aus einem darauf bezogenen
Beschluß abgeleitet werden.
Denn laut dem
Protokoll des Gemeindeausschusses erfolgte die Festlegung, ...... „daß die
Hausbesitzer von Millstatt die Abfälle
....... Unrath, Kehrricht etc. ...... stets beim sogenannten Zopfenkopf in den
See zu überführen haben“. [185]
Doch scheint diese
vermeintlich geordnete Entsorgungsmethode, eine zentrale Seeuferstelle westlich
des Marktes festzulegen, wohl wegen der ständig steigenden Abfallmengen
bedenklich geworden zu sein, denn nach einigen Jahren kam ein neuer Beschluß:
...... „nachdem das Kehrricht etc. nicht mehr in den See geworfen werden darf,
das Kehrricht etc. im Bürgerwalde ober der Kleewiese abzulegen und sind
Dawiderhandelnde strenge zu bestrafen“. [186]
Die Unsitte, alle
Dinge, die man nicht mehr benötigt, einfach wegzuwerfen, ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Sie blieb
jedoch solange ohne Belang, als es sich um übliche, meist verrottbare Abfälle
aus dem Haushalt der Bewohner kleiner Orte rings um den See handelte. Erst mit
der Entwicklung des Tourismus wurde diese Gewohnheit bedenklich. [187]
Ebenso erfolgte die Abwasserbeseitigung
über Sickergruben in das Grundwasser oder - ohne die Folgen zu kennen - über
direkte Einleitungen in die Bäche und den See.
Erst die sprunghafte
Zunahme von Häusern, Wohnbevölkerung und Übernachtungen nach dem Zweiten
Weltkrieg und die gesteigerten Zivilisations- und Qualitätsansprüche nach
Fließwasser, Duschen und Bädern begannen dieser bisher ortsüblichen Form der
Abwasserbeseitigung eine ökologische Grenze zu setzen.
Die Verschmutzung
des Millstätter Sees führte infolge der direkten oder indirekten Einleitungen
von Abwässern und Abfallprodukten aus Haushalt, Landwirtschaft und Industrie zu
einer sich ständig vermehrenden Nährstoffanreicherung. Diese organischen
Substanzen unterlagen einem langsamen Verwesungsprozeß oder wandelten sich in
anorganische Verbindungen wie Kohlendioxyd, Phosphate und Nitrate um, die sich
infolge der Zirkulationsströmungen über den gesamten See verteilten. Die Folge
war ein starkes Wachstum von Planktonalgen, die bei Windstille an der
Oberfläche Algenschichten, „Wasserblüte“ genannt, bildeten. Darum erfolgten
bereits in den 60er Jahren Überlegungen, wie man der immer schneller vor sich
gehenden Eutrophierung des Seewassers Herr werden könnte. [188]
Diese Belastung des
Sees durch Abwässer erfolgte in einer primären Verunreinigung durch direkte
Einleitung von Abwässern, die auch gesundheitsschädliche Stoffe,
Krankheitskeime und Bakterien enthielten und einer sekundären Verunreinigung
durch die mit den Abwässern eingebrachten organischen Stoffe, die einem Ab- und
Umbauprozeß unterworfen waren.
Die Zufuhr düngender
Stoffe beeinflußte die Vermehrung der Planktonalgen entscheidend. So konnte auf
Grund von Untersuchungen im Jahre 1971 bei der Bestimmung des Gewichtes der in
der warmen Oberflächenschicht vorhandenen Planktonalgen nachgewiesen werden,
daß die durchschnittliche Algenmasse des Millstätter Sees innerhalb von zehn
Jahren auf das Fünffache angewachsen war ( zum Vergleich: beim Wörthersee auf
das Doppelte und beim Ossiachersee auf das Dreifache).
Als Nährstofflieferanten
kamen aber nicht nur die häuslichen Abwässer der Wohnhäuser und
Fremdenverkehrsbetriebe rund um den See, sondern aus dem gesamten großen
Einzugsgebiet des Millstätter Sees in Frage.
Düngende Stoffe
gelangten auch aus dem Boden selbst durch Erosion und Ausschwemmungen, so
insbesondere aus fruchtbaren Gebieten und intensiv gedüngten Landwirtschaften,
in den See. [189]
Der Vollständigkeit
halber wäre noch eine weitere, besonders durch den Fremdenverkehr verursachte
Belastung einer Erwähnung wert. Auch
von den Badenden gelangen nämlich Schadstoffe in Form von Schweiß, Harn und
Kosmetika in das Seewasser.
Untersuchungen haben ergeben, daß im Durchschnitt 65 ml Harn pro
Badegast anfallen, in dem sich 76 mg Phosphor und 695 mg Stickstoff befinden,
die sich in der obersten warmen Badeschicht anhäufen. Wenn man eine Badesaison
mit hundert Tagen annehmen kann, werden in diesem Zeitraum pro Person 7,5 g
Phosphor und 70 g Stickstoff eingebracht. Diese Menge erscheint zwar sehr
niedrig im Verhältnis zu anderen belastenden Faktoren. Zum Nachweis der
tatsächlichen Erhöhung des Nährstoffgehaltes durch Badegäste wurde darum
anläßlich eines Versuches in einem Strandbad eines Kärntner Sees festgestellt,
daß in der Früh vor Badebeginn Phosphatmengen von 2,1 mg / l und am Abend nach einer Besucherzahl von
8.000 Personen 2,8 mg / l gemessen
werden konnten, was eine Erhöhung um ein Drittel bedeutete. [190]
Ein lange Zeit nicht in vollem Maße
verfolgtes Problem, das erst mit dem massiven Auftreten einer Wasserblüte von
Oscillatoria rubescens (Rotalgen) im Jahre 1972 zur Diskussion gestellt wurde,
war die Einleitung der Industrieabwässer des Magnesitwerkes Radenthein in den
Riegerbach, dem Hauptzubringer des Millstätter Sees. (Beilage: Millstätter See, Phosphorbilanz 1980)
Die daraufhin
erfolgten Untersuchungen des Kärntner Seeninstitutes haben ergeben, daß bei der
Eutrophierung des Sees drei Vorgänge zusammenwirkten:
die Alkalisierung
durch die Wässer der Naßentstaubung des Magnesitwerkes,
die Schwebstoff –
Fracht aus der Gesteinswäsche bei der Rohmagnesit- Aufbereitung und
die Zufuhr von
düngenden Substanzen aus dem Umland, wie Wohnsiedlungen und Tourismus.
Dabei konnte
ermittelt werden, daß die Alkalisierung des Seewassers ohne direkten
Zusammenhang mit der Eutrophierung parallel verlief. Diese Alkalisierung war
zwar ungünstig für die Erhaltung des natürlichen Zustandes des Sees. Denn die
Wässer aus der Naßentstaubung enthielten größere Mengen von Mineralstoffen, vor
allem Magnesiumoxyd, das für ein Ansteigen des
pH- Wertes verantwortlich war. In den Wässern aus der Gesteinswäsche der
Rohmagnesitaufbereitung konnten dagegen feinste mineralische Partikel
nachgewiesen werden. Mit der Zufuhr dieser Trübungsstoffe aus der Flotation,
die optisch im Riegerbach und auch weit in die Döbriacher Bucht hinein sichtbar
waren, konnte dagegen im See eine phosphatfällende Wirkung und damit eine
Verminderung der Algenproduktion nachgewiesen werden.
Für die
Eutrophierung des Seewassers kamen daher vor allem dem Phosphor und Stickstoff
größte Bedeutung zu, die auf die Einleitung von häuslichen Abwässern zurückzuführen waren. An der Gesamtbelastung
des Millstätter Sees mit Phosphaten war die Magnesitproduktion nur mit 0,5
Prozent beteiligt.
Eine nachhaltige Schädigung
durch die eingeleiteten Schwebstoffe mußte jedoch die Fischfauna mit der vollständigen
Vernichtung der Laichplätze der Salmoniden des Millstätter Sees erleiden,
da die Feinsedimente das Bachbett nahezu auszementiert hatten.
Mit der
Eutrophierung des Millstätter Sees durch Abwässer aus Wohnsiedlungen und
Fremdenverkehrsbetrieben infolge der Zufuhr von Phosphor und Stickstoff
erreichte der Nährstoffgehalt sich langsam steigernd bis zum Jahre 1972 eine Größe von 10 mg Phosphor / l . Dadurch vermehrte sich der
Planktongehalt in der Oberflächenschicht
von 0,2 g / m3 im Jahre 1960 auf
1,7 g / m3 im Jahre 1971. Bei der sich
ständig erhöhenden Algenmenge nahm die Oscillatoria rubescens schließlich 98
Prozent der Gesamtalgenmasse ein.
Aus dem
Einzugsgebiet des Millstätter Sees von 280 km2 gelangten mit zunehmendem
Fremdenverkehr jährlich immer größere Mengen an phosphor- und
stickstoffhältigen Substanzen (Fäkalien und Detergentien) in den See, die im
Jahre 1970 mit 23.500 kg Phosphor pro Jahr errechnet werden konnten.
„Davon entfielen auf
die Ortschaften:
in Prozent [191]
Seeboden 17
Millstatt und umgebende
Ortschaften 16
Sämtliche Zubringer des
Nordufers 13
Radenthein 32
Bad Kleinkirchheim 17
Feld am See und umliegende
Ortschaften 4
Abläufe der Magnesiterzeugung , 5“
Getrieben von der
Erkenntnis, welche nachhaltigen Auswirkungen der Verlust des Millstätter Sees
als Badegewässer für den Tourismus als dominierende Einnahmequelle in der
Region auslösen könnte, erfolgten bereits Anfang der 60er Jahre Gespräche
zwischen den drei Seegemeinden Millstatt, Obermillstatt und Seeboden, um erste
technische und organisatorische Lösungsmöglichkeiten zu ermitteln.
In enger Verbindung
mit dem durch seine jahrzehntelangen Untersuchungen des Millstätter Sees
bekannten Seenforscher Professor Dr.Dr. Ingo Findenegg vom Amt der Kärntner
Landesregierung konnte nicht nur die notwendige Überzeugungsarbeit geleistet,
sondern nach erfolgter Ausarbeitung der Statuten am 9. Februar 1965 der
Wasserverband Millstättersee gegründet werden, dem als erste Mitglieder die
Gemeinden Millstatt, Obermillstatt und Seeboden angehörten.
Bereits am 25.
Februar 1965 erfolgte durch das Amt der Kärntner Landesregierung die
Genehmigung der Statuten, und es wurde daraufhin vom Verband ein
Geschäftsführer bestellt.
Eine wesentliche
Voraussetzung für die Genehmigung von Förderungen aus dem
Wasserwirtschaftsfonds war die Erklärung der geplanten Maßnahmen zum bevorzugten
Wasserbau durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, welche am
7. Dezember 1965 erreicht wurde.
Unter diesen
Voraussetzungen konnten die umfangreichen ersten Planungen begonnen werden,
sodaß schon am 28. Juni 1966 das generelle Projekt für den Hauptsammler beim
Amt der Kärntner Landesregierung eingereicht werden konnte.
Das mit der
Genehmigung befaßte Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft stellte
fest, daß das Anlagenkonzept richtig gewählt wurde, legte dem Verband jedoch
mit Schreiben vom 9. November 1966 nahe, auch die im Einzugsbereich liegenden
Gemeinden Radenthein und Feld am See einzubeziehen.
Die daraufhin sofort
aufgenommenen Verhandlungen mit den beiden Gemeinden endeten jedoch am 19.
Dezember 1966 ohne Ergebnis, da sie von der Notwendigkeit nicht überzeugt werden konnten.
Im Jahre 1967
erhielt nach vorheriger Ausschreibung ein leistungsstarkes wasserbautechnisches
Büro den Zuschlag für die Planungen aller weiteren Abwasserbeseitigungsanlagen
(ABA).
Die wasserrechtliche
Bewilligung für das am 28. Juni 1966 eingereichte Projekt erfolgte am 28. Juni
1967 für den Hauptsammler von Seebach an der Lieser (Gemeinde Seeboden) bis Dellach am Millstättersee (Gemeinde
Obermillstatt).
Bereits Ende
September 1967 wurden an einigen Stellen des Sees verdichtete Algenansammlungen
an der Oberfläche festgestellt, wodurch viele noch skeptische Bürger von der
Notwendigkeit des Kanalbaues überzeugt werden konnten.
Laut einem vom
Wasserverband am 17. Juni 1968 beschlossenen ersten Finanzierungsplan wurden
die Gesamtkosten der Abwasserbeseitigungsanlagen (ABA) mit Hausanschlüssen und
der Kläranlage (Abwasserreinigungsanlage, ARA) für das Verbandsgebiet der drei
Gemeinden mit 212 Millionen Schilling festgelegt und der Betriebsaufwand mit
7,2 Millionen Schilling angenommen.
Mit der Sicherung
der für den ersten Bauabschnitt erforderlichen Kreditmittel konnten nach
erfolgter Ausschreibung die ersten Bauaufträge über eine Summe von 20 Millionen
Schilling vergeben werden und am 5. November 1968 mit den Arbeiten am
Hauptsammler in Seeboden begonnen werden, wo die ersten anfallenden
Schmutzwässer aus der Kanalisation bis zum Bau der Kläranlage in die Lieser
eingeleitet werden durften.
Damit sollten vor
allem die am Seeufer liegenden Wohnobjekte erfaßt und eine erste Entlastung des
Sees durch Vermeidung der Einbríngung von Nährstoffen ermöglicht werden.
Der im Jahre 1969
auch während der Sommersaison planmäßig fortschreitende Kanalbau entlang des
Seeufers und die Erkenntnis, daß die in Radenthein vorhandene undichte
Kanalisation und veralterte Kläranlage eine Seeverschmutzung nicht verhindern
konnte, bewog die Gemeinde Radenthein im Jahre 1970, dem Wasserverband
Millstätersee beizutreten. Daraufhin reifte auch in Bad Kleinkirchheim der
Beschluß heran, im selben Jahr Mitglied des Verbandes zu werden.
An Baukosten waren
bis zum Jahre 1970 bereits 20 Millionen Schilling angefallen.
Um die festgelegte
Teilung der Kosten zwischen Bund, Land Kärnten und den Anschlußwerbern in den
Gemeinden auch auf unterster Ebene zu erfüllen, mußten im Jahre 1971
gleichlautende Verordnungen zur Einhebung von Kanalisationsbeiträgen
beschlossen werden, um dem Wasserverband die Vorschreibung und Einhebung
derselben zu ermöglichen.
Nachdem im Jahre
1972 mit dem Bau der Kanalisation für Bad Kleinkirchheim begonnen werden
konnte, trat im selben Jahr auch die Gemeinde Feld am See dem Verband bei,
womit nahezu das gesamte Einzugsgebiet des Millstätter Sees als erfaßt gelten
konnte.
Da bisher die durch
die Kanalisation erfaßten Abwässer mit einer zeitlichen Beschränkung in die
Lieser eingeleitet werden durften, galt als vordringliches Projekt der Bau
einer Kläranlage gemeinsam mit der Stadt Spittal, welche deshalb dem Verband
als Interessentin beitrat.
Nun konnten
Wasserverband und Stadtgemeinde beschließen, östlich der Ortschaft Aich an der
Drau eine Abwasserreinigungsanlage (ARA) auf einem Grundstück in der Größe von
56.748 m2, das im Jahre 1975 angekauft wurde, zu errichten.
Als im Jahre 1973
auch noch die Gemeinde Ferndorf zum Verband kam, konnte die letzte Lücke
geschlossen werden, da nun auch das Strandbad Ferndorf und die zum Millstätter
See entwässernden Häuser des Dorfes Gschriet
mit der Kanalisation erfaßt werden konnten.
Die Arbeiten am
Hauptsammelkanal mit Pumpwerken, die Ableitung entlang der Lieserschlucht und
die Durchleitung durch Spittal konnten in den geplanten Jahresabschnitten ohne
Unterbrechungen bis zur Drau durchgeführt und nach einer dreijährigen Bauzeit die Kläranlage am 12. April 1984 in
Betrieb genommen werden. Damit waren die Voraussetzungen gegeben, daß mit der
ständig sich verringernden Schmutzwasserfracht auch eine endgültige Gesundung
des Millstätter Sees absehbar war.
In den zwei
Jahrzehnten bis zum Jahre 2000 waren noch weit verzweigte Kanalisationsteile
für entferntere Gebiete zu bewältigen, wobei sich der höchstgelegene
Kanalanschluß auf 1860 Meter Seehöhe
befand. [192]
Am Beginn der
Gespräche über den notwendigen Bau einer Ringkanalisation zur Rettung des
Millstätter Sees stand als nahezu unüberwindliches Schreckgespenst die Frage
der Finanzierung dieses Jahrhundertunternehmens.
Daß beträchtliche
Teile des Bau- und später Erhaltungsaufwandes über Beiträge der Anschlußwerber
hereinzubringen sein werden, war allen Entscheidungsträgern klar, doch sollten
die Belastungen zumindest zeitlich in einem erträglichen Rahmen gehalten
werden. Darum wurden auch die Planungsarbeiten und ersten Baumaßnahmen bis zum
Jahre 1971 mit einem Rahmen von 20 Millionen Schilling vorerst über Kredite
bedeckt.
Erst mit der
Beschlußfassung der Gemeinden im Jahre 1971 über die Einhebung von
Kanalisationsbeiträgen konnte darangegangen werden, die dazu erforderlichen
zeitaufwendigen und umfangreichen Vermessungsarbeiten von Gemeinde zu Gemeinde
und von Haus zu Haus in Angriff zu nehmen.
Im Jahre 1972 wurde
erstmals ein einmaliger Kanalisationsbeitrag (Anschlußgebühr) für die Gemeinden
Millstatt und Seeboden mit 16.220,- Schilling pro Bewertungseinheit und eine
Benützungsgebühr von 16,- Schilling pro m3 Wasser mit gleichlautenden
Verordnungen durch die Gemeinden beschlossen. Diese Abgaben wurden bis zum
Jahre 1999 in Jahres- und teilweise Zweijahresabschnitten auf 35.000 Schilling
und 33,50 Schilling erhöht, um den Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu
können.
Eine Finanzierung
der Baumaßnahmen war jedoch nur möglich auf Grund von langfristigen, über
Jahrzehnte laufenden Krediten aus dem Wasserwirtschaftsfonds des Bundes und
verlorenen Zuschüssen des Landes.
Im Jahre 1988 wurde
der Anschluß des Reinhalteverbandes Lieser- Maltatal an die Verbandskläranlage
genehmigt, dem der Wasserverband Lurnfeld- Reißeck folgte.
Die an die
Abwasserreinigungsanlage (ARA) angeschlossenen Gebiete umfassen seither eine
geschätzte künftige Bevölkerungszahl von 96.900 Einwohnern. Die Abwasserreinigungsanlage
(ARA) wurde jedoch vorsorglich auf 110.000 Einwohner ausgelegt. [193]
Laut dem
Jahresabschluß des Wasserverbandes Millstättersee zum 31. 12. 2003 betragen die Anschaffungs- und
Herstellungskosten für Kanal (Euro 96,587.162,93), Kläranlage (Euro 15,622.374,32) einschließlich aller für Betrieb, Verwaltung
und Zinsendienst erforderlichen Nebenkosten
Euro 112,209.537,25.
Dazu gewährte das
Land Kärnten einen nicht rückzahlbaren Zuschuß von Euro 23, 170.783,70 und aus
dem Wasserwirtschaftsfonds, später Kommunalkredit,
wurden vom Bund
langfristige rückzahlbare Darlehen im Betrage von Euro 70,199.392,10 zur
Verfügung gestellt. Über Euro 18,5 Millionen mußten bisher über
Anschlußgebühren von den Gemeinden, (Anschlußwerbern) aufgebracht werden. [194]
Der Millstätter See
hatte sich nicht so sehr durch den natürlichen Alterungsprozeß, als vielmehr
den Einfluß der hier wohnenden und urlaubenden Menschen während vieler
Jahrzehnte, besonders aber mit dem Einsetzen des Massentourismus, bis hin zur
ökologischen Katastrophe verschlechtert.
Mit einer gewaltigen
Kraftanstrengung, die von vielen aus Unkenntnis einer harten Kritik ausgesetzt
war, fanden im Jahre 1965 zuerst drei und im Laufe einiger Jahre alle Gemeinden
des Einzugsgebietes eine gemeinsame Zukunftperspektive: dem Badesee als
Grundlage des Tourismus seine alte Qualität wiederzugeben.
Als während der
bereits fortschreitenden Kanalbauphase im Jahre 1972 und 1973 ein Höhepunkt der
Algenvermehrung in Form von großflächigen Teppichen der Burgunder Blutalge
(Oscillatoria rubescens) an der Oberfläche des Sees sichtbar wurden, war dies
ein Ansporn, durch Zusammenwirken aller Entscheidungsträger von den Gemeinden,
Land und Bund über vorgezogene Finanzierungen durch Kredite den Kanalbau auf
Biegen und Brechen voranzutreiben.
Die Verminderung der
Nährstoff- Fracht konnte bereits nach einigen Jahren bei den laufenden
Untersuchungen durch das Kärntner Institut für Seenforschung festgestellt
werden, sodaß im Jahre 1980 bereits eine deutliche Verbesserung des
limnologischen Zustandes eintrat. Mit der Verminderung der Phosphor-
Konzentration wurde gleichzeitig eine um mehr als 50 % kleinere Algenmenge
gemessen und die Sichttiefe erhöhte sich auf durchschnittlich 7,3 Meter, einem
Wert, der zuletzt im Jahre 1956 beobachtet worden war.
(Beilage: Millstätter See,Sichttiefen)
Deshalb konnte in
einer Beurteilung des Jahres 1980 festgestellt werden, daß der Millstätter See
auf Grund seiner geringen Phosphorkonzentrationen – der zirkulierende Wasserkörper
wies eine durchschnittliche Konzentration von 10 mg pro m3 auf – nur mehr als
sehr schwach belastetes Gewässer mit sehr guter Badequalität eingestuft werden
kann. [195]
Daß jedoch der
Kanalbau unvermindert fortgesetzt werden mußte, war aus der im Jahre 1979
festgestellten Algenmasse in einer Tiefe unterhalb von 20 Metern zu ersehen, wo
sich der Sauerstoffinhalt des Wasserkörpers innerhalb eines Jahres zwischen 21
und 141 m um 702 Tonnen verringert hatte. Doch verbesserten sich die
Sauerstoffverhältnisse bereits im Jahre 1980 wieder infolge der geringeren
Algenproduktion, da in 120 Meter Tiefe während des gesamten Jahres Sauerstoff
nachgewiesen werden konnte und sogar noch in 140 Meter Tiefe Sauerstoff
vorhanden war.
Auch die Phosphor-
Frachten des Riegerbaches sanken seit dem Jahre 1975 von 19 Tonnen auf 3,9
Tonnen.
Darum stellte das
Institut für Seenforschung fest: „Im Rückgang der Nährstoff- Fracht zeigte sich der schon weit
vorangeschrittene Ausbau der Kanalisationsanlagen im Einzugsgebiet“. [196]
Es war beeindruckend,
wie schnell nach der Sanierung der Uferbereiche sich zuerst die hygienischen
Verhältnisse schlagartig verbessert und nach einigen Jahren auch die
Nährstoffgehalte verringert hatten, sodaß es zu einem Absinken der Algenmengen
aus der Oberflächenschicht kommen und eine deutliche Erhöhung des Klarheit des
Wassers, sowie der Sichttiefe erreicht werden konnte. [197]
Bis zur Mitte des
18. Jahrhunderts hatte sich Millstatt nach der Säkularisierung des Stiftes vom
kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum einer kirchlichen Herrschaft zu einem
unbedeutenden Fischerdorf mit verfallenden Klosterbauten zurückentwickelt.
Damit parallel
verlaufend vollzog sich auch ein tiefgreifender gesellschaftlicher und
ökonomischer Wandel in dem 438 Einwohner zählenden Markt.
Erst mit dem Bau der
„südlichen Staatsbahnen“, der Eröffnung der Bahnstrecken Marburg – Klagenfurt
am 30. Mai 1864 und Klagenfurt – Franzensfeste am 30. November 1871 war Kärnten
an die wirtschaftlichen Ballungs- und Industriezentren der Monarchie
angeschlossen. Damit begannen immer mehr Städter, neue Reiseziele zu erkunden.
Ein erster Gast nahm im Jahre 1869 in Millstatt ein noch primitives Quartier,
doch folgten ihm bereits im nächsten Sommer eine größere Anzahl von Freunden.
Laut einer
Reisebeschreibung muß sich das Gasthauswesen noch in einem armseligen Urzustand
befunden haben. Schon bald aber erkannte ein unternehmender junger Bergbauer
die wirtschaftlichen Chancen, die mit der Aufnahme von Fremden zusammenhingen
und errichtete ein modernes Gasthaus, das sich schnell einen guten Ruf erwarb.
Angespornt durch die sichtbaren Erfolge, begannen nun auch andere Besitzer,
sich mit Investitionen in den Fremdenverkehr einzuschalten.
In den Reiseführern
der Südbahn wurde Millstatt nun wegen seines milden Klimas und der See wegen
seiner Wärme und des Fischreichtums gepriesen.
Im Jahre 1889
erfolgte auf Antrag des Gemeindeausschusses die Trennung der bisherigen
Großgemeinde in die zwei Ortsgemeinden Millstatt und Obermillstatt, eine
Entscheidung, die bis zur Zusammenlegung am 1. Jänner 1973 wirksam bleiben
sollte.
Mit dem
anschwellenden Gästestrom konnten sich bald neue Pensionen zur Vermietung und Seebäder für Badekuren
anbieten und unternehmungslustige Zugezogene begannen sich als Wegbereiter des
Fremdenverkehrs zu etablieren.
Doch gab es am
Beginn noch viel Argwohn und Skepsis. Besondere Differenzen rief der geplante
Bau einer Nebenbahn hervor, die von Villach entlang des Gegendtales und den
unteren Bereich des Marktes Millstatt nach Spittal geführt werden sollte.
Ebenso ließ die geplante Einleitung von Lieser und Möll in den Millstätter See
zur Erzeugung von elektrischem Strom über eine Gefällstufe zum Drautal die
Wogen der Diskussion hochgehen.
Doch all die
bisherigen Erfolge beim Aufbau des Fremdenverkehrs wären nicht möglich gewesen,
wenn sich nicht schon einige in die Zukunft blickende Pioniere zur Gründung
eines Verschönerungs- später Förderungsvereines, entschlossen hätten.
Von diesem wurden
alle Maßnahmen im Bereiche der Infrastruktur initiiert und durchgeführt, sodaß
innerhalb einiger Jahrzehnte beachtliche Voraussetzungen für Aufenthalt,
Erholung und Unterhaltung der Fremden geschaffen werden konnten.
Es entstanden
bereits Hotelbetriebe der gehobenen Klasse und insgesamt vermehrte sich die
Zahl der Betten bis zum Jahre 1914 qualitativ und quantitativ so rasch, daß
Millstatt zu einem der bedeutendsten Sommerfrischen des Landes aufstieg.
Vor und nach der Jahrhundertwende entdeckten
auch Adel und begüterte Städter Millstatt, die hier meist am Seeufer oder in
Seenähe ihre Jugendstilvillen errichteten. Diese Villenbesitzer waren bereit,
sich in das Ortsgeschehen einzubinden und nahmen tätig Anteil an der Gestaltung
der Angebote, von Festen und an der Lösung sozialer Fragen.
Ausstrahlend von
Millstatt entwickelte sich aber auch in den anderen Seeuferorten Seeboden und
Dellach (Gemeinde Obermillstatt) mit geringer zeitlicher Verzögerung der
Fremdenverkehr.
Eine öffentliche
Verbindung zwischen den Orten am See wurde aufgenommen, als die Millstätter
Dampfschiffahrtsgesellschaft im Jahre 1901 gegründet wurde, die alle
wirtschaftlichen Schwankungen bis heute als gesundes Unternehmen überdauerte.
Nach dem Niedergang
des Fremdenverkehrs im Ersten Weltkrieg nahmen aktive Persönlichkeiten das Heft
in die Hand, um einen neuen Anfang zu setzen.
An Stelle des
Förderungsvereines wurde mit der Kurkommission eine geänderte Organisation
eingerichtet und ein Plan zur Ausgestaltung des Kurortes ausgearbeitet. Bereits
im Jahre 1925 konnte ein modernes Strandbad eröffnet werden, dem im Jahre 1931
ein viel bestaunter großer Sprungturm folgte.
Doch
Wirtschaftskrise, 1000-Mark-Sperre und politische Auseinandersetzungen führten
den Fremdenverkehr in eine schwere Krise, von der er sich nach dem Anschluß im
Jahre 1938 nur kurz erholte, denn mit dem Zweiten Weltkrieg und der
anschließenden Besatzung war er am Ende angelangt.
Erst im Jahre 1948
kam neuer Optimismus auf und es erfolgte ein Neuaufbau des Fremdenverkehrs, als
deutsche Gäste wieder begannen, auf Sommerfrische zu fahren. Nun gab es von
Jahr zu Jahr Jubelmeldungen über Steigerungen der Gästezahlen und
Übernachtungen infolge der Erleichterungen im internationalen Reiseverkehr und
des beginnenden „Wirtschaftswunders“ in der Bundesrepublik Deutschland.
Trotz eines
kurzfristigen Rückschlages durch eine verheerende Unwetterkatastrophe im Sommer
1958 war die stetige Aufwärtsentwicklung nicht
zu bremsen. Neben den
gewerblichen Betrieben boten nun auch immer mehr Privatzimmervermieter ihre
Betten an und zwei Campingplätze wurden gebaut, sodaß am Höhepunkt der
touristischen Entwicklung im Jahre 1972 mit 8.700 Betten und 530 Stellplätzen
(zu je vier Betten gerechnet) 853.975 Nächtigungen in Millstatt / Obermillstatt
erzielt werden konnten.
Diesem bereits
überbordenden Wachstum und der damit verbundenen Seeverschmutzung folgte jedoch
bereits im Jahre 1967 eine erste Ernüchterung, als an der Oberfläche des Sees
Rotalgen auftraten und in den Jahren 1972 und 1973 großflächige Algenteppiche
erschreckende Ausmaße angenommen hatten.
Gewarnt durch
Untersuchungen des Millstätter Sees wurde jedoch bereits Anfang der 60er Jahre
begonnen, das Problem der Abfallbeseitigung durch Regelung der Müllabfuhr zu
ordnen und Lösungen für die Abwasserverbringung zu suchen.
Da jedoch die
Verschmutzung des Sees durch Abwässer aus dessen gesamten großen
Einzugesbereich erfolgte, mußte mit den betroffenen Gemeinden gemeinsam durch
Gründung eines Wasserverbandes im Jahre 1965 die organisatorische Voraussetzung
gefunden werden. Die Eutrophierung des Seewassers war nämlich vor allem auf die
jahrzehntelange Einleitung von Haus- und Industrieabwässern aus dem 280 km2
großen Einzugsgebiet zurückzuführen, die in immer größeren Mengen Phosphor- und
stickstoffhaltige Substanzen enthielten.
Die im Jahre 1967
begonnenen und ab 1973 mit erhöhter Intensität fortgeführten Kanalbaumaßnahmen,
vor allem entlang des Seeufers, brachten bereits nach einigen Jahren eine
sichtbare Verminderung des Algenwachstums und damit eine Erhöhung der
Wasserqualität.
Mit den über das
Jahr 2000 hinaus fortgesetzten Baumaßnahmen konnte nicht nur eine
Trinkwasserqualität für den Millstätter See, sondern auch in der Abwasser-
Reinigungsanlage (ARA) die höchste Reinigungsstufe erreicht werden.
Nach dem Höhepunkt
der touristischen Entwicklung in Millstatt des Jahres 1972 begann sich die
Seeverschmutzung und das Algenwachstum negativ und in der Folge dämpfend auf
die Nachfrage auszuwirken.
Neue junge
Urlaubergenerationen und das Aufkommen des Ferntourismus bewirkten zusätzlich
einen Imageverlust des Sommertourismus in den Alpenregionen, weshalb in einem
stetigen Abstieg innerhalb eines Zeitraumes von dreißig Jahren im Jahre 2003
nur mehr 362.003 Nächtigungen gezählt werden konnten; das war ein Verlust von
491.972 Nächtigungen oder 64,43 Prozent.
Die geringere
Nachfrage bewog deshalb viele Betriebsinhaber und Privatzimmervermieter, mit
Investitionen in den Komfort diesem Trend gegenzusteuern. Vor allem mit der Umwandlung
von mehreren einfachen Zimmern in Ferienwohnungen verringerte sich die Zahl der
Betten mit Kalt- und Warmfließwasser entscheidend. Auch der Wunsch, den eigenen
Wohnkomfort zu verbessern, veranlaßte viele Kleinvermieter, die eigene
Wohnfläche zu vergrößern und die Vermietung einzuschränken oder überhaupt
aufzulassen. Darum verminderte sich der Anteil der Betten in der
Privatzimmervermietung in dieser Zeit von 4.056 auf 924 und es entstanden dafür
1.278 Betten in Ferienwohnungen.
Die Jahre von 1990
bis 2003 waren außerdem davon gekennzeichnet, daß auch einige Hotels und
Gasthäuser ihren Betrieb einstellen mußten, wodurch das Bettenangebot ebenso
eine Reduktion erfuhr.
Die Bettenanzahl
verringerte sich unter Einschluß der zwei Campingplätze, deren 530 Stellplätze
laut Statistik mit je vier Betten, das sind 2.120 Betten, berechnet werden, von 11.300 ( 9.210 plus 2.120 ) im Jahre 1975 auf 5.943 (3.823 plus 2.120) im Jahre 2003 . [198]
Das Ortsbild von
Millstatt wurde in den Jahrzehnten vor und nach dem Jahre 1900 durch die
zahlreichen Villenbauten geprägt, deren Besitzer Sommerferien auf einem hohen
Niveau pflegten und für ein erlesenes Publikum Vorbild waren.
Dieses Image eines
gediegenen Kurortes blieb auch in der Zwischenkriegszeit bestehen, in der
beachtliche Angebote und wesentliche infrastrukturelle Einrichtungen dem Markt
eine noble Note gaben.
Als es darum ging,
in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg einen immer größer werden
Gästestrom zu beherbergen, begann die Qualität vieler Betriebe und Zimmer
abzusinken, da sprichwörtlich „jedes Loch“ an den Mann zu bringen war.
Die ökologische
Folge des Massenandranges, die Seeverschmutzung, konnte in einer beispielhaften
Gemeinschaftsleistung aller betroffenen Gemeinden bewältigt werden, denn der
See erlangte innerhalb eines relativ kurzen Zeitraumes wieder seine alte
Qualität.
Aufwendige
Infrastruktur- und Sportstättenbauten, sowie Veranstaltungs- und
Kulturprogramme besonders im Bereiche der Musik und bildenden Kunst, vermochten
es jedoch bis jetzt nicht, den
geänderten Urlaubsvorstellungen
der gut verdienenden jungen Mittelschicht, denen immer mehr neue ferne
Destinationen offen stehen, zu
entsprechen.
Auf der anderen
Seite schrumpfte der große Kreis der hoch geschätzten Stammgäste, die
Veränderungen an ihrem Urlaubsort- und Haus in den überwiegenden Fällen
ablehnten, immer mehr zusammen.
Die damit
eingetretene geringere Nachfrage und der Zug der Zeit bewirkten, daß auch
mehrere Hotels und Gasthöfe infolge rückläufiger Tendenzen nicht mehr zu
Erneuerungsinvestitionen in der Lage waren, zusperren mußten und nun als
‚Betriebsleichen‘ das Ortsbild belasten.
Unterhaltungsbetriebe
mit lebender Musik gaben aus Kostengründen auf und viele kleine Geschäfte
verschwanden meist mangels Nachfolgeregelung. Damit verlor der Ort seine
bisherige Lebendigkeit, denn die vom Gast erwarteten Einkaufserlebnisse und
abendlichen Unterhaltungsmöglichkeiten im Ort reduzierten sich ständig.
Gerade deshalb
bleibt es ermutigend, daß eine nicht geringe Zahl von zukunftsorientierten
Hotel- und Pensionsbetrieben sich einem persönlichen gediegenen Leitbild
verschrieben und beispielhafte Qualität anzubieten haben. Jeder ragt jedoch im
Gesamtangebot nur als einsamer Inselbetrieb heraus.
Noch fehlt der
zündende Funke, einen Urlaub in Millstatt wieder prestigeträchtig zu machen, um
in den Herkunftsländern die
nachwachsenden kritischen und urlaubserfahrenen Generationen anzuziehen.
Untersuchungen zur
Ergründung der negativen Tendenzen waren darum angesagt:
Bereits im Jahre
1975 entstand im Rahmen einer
Fremdenverkehrsstudie eine Untersuchung über den Millstätter See und alle im
Gebietsverband werbemäßig gemeinsam agierenden fünf Gemeinden.
Darin heißt es:
Das Gebiet des
Millstätter Sees hat seinen natürlichen Charakter bewahrt und darum eine
Landschaft mit besonderem Erholungswert anzubieten, der auf Grund der
vielfältigen klimatischen Voraussetzungen je nach Höhenlage über Schon – oder
Reizklima, sowie Wander – und Bademöglichkeiten verfügt.
Deshalb sei mit
dieser Erholungslandschaft ein hoher Attraktivitätsgrad verbunden. Der
Vergleich mit einem See in Unterkärnten
zeige jedoch, daß dort der mondäne Charakter, die Internationalität und
unerschöpfliche Unterhaltungsmöglichkeiten starken Zuspruch auslösen, weshalb
besonders junge Altersgruppen durch das vielseitige, qualifizierte und
attraktive Angebot angezogen werden.
Bereits damals
konnte auch unwidersprochen festgestellt werden, daß die Einsaisonalität als
Hauptproblem gelten muß, da es in den Monaten Juli und August zu einer
Überbeanspruchung kommt, während die Vor- und Nachsaison nur schwach
ausgelastet bleibt. Da jedoch die fixen Kosten bei Betrieben und Fremdenverkehrseinrichtungen
während eines gesamten Jahres anfallen, würde nur eine verstärkte Auslastung in
den fremdenverkehrsschwachen Monaten eine Verbesserung herbeiführen.
Hinzu komme, daß die
täglichen Gästeausgaben in Kärnten mit
300 Schilling im Jahre 1971 relativ
niedrig sind gegenüber Tirol mit 1.775 Schilling.
Die Prognose für
Millstatt fiel trotzdem damals noch relativ günstig aus - als Zentrum des
Fremdenverkehrs, Kongreßort und kultureller Mittelpunkt.
Dazu zählten:
die verkehrsgünstige Lage,
Anreize durch klimatische und
landschaftliche Gegebenheiten,
Erholungs – und Kurmöglichkeiten,
kulturelle Anziehungspunkte und
freundliches Ortsbild,
leistungsfähige Hotel – und
Gaststättenbetriebe und
Gastfreundschaft der Bevölkerung.
Unter diesen
Voraussetzungen könnte eine Saisonverlängerung angestrebt werden, jedoch unter
der Bedingung, daß Betriebe, Geschäfte und alle Einrichtungen während der
gesamten Zeit der Nebensaisonen offen halten.
Einige Programme wurden
in dieser Untersuchung neben den allgemeinen Dienstleistungen als beispielhaft
hervorgehoben:
Für Kinder:
Kinderparty mit Kindergymnastik, Verkehrserziehung, Basteln, Spielen,
Kindertheater,
für Jugendliche:
Popkonzerte, Strandpartys, Tanz, Mondscheinfahrten, Wildwasserpaddeln,
Wassersport, Tauchen, Reiten,
für Senioren:
Konzerte, Heimatabende, Fischen, Fitnessprogramme, Sommernachtfeste,
Kupfertreibkurse und Malarbeiten,
Mineraliensammeln, pflanzenkundliche Führungen.
Im
Sommerdurchschnitt des Jahres 1975 überwog nach dieser Studie in Millstatt die
Nachfrage nach gewerblichen Betten mit 63 Prozent, wogegen der Anteil der
Privatquartiere bei 30 Prozent lag. Die Aufenthaltsdauer konnte je nach
Kategorie mit 11 bis 12 Tagen ermittelt
werden. [199]
Abschließend stellte
die Verfasserin fest: „Das Untersuchungsgebiet eignet sich in besonderem Maße
als Erholungslandschaft mit hohem Attraktivitätsgrad .......... vielfältigem
Landschaftscharakter und Unterhaltungsmöglichkeiten für alle Alters – und
Sozialgruppen“. [200]
Ebenso wurde auf
Anregung der Gemeinden am Millstätters See vom Wirtschaftsförderungsinstitut
Kärnten im Jahre 1980 die Ausarbeitung von „Rahmenleitlinien für die
touristische Weiterentwicklung der Region Millstätter See 1980 – 1990“ in
Auftrag gegeben.
Darin erfolgte von
fachlich kompetenter Seite nicht nur eine genaue Auflistung des Bestandes
sondern auch der negativen Tendenzen im
Fremdenverkehr und der möglichen Maßnahmen zur Bewältigung der Probleme.
Für den Raum
Millstätter See konnten als Stärken festgestellt werden:
Landschaft und
Umwelt: attraktive und relativ intakte Landschaft, gutes Klima
(heilklimatisch), gut erschlossene Almen,
Touristische
Einrichtungen: großes Wandergebiet, vielseitiges touristisches und kulturelles
Angebot,
Touristische
Suprastruktur: vielseitig, familienfreundlich.
Als Schwächen wurden
erwähnt:
1) Keine
herausragenden Sport – und Freizeiteinrichtungen,
2) Ungenügendes
Unterhaltungsangebot,
3) Mangel an
spezialisierten Leitbetrieben,
4) Imageverlust bei den jungen Ausländern, überalterte
Gästestruktur.
Bei weiterhin
gleichbleibender Entwicklung der Region Millstätter See wäre zu erwarten, daß
sich die Orte zunehmend zu Altenwohnsitzen oder Zweitwohnungsplätzen
entwickeln. Dadurch würden die Übernachtungszahlen stagnieren und wegen
ungenügender Auslastung ein Rückgang bei den gewerblichen Betrieben eintreten,
wodurch den Gemeinden das wirtschaftliche Rückgrat abhanden käme.
Um dem
gegenzusteuern, müßte eine zukunftsorientierte Entwicklung des Fremdenverkehrs
mit starker Forcierung der Verbesserung der Qualität und Profilierung der
Region erfolgen, um sich gegenüber anderen Regionen abzuheben.
Ein zukünftiges
Entwicklungskonzept würde jedoch die Mitarbeit aller Bevölkerungskreise der
Region erfordern, um den Fremdenverkehr wieder auf eine wirtschaftlich
interessante Basis zu stellen.
Das Entwicklungsziel
eines Wiederanstieges dürfe jedoch nicht „Imitation“, sondern müßte
„Profilierung“ sein, also nicht Nachahmung anderer Regionen, sondern die
Bearbeitung der eigenen speziellen Chancen
unter Beachtung von zu erarbeitenden Leitbildern.
So müßten als
Zielvorstellung im Bereiche der Suprastruktur in jedem Ort der Region vier bis
fünf Leitbetriebe entstehen, wie zum Beispiel: Reiterhotel, Golfhotel,
Tennishotel, Gesundheitshotel usw.
Auch das
Unterhaltungsangebot müßte wesentlich verbessert und ausgeweitet werden.
Eine Verlängerung
der Sommersaison durch Verstärkung der Frühling- und Herbstmonate setze nämlich
spezialisierte Betriebe, attraktive Veranstaltungen und geöffnete Einrichtungen
voraus, um einen Ort nicht „tot“ erscheinen zu lassen.
Außerdem sollte auch
für den Winter das Naturerlebnis und ein Gesundheits- Konzept hervorgestrichen werden, um den
Wintererholungsgast anzusprechen.
Die Empfehlung
lautete: Als Zielvorstellung sollten sich die Gemeinden am Millstätter See
gemeinsam als „Gesundheitsregion“ profilieren und damit werbemäßig stark hervortreten.
Die Verwirklichung
von Maßnahmen erfordere jedoch „Mut zum Neuen“, denn es wäre wahrscheinlich
schon zu spät, wenn erst die Not erfinderisch mache. [201]
Als Warnung wurden
vom Verfasser jedoch fünf Todsünden angeführt, die Ideen umbringen, bevor sie
ausschlüpfen:
„Selbstzufriedenheit ( „Es ist alles
in Ordnung“),
Zu starkes Traditionsbewußtsein (
„Machen wir schon immer so“),
Die Verwechslung von
Entschlußlosigkeit und Vorsicht
(„Wer weiß, ob‘s gut geht“),
Mangelnde Geduld (weil sich die
Idee nicht schnell genug erfolgreich
erweist) ,
Angst vor Umstellungen (mangelnde
Flexibilität).“ [202]
Es ist
bemerkenswert, daß die einheitliche Ausrichtung der Gemeinden auf das Leitbild
„Gesundheitsregion“ bisher noch nicht zum Durchbruch kam.
Darum würde es sich
lohnen, die Rahmenleitlinien im Umfang von 202 Seiten neu zu durchforsten, um
Anregungen für dringend anstehende Maßnahmen zu gewinnen und gemeinsam
durchzusetzen.
Wohl aber wurde die
touristische Organisation von den Gemeinden nach dem bisher durch Jahrzehnte
auf Freiwilligkeit bestehenden Gebietsverband Millstättersee am 10. Jänner 1996
im Rahmen einer vom Land Kärnten geförderten Aktion zum Regionalverband
„Millstätter See Tourismus GmbH“ umgestaltet.
Um die Erarbeitung
von Grundlagen für künftige Initiativen fortzusetzen, erfolgte in Millstatt
während der Jahre 1995 / 1996 in folgenden sechs Arbeitskreisen unter
Federführung und Moderation des Landesfremdenverkehrsdirektors die Formulierung
von Prioritäten für die Zukunft:
AK 1 ........... Das touristische Angebot
AK 2
........... Wir und der Tourismus
AK 3 ........... Tourismus und Landwirtschaft
AK 4 ........... Tourismus und Verkehr
AK 5
........... Tourismus und Politik
AK 6 ........... Kommunikation und Kooperation
Erneut wurden
Stärken und Schwächen aufgelistet, die touristische Ausgangslage und Trends
festgestellt und an Hand von Marktuntersuchungen ermittelt, daß der deutsche
Gast zu 56 Prozent in seinem Urlaub Gesundheit und Sport sucht.
Folgende gemeinsame
strategische Ziele wurden erarbeitet:
Ausbau des
Kulturtourismus – Events
Forcierung des
familienorientierten Gesundheitstourismus,
Millstätter Klima
Saisonverlängerung
Imageaufbau –
Berücksichtigung von Punkt 1 – 3 [203]
Schließlich wurde in
einem Resüme festgestellt:
„ Mit Hilfe der
vorhandenen Forschungsunterlagen wurden durch die in den sechs Arbeitskreisen
repräsentierte Tourismuswirtschaft gemeinsam mit der Marktgemeinde einige
wesentliche Stärken Millstatts gefunden, die systematisch im Sinne eines U. S.
P. (unique selling proposition = einzigartigen Verkaufsargumentes) für
Millstatt ausgebaut werden sollten.
Alle Bürger Millstatts
sind aufgerufen, diese Strategien in ihrem Wirkungsbereich zu verstärken, denn nur konsequentes Handeln
wird in Hinkunft den Erfolg garantieren
können.
Unabhängig davon
sind vor allem die Betriebsinhaber aufgerufen, den entsprechenden Trends am
Tourismusmarkt folgend das vorliegende Leitbild laufend zu aktualisieren und im
Sinne eines ‚gesunden Millstätter
Klimas‘ zu realisieren“. [204]
Angesichts der immer
bedrohlicher werdenden Situation im Tourismus ist man nun versucht, zu fragen:
Wo sind heute die
Gegenstücke zu den seinerzeitigen einheimischen Pionieren des
Förderungsvereines, zum Bergbauer vom Purckhstall, Uhrmacher aus Gmünd,
Apotheker aus Agram, Rechtsanwalt aus Wien, Fleischhauer aus Paternion, zu den
Erbauern der Villen um die Jahrhundertwende, die am Ortsgeschehen so aktiv
teilhaftig waren und für Millstatt Flair und Geltung brachten?
Sie alle hatten, auf
sich allein gestellt, Mut zu Neuerungen und Zukunftsvisionen. Sie packten
gemeinsam an, um aus einem armseligen Fischerdorf einen blühenden Kurort entstehen zu lassen.
(Bilder: Millstatt 1904 und 1980)
Quellen und
Literatur
Ungedruckte
Quellen
Gemeindeausschuß Sitzungen 1895, 1896, 1900, 1901, 1902,
1907.
Gendarmeriechronik 1913 – 1972.
Pfarrchronik
Matzelsdorf vom 8. September
1888.
Pfarrchronik Millstatt 1862 – 1982.
Wasserverband
Millstätter See,
Jahresabschluß zum 31. 12. 2003.
Gedruckte Quellen
Amt der Kärntner
Landesregierung (Hrsg.), Entwicklungsprogramm
Tourismus.
(Klagenfurt 1973).
Anhang zu den
stenographischen Protokollen
des Hauses der Abgeordneten des österreichischen Reichsrates im Jahre 1907.
k.k. priv.
Südbahn Gesellschaft (Hrsg.)
Die Südbahn und ihr Verkehrsgebiet
in Österreich –
Ungarn. (Brünn 1899).
Marktgemeinde
Millstatt (Hrsg.), Höfe,
Häuser, Häuslichkeit. (Millstatt 1994).
Anna Opela,
Bernd Oberhuber, 100 Jahre am See, Die Millstätter
Schifffahrtsgesellschaft
1901 – 2001. (Spittal / Drau 2001).
Helmut Prasch,
Die Burgstaller am Purckhstall. Chronik eines Kärntner
Bauerngeschlechtes.
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Josef Rabl,
Kleiner Illustrierter Führer auf der Tauernbahn.
(Wien – Leipzig
1911).
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gewerblichen Wirtschaft
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Kärntner Institut
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Veröffentlichungen. (Klagenfurt 1981).
Österreichisches Statistisches Zentralamt (Hrsg.) ,
Fremdenverkehr in Österreich, 1952/53 (Wien 1954),
1953/54 (Wien 1955), 1955/56 (Wien
1957), 1956/57 (Wien 1958),
1957/58 (Wien 1959), 1960 (Wien 1961), 1970 (Wien 1971),
1980 (Wien 1981).
Österreichisches
Statistisches Zentralamt
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Kärntner Tagblatt Nr. 188 vom 19. August 1904.
Kärntner Zeitung vom 22. Juli 1894, Nr. 164,
vom 19. August
1894, Nr. 187,
vom 8. August
1902, Nr. 95,
vom 15. August 1902, Nr. 98.
Klagenfurter
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vom 21.August 1907,
Nr. 203
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Radenthein, Eine Chronik. (Klagenfurt 1957).
Heide Wahrlich,
Tourismus – eine Herausforderung für Ethnologen.
(Berlin 1984).
Beilagen und
Bilder
Nach Seite
4 Bild: Millstatt
(Aquarall vor 1800)
In Privatbesitz von Dr. Günther
Dunst
5 Bilder:Oberer Marktplatz
Aus „Die Geschichte von Millstatt“ Unterer
Marktplatz
Exponat Heimatmuseum Obermillstatt
14 Bilder: Das
Marchetti – Bad
Exponat
Heimatmuseum Obermillstatt
Das
Gröchenig – Bad (vormals Trebsche)
Exponat
Heimatmuseum Obermillstatt
18 Bild: Hotel
Post
Exponat Heimatmuseum Obermillstatt
20 Bild: Grand
Hotel Lindenhof
Exponat Heimatmuseum Obermillstatt
21 Plan: Projekt eines Cursalons für Millstatt
1894
Exponat
Heimatmuseum Obermillstatt
22 Plan: Lokalbahn
Villach – Millstatt – Spittal/Drau
Planungsvariante Südufer Millstätter See
Archiv Marktkommune Millstatt
27 Bilder: Die
Pioniere des Fremdenverkehrs
Aus „Die
Geschichte von Millstatt“
Beilage: Regatta
Archiv Marktkommune Millstatt
Bild: Strandkonzert
Archiv Marktgemeinde Millstatt
Beilage: Nachtragsbericht
Beilage zu den
Reichsratsprotokollen 1894
Pläne: Villa Schuster
Archiv
Marktgemeinde Millstatt
42 Beilage:Kaiserfest
Archiv
Marktgemeinde Millstatt
49 Bild: Dampfer Margarete
Exponat
Heimatmuseum Obermillstatt
Bilder: Einweihung des Strandbades im Juni 1925
Archiv Marktgemeinde Millstatt
Strandbad mit Sprungturm 1931
Archiv Marktgemeinde Millstatt
Beilage: Millstätter See ,
Phosphorbilanz 1980
Hans Sampl in:
Veröffentlichungen des Kärntner
Institutes für Seenforschung
Beilage: Millstätter See ,
Sichttiefen
Hans Sampl in:
Veröffentlichungen des Kärntner
Institutes für Seenforschung
Bilder: Millstatt 1904
Millstatt
1980
Archiv
Marktgemeinde Millstatt
[1] Vergl. Maierbrugger, Seiten 208 – 231, 235 - 245
[4] Maierbrugger, Seite 319
[5] Vergl. Prasch, Seiten 45 - 49
[11] Blätter aus Kärnten vom 12. August 1875, Seite 414
[12] Vergl. Pfarrchronik 1877, Seite 44, 1879, Seite 50
13 Vergl. Prasch, Seiten 50,56
14 Vergl. Pfarrchronik 1885, Seite 54
[16] Maierbrugger, Seite 323
[17] Vergl. Krobot, Seiten 43f, 47ff
18 Vergl. Maierbrugger, Seite 328
[19] Vergl. Rogy, Seiten 11 – 13
20 Vergl. k.k. priv. Südbahn Gesellschaft, Seiten 217f
21 Anhang zu den Stenographischen Protokollen 1907, Seite 3153
[22] Vergl. Rogy, Seite 23
[23] Vergl. Maierbrugger, Seiten 321 - 324
[24] Pfarrchronik 1883, Seite 52
[25] Vergl. Prasch, Seite 51
26 Vergl. Rogy, Seite 170
27 Vergl. Maierbrugger, Seiten 328f
28 Vergl. Rogy, Seite 149
[31] Vergl. Maierbrugger, Seite 328
32 Vergl. Maierbrugger, Seite 329
33 Vergl. Maierbrugger, Seite 324
[36] Vergl. Maierbrugger, Seiten 359f
[37] Vergl. Maierbrugger, Seite 331
[39] Vergl. Maierbrugger, Seite 331
[40] Klammer, Seite 28
[43] Pfarrchronik Matzelsdorf vom 8. September 1888
[44] Maierbrugger, Seiten 339 - 342
[45] Vergl. Maierbrugger, Seite 350
46 Pfarrchronik 1879, Seite 50
[47] Vergl. Maierbrugger, Seiten 350f
48 Pfarrchronik 1881, Seite 51
[49] Vergl. Maierbrugger, Seiten 350 – 353
50 k.k. priv. Südbahn Gesellschaft, Seite XVIII
[51] Vergl. Maierbrugger, Seiten 345f
[52] Vergl.. Seebad Millstatt Illustrierter Führer, Seite 12
[53] Vergl. Rogy, Seiten 171f
[56] Vergl. Seebad Millstatt Illustrierter Führer, Seiten 27 - 80
[57] Bernecker, Seite 10
58 Bernecker, Seite 11
59 Krobot, Seite 105
60 Vergl. Gemeindeausschuß vom 23. Februar 1895
[61] Vergl. Seebad Millstatt, Illustrierter Führer, Seiten 1 – 57
62 Vergl. Seebad Millstatt, zu vermietende Wohnungen, Seiten 3 - 74
[65] Krobot, Seite 66
[66] Vergl. Maierbrugger, Seite 336
[67] Kärntner Zeitung Nr. 187, Seite 8
68 Pfarrchronik 1894, Seite 62
[69] Vergl. Maierbrugger, Seiten 312f
[70] Pfarrchronik 1893, Seite 61
[71] Vergl. Marktgemeinde Millstatt, Seiten 40 - 70
[72] Vergl. Maierbrugger, Seiten 336 - 338
[73] Gemeindeausschuß vom 1. Mai 1896
[74] Marktgemeinde Millstatt, Seiten 23 – 29
[78] Vergl. Marktgemeinde Millstatt, Seite 40
[79] Klagenfurter Zeitung Nr. 192, vom 22.8.1888, Seite 1621
[81] Vergl. Kärntner Zeitung Nr. 98, Seite 6
[84] Rauter, Seite 36
[85] Kärntner Zeitung Nr. 164, vom 22.Juli 1894, Seite 7
86 Vergl. k.k..priv. Südbahn Gesellschaft, Seite 218
[87] Vergl. Rabl, Seite 75
[88] Vergl. Sommerfrische Seeboden, Beilage
[89] Sommerfrische Seeboden, Seiten 2f
[90] Villacher Zeitung Nr. 65 vom 15.August 1907
91 Klagenfurter Zeitung Nr. 192 vom 21. August 1907, Seite 1860
[92] Vergl. Marktgemeinde, Seite 64
[93] Kärntner Tagblatt Nr. 188, vom 19. August 1904
[94] Vergl. Rabl, Seite 75
[97] Vergl. Maierbrugger, Seite 323
[98] Opela / Oberhuber, Seite 16
99 Vergl.Maierbrugger, Seite 379
[100] Opela/Oberhuber, Seiten 18ff
[101] Vergl. Maierbrugger, Seiten 379f
[102] Vergl. Opela/Oberhuber, Seite 20
[105] Vergl. Amt der Kärntner Landesregierung, Entwicklungsprogramm, Seite 12
[106] Vergl. Amt der Kärntner Landesregierung, Entwicklungsprogramm, Seiten 18 und 22f
[107] Vergl. Freyer, Seite 178
108 Vergl. Freyer, Seiten 178ff
[109] Vergl. Högl, Seite 135
110 Vergl. Högl, Seiten 70,91
[111] Vergl. Maierbrugger, Seiten 321 - 332
[112] Vergl. Maierbrugger, Seiten 333 - 336
[113] Vergl.Högl, Seite 122
[116] Pfarrchronik 1919, Seite 117
117 Vergl. Maierbrugger, Seite 371
118 Pfarrchronik 1920, Seite 126
[119] Vergl. Maierbrugger, Seiten 371f
[120] Pfarrchronik 1922, Seite 145
121 Vergl. Maierbrugger, Seite 373
122 Vergl. Gendarmeriechronik 1924
[123] Vergl. Maierbrugger, Seite 373
124 Vergl. Gendarmeriechronik 1925
125 Vergl. Pfarrchronik von 2. Juni 1925, Seite 155
126 Vergl. Maierbrugger, Seite 374
[127] Vergl. Gendarmeriechronik 1927, 1928, 1929
128 Vergl. Maierbrugger, Seiten 374f
129 Vergl. Maierbrugger, Seiten 375f
[130] Vergl. Gendarmeriechronik 1931, 1932
[131] Maierbrugger, Seite 376
[132] Gendarmeriechronik vom 1. Juni 1933
[135] Vergl. Otruba, Seiten 4 - 6
[136] Vergl. Otruba, Seiten 11 - 15
[137] Otruba, Seite 91
[140] Vergl. Gendarmeriechronik 1934
[141] Vergl. Maierbrugger, Seite 377
[142] Vergl. Maierbrugger, Seite 402
[144] Vergl. Maierbrugger, Seiten 402f
[145] Vergl. Gendarmeriechronik 1941
[148] Vergl. Maierbrugger, Seiten 403f
[149] Vergl. Bernecker, Seite 33
[150] Vergl. Maierbrugger, Seiten 404ff
[151] Vergl. Gendarmeriechronik 1949, 1951
152 Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt , Fremdenverkehr 1953/54, Seite 74
153 Vergl. Pfarrchronik 1954, 1956
[154] Vergl. Gendarmeriechronik 1955, 1956, 1957
155 Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr 1956/57, Seite 94
[156] Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr 1956/57, Seiten 16ff, 20f
[157] Vergl. Maierbrugger, Seiten 381 – 385
158 Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr 1956/57, Seite 95 und
1957/58, Seite 93
159 Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr 1960, Seiten 106f
160 Vergl. Gendarmeriechronik 1951, 1960
[161] Vergl. Kramer, Seiten 136 - 143
[162] Vergl. Wahrlich, Seiten 6 - 11
[165] Gendarmeriechronik 1972
[166] Vergl. Statistik des Tourismus Büros vom 1.9.2004
[167] Vergl. Kaiser, Seiten 11 - 17
[170] Vergl. Ammer / Pröbstl, Vorwort
[173] Gemeindeausschuß vom 11. Februar 1902
[174] Vergl. Gendarmeriechronik 1951, 1960, 1972
[175] Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr 1952/53, Seite 1
176 Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr 1955/56, Seite 1
[177] Vergl. Hansely, Seite 3
[178] Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Volkszählung 1981, Seiten 10f
[179] Vergl. Österreichisches Statistisches Zentralamt, Fremdenverkehr
1956/57 Seite 94, 196o Seiten 104 – 107, 1970 Seiten 210 – 212, 1980 Seiten 176 - 177
[180] Vergl. Amt der Kärntner Landesregierung, Entwicklungsprogramm, Seite 17
[181] Vergl. Parnigoni / Hoscher, Seiten 111 – 117
182 Vergl. Kramer, Tourismus, Seite 142
[184] Ammer / Pröbstl, Seite 218
[185] Gemeindeausschuß vom 17. Juni 1901
186 Gemeindeausschuß vom 6. März 1907
187 Vergl. Hansely, Seite 5
[188] Vergl. Hansely, Seiten 5f
[189] Vergl. Sampl, Naturschutzblätter Seiten 46 - 49
[190] Vergl. Sampl, Seiten 55f
[191] Sampl, Naturschutzblätter 1974, Seiten 49 – 80)
[192] Vergl. Wasserverband Millstättersee, Seiten 44 - 46
[193] Wasserverband Millstättersee, Seiten 44 - 45
[194] Wasserverband Millstätter See, Jahresabschluß 2003
[195] Vergl. Kärntner Institut für Seenforschung, Seiten 26 - 32
[196] Kärntner Institut für Seeforschung, Seite 35
197 Vergl. Kaiser, Seite 18
[198] Statistik des Touriismus Büros vom 1.9.2004
[199] Vergl. Pahl, Seiten 72 und 110 – 119
200 Pahl, Seite 115
[201] Vergl. Kammer der gewerblichen Wirtschaft, Seiten 63 – 121
202 Kammer der gewerblichen Wirtschaft, Seite 125
[203] Vergl. Touristisches Leitbild, Seiten 1, 15, 16, 19, 32 - 40
[204] Touristisches Leitbild, Seite 45